Annelena Baerbock geht als Bundeskanzlerkandidatin für die Grünen ins Rennen. Das hat auch Auswirkungen auf die politische Landschaft in Dortmund. © dpa
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Dortmunder Grüne erleben gerade einen „Baerbock-Boom“

Die Nominierung von Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin hat Wirkung bis nach Dortmund. Die lokale Gruppe von Bündnis 90/Die Grünen erlebt derzeit einen unerhofften positiven Effekt.

Am 22. April hat der Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen Annalena Baerbock als Spitzenkandidatin für den Bundestagswahlkampf nominiert. Seitdem verspürt der Dortmunder Kreisverband einen „Baerbock-Boom“.

So beschreibt es die Partei selbst in einer Mitteilung am Mittwoch (5.5.). Anlass ist die Aufnahme des 600. Mitglieds der Dortmunder Grünen. Allein in den zurückliegenden zwei Wochen sind nach Angaben des Kreisverbands rund 50 Personen neu eingetreten.

Die Kanzlerkandidatin ist für viele ein Anlass einzutreten

„Dieser Zulauf ist weit größer als wir zu hoffen gewagt haben. Es ist erstaunlich, dass viele, die wir danach gefragt haben, angeben, dass die Nominierung von Annalena Baerbock der Anlass war, sich jetzt zu engagieren. Das liegt an der Person, aber auch an der Tatsache, dass wir überhaupt eine Kanzlerkandidatin stellen“, sagt Kreisverbandssprecherin Heide Kröger-Brenner.

Die Bundestagswahl am 26. September bezeichnet sie als „die wichtigste aller Zeiten“.

Stellvertretend für die Neumitglieder wird in der Mitteilung das 600. Mitglied, die Dortmunderin Sylva Dresbach, mit folgenden Worten zitiert. „Bei allem Schrecken in der Pandemie ist deutlich geworden, was in diesem Land in den letzten Jahrzehnten versäumt und ausgesessen worden ist. Ich finde es stark, dass Annalena Baerbock als junge Mutter jetzt in die Verantwortung geht und bin begeistert von ihrer Kandidatur.“

Seit der erfolgreichen Kommunalwahl 2020 wächst die Mitgliederzahl rasant

Die Partei hatte bei der Kommunalwahl 2020 in Dortmund mit 24,8 Prozent das beste Wahlergebnis aller Zeiten in Dortmund geholt. Schon kurz nach der Wahl vermeldete die Partei ein gestiegenes Interesse an einer Mitgliedschaft. Dies habe 2021 noch einmal angezogen.

Seit September sind insgesamt 117 Personen neu in die Partei eingetreten. Seit 2017 hat sich die Mitgliederzahl der Grünen von 300 auf 600 verdoppelt.

Kreisverbandssprecherin Heide Kröger-Brenner sieht dafür mehrere Gründe. Die gewachsene Präsenz durch eine stärkere Fraktion im Rat (22 Sitze) sowie zwei Bezirksbürgermeisterinnen und einen Bezirksbürgermeister machen sich bemerkbar.

„Und wir profitieren von Bewegungen wie Fridays for Future. Ich finde das gut. Das war wie ein Tritt in den Hintern für uns und ein Anlass, unsere Forderungen zu schärfen.“

Viele der neuen Mitglieder bringen sich aktiv mit ein

Die steigende Mitgliederzahl schlage sich unmittelbar in der politischen Arbeit nieder. „In den Ortverbänden ist wieder viel mehr los. Wir haben neues Fachwissen hinzubekommen und sind in der Lage, neue Arbeitsgruppen zu bilden, zum Beispiel zum Thema Mobilität“, sagt Heide Kröger-Brenner.

Erstaunlich ist der Zulauf auch vor dem Hintergrund, dass politische Treffen zurzeit nur online möglich sind. Dies könne für einige Menschen eine Hemmschwelle sein, meint die Kreisverbandssprecherin. Für andere sei es aber auch ein Zugang, der sie eher anspricht als das klassische Treffen der Ortsgruppe.

CDU und SPD haben weiterhin deutlich mehr Mitglieder

Die Grünen bleiben weiterhin allerdings nur die drittgrößte Partei in Dortmund nach der SPD (rund 5500 Mitglieder) und der CDU (rund 1500 Mitglieder).

Insbesondere die SPD hat aber in den vergangenen Jahren viele Mitglieder verloren.

„Wir holen da schon enorm auf. Und bei uns ist möglicherweise der Anteil der Aktiven größer“, sagt Heide Kröger-Brenner.

Für den 21. Mai (Freitag), 19 Uhr, kündigen die Dortmunder Grünen ein Online-Treffen für Neumitglieder sowie Interessierte an.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth
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