Dortmunder Heinrich Klein ist tot

Erfinder der Torwand

Wenn irgendwann in der Zukunft das DFB-Fußballmuseum gegenüber dem Hauptbahnhof seine Tore öffnet, dann hätte Heinrich Klein, der Erfinder der Torwand, gerne noch einen Wunsch geäußert.

DORTMUND

von Von Tobias Großekemper

, 02.08.2011, 07:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Irgendwann kam Klein auf die Idee mit dem Tor. Der Ursprung war ein Handballtor, in das ein mindestens sehr guter Torwart gestellt wurde, aus elf Metern durfte dann die Prominenz antreten. Es war ein Spiel, das nicht funktionierte, kein Ball ging ins Netz, auch Sepp Herberger kam nicht am Torhüter vorbei. Klein konnte das nicht mit ansehen, er besorgte eine Spanplatte, genauso groß wie das Handballtor, schnitt zwei kreisrunde Löcher hinein und „Drei oben, drei unten“ war geboren. Als eine Idee von vielen des Heinrich Klein wäre sie vielleicht in der Westfalenhalle geblieben, wenn nicht die Sportjournalisten Werner Schneider und Wim Thoelke, beides Mitglieder der Westdeutschen Sportpresse, 1963 zum ZDF gewechselt wären.

Sie nahmen die Idee mit, die Wand kam ins Studio, sie wurde zum Inventar. „Drei oben, drei unten“ dürfte das häufigste Zitat sein, was jemals in der Sendung gefallen ist. Und es passt sehr gut zu dieser Geschichte, dass das erste, was dem Schwiegersohn von Klein zu seinem Schwiegervater einfällt, ist, dass dieser Heinrich Klein also immer einen Schalk im Nacken hatte und unheimlich witzig gewesen sei. Denn mit der Torwand erfand der Mann das erste Unterhaltungselement für eine deutsche Sport-Nachrichtensendung. Als das ZDF in den 70er Jahren die Torwand abschaffen wollte, hagelte es derart Proteste, dass die Wand schnell wieder dahin zurück kam, wo sie bis heute steht.

Und Klein, der sich immer als Dienstleister verstand, der nie auf die Idee gekommen wäre, irgendwelche Forderungen zu stellen, bekam vom Sender irgendwann immerhin eine kleine goldene Torwand. Sie stand bis Montag in dem Seniorenstift in Dortmund Hörde, dann hat sie sein Schwiegersohn abgeholt.  Heinrich Kleins Torwand wird weiterleben – nicht nur im Aktuellen Sportstudio.

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