Dortmunder Hochhaus ohne Wasser: So hart ist das für die Bewohner

mlzNach Kellerbrand

Fast zwei Tage lang leben wie auf dem Campingplatz: Nach einem Brand müssen Hochhaus-Bewohner sich ihr Wasser zeitweise Eimer um Eimer aus einem Hydranten holen. Ein Ortstermin.

Dortmund, Nordstadt

, 01.07.2019, 17:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hahn aufgedreht, kaltes Wasser sprudelt. Allerdings nicht in der Wohnung, sondern rund 50 Meter vor dem Haus. Aus einer Zapfsäule im Hydranten auf dem Bürgersteig.

So erging es den Bewohnern des Hochhauses in der Heiligegartenstraße 27 in der Dortmunder Nordstadt. Nach dem Kellerbrand am vergangenen Samstag, 29. Juni, sitzen die Bewohner auf dem Trockenen. Zunächt waren ab Samstagabend alle Wohnungen betroffen. In etwas über der Hälfte der Wohnungen läuft das Wasser seit Montagnachmittag, 1. Juli, 16 Uhr immerhin wieder, vom Erdgeschoss bis zum zehnten Stock. Das Gebäude hat 17 Stockwerke mit – 102 Wohnparteien. Die Etagen über der Zehnten sitzen, stand Montagabend, aber weiterhin auf dem Trockenen.

Auch das Internet funktionierte zeitweise nicht

Das Wasser wurde seitens des Versorgers DEW21 abgestellt, da die Feuerwehr bei den Löscharbeiten eine Beschädigung an einer Wasserleitung entdeckt hatte.

Mit Eimern, leeren Pet-Flaschen und Gießkannen laufen die Bewohner deshalb am Sonntag und Montag immer wieder zu dem Hydranten auf dem Bürgersteig.

Und nicht nur das: Zwischenzeitlich funktionierte auch das Internet in einigen Wohnungen nicht.

Bis in den 14. Stock

„Kein Wasser und kein Internet – die zwei wichtigsten Sachen“, sagt Mahmoud Chikhah. Der 22-Jährige befüllt eine schwarze Gießkanne und einen weißen Eimer.

Er lebt alleine, musste bei dem Brand am Samstagabend seinen Nachbarn mit den Kindern helfen.

Die vollen Wasserbehälter schleppt Chikhah am Montagmittag Richtung Haus, trotz der misslichen Situation mit einem Lächeln im Gesicht. Er muss bis in den 14. Stock. Immerhin: Der Aufzug funktioniert.

Zwei Arbeiter helfen an zwei Hydranten

Wasser schleppen müssen auch nicht alle Bewohner: Der Hochhauseigentümer Dogewo21 beauftragte einen externen Dienstleister, um zu helfen.

Zwei Arbeiter befüllen und schleppen, befüllen und schleppen, befüllen und schleppen die Eimer vom Hydranten zum Haus. Von einem der beiden Hydranten, genauer gesagt.

Dortmunder Hochhaus ohne Wasser: So hart ist das für die Bewohner

Vor dem Hochhaus in der Nordstadt steht mittlerweile ein zweiter Hydrant bereit. © Wilco Ruhland

Die Wohngesellschaft forderte bei der Stadt noch eine zweite Wasser-Zapfsäule auf der Heiligegartenstraße an. Außerdem stellte die Dogewo21 neue Eimer, „mit Deckel, damit es keine Unfälle gibt“, wie Unternehmenssprecherin Kerstin zur Horst vor Ort auf Anfrage erklärt.

„Für mich nicht komplett ungewohnt“

„Das ist nervig, aber geht schon“, sagt ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden will. „Das ist für mich nicht komplett ungewohnt“, meint er. Er komme aus dem Libanon, wo es nicht unüblich sei, Wasser von einer Wasserstelle zu holen.

„Drei Mal am Tag“, schätzt er auf die Frage, wie oft er denn Wasser hole. „Dann aber jedes Mal literweise.“

Techniker bekamen gegen 10 Uhr die Freigabe für den Keller

Die befüllten Eimer stehen an der Haustür bereit. Hier ist einiges los. Die Arbeiten im Keller können immerhin seit etwa 10 Uhr morgens an diesem Montag stattfinden, wie zur Horst erklärt. Zu diesem Zeitpunkt habe man seitens der Polizei die Freigabe für den Keller erhalten. „Und dann mussten wir auch erst einmal für die Arbeitssicherheit der Elektriker sorgen“, sagt sie.

„Wir sind in erster Linie froh, dass es keine Personenschäden gab“, so Kerstin zur Horst.

Sicherheitsdienst überwacht die Auslüftung über Nacht

Am Nachmittag gegen 16 Uhr kommt dann die erlösende Nachricht: In Teilen ist die Versorgung immerhin wieder hergestellt. „Die Techniker arbeiten mit Hochdruck an der Lösung“, sagt Unternehmenssprecher Christoph Schwarz am späteren Nachmittag. Am Hauseingang wacht derweil ein Sicherheitsdienst, da das Gebäude noch auslüften muss.

Wie die Pressestelle der Polizei am Montag mitteilte, gehen die Ermittler von einer vorsätzlichen Tat aus, sprich: Brandstiftung. Die Ermittlungen dauern an.

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