Der Dortmunder Immunologe Prof. Dr. Carsten Watzl spricht sich für die Beibehaltung der Impfreihenfolge aus. © Schaper
Delta-Variante des Coronavirus

Dortmunder Immunologe warnt vor vierter Corona-Welle – und erklärt, was hilft

Es gibt Warnungen vor einer vierten Corona-Welle durch die Delta-Variante des Virus. Der Dortmunder Immunologe Carsten Watzl erklärt, warum sich die Mutation durchsetzen wird und was dagegen hilft.

Noch ist die Zahl der Nachweise von Infektionen mit der Delta-Variante des Coronavirus in Deutschland gering. In 6 Prozent aller positiven Tests wurde die zuerst in Indien aufgetretene Mutation entdeckt. In Dortmund gibt es bisher einen einzigen Fall, gemeldet am 11. Juni.

Doch die Virus-Variante wird in naher Zukunft das Infektionsgeschehen bestimmen – davon geht auch der Dortmunder Immunologe Prof. Dr. Carsten Watzl vom Leibinz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund aus.

„Im Herbst wird sie sich durchsetzen. Wie schwer sie wirkt und ob wieder ein Lockdown notwendig sein wird, hängt davon ab, wie gut wir impfen“, sagt Watzl im Gespräch mit dieser Redaktion.

Watzl: „Zuversichtlich, dass wir das über den Sommer halten können.“

Die aktuelle Lage schätzt Watzl wie folgt ein: „Wir müssen vorsichtig sein, aber es läuten noch nicht die Alarmglocken.“ Zwar steige der Anteil der Delta-Variante, zuletzt innerhalb einer Woche von 3 auf 6 Prozent, allerdings bei insgesamt sinkenden Infektionszahlen. Die absolute Zahl der Delta-Fälle nehme deshalb aktuell ebenfalls ab.

„Ich hätte Sorge, wenn alles andere fallen, Delta aber zunehmen würde. Damit würde man den Beginn einer vierten Welle sehen“, sagt Carsten Watzl. Dieser Punkt sei noch nicht erreicht, „und ich bin zuversichtlich, dass wir das über den Sommer halten können“. Ein weiterer Vorteil aus seiner Sicht: Die geringen Fallzahlen erlauben aktuell eine detaillierte Kontaktnachverfolgung.

Deshalb ist die Variante stärker als die bisherigen Mutationen

Die Mutation vereine im Gegensatz zu den bisherigen Varianten Alpha, Beta und Gamma zwei Eigenschaften, die bisher immer nur einzeln auftraten. „Sie ist ansteckender als die Alpha-Variante und sie entgeht dem Immunschutz etwas“, sagt der Dortmunder Immunologe.

Bei einfach Geimpften liegt der Schutz vor einer Ansteckung bei etwa 33 statt 50 Prozent. Bei voller Impfung ist er ebenfalls nach ersten Studien leicht reduziert. Der Schutz vor einem schweren Verlauf bleibt aber unverändert hoch.

Die Ansteckungsgefahr ist doppelt so hoch wie beim Virus-Urtyp vor einem Jahr. Dies könne sich auf zwei Arten auswirken. „Zum einen tragen Leute mehr Viruslast in sich und scheiden damit auch mehr aus. Zum anderen ist weniger Virus nötig, damit man sich ansteckt.“

Appell: Impfangebot annehmen und nicht warten

Es ist aus seiner Sicht wichtig, darauf zu achten, dass die Variante nicht wie in Großbritannien durch Reiseverkehr ins Land komme. Zudem appelliert Watzl an jeden Bürger, ein Impfangebot auch anzunehmen und nicht zu warten, bis die Inzidenz wieder steigt.

Ein Problem stellt die Technik für den Nachweis der Variante dar. Die sogenannte Sequenzierung wird laut Watzl aktuell nur bei etwa jedem zehnten positiven Test durchgeführt.

Erfahrungen und Studien aus Großbritannien zeigen, dass wie schon bei der dritten Welle im Dezember/Januar in Großbritannien Kinder und Jugendliche häufig Träger und Überträger der Virus-Variante sein können. Sie zeigen allerdings in der Regel nur milde oder gar keine Symptome.

Für den Schulbetrieb mit überwiegend ungeimpften Kindern hat diese Erkenntnis aber dennoch Folgen. „Man wird in Schulen weiter testen müssen und irgendwann vielleicht auch wieder die Masken rauskramen müssen. Man sollte anfangen, andere Konzepte wie Lüftungsanlagen oder Luftfilter jetzt zu organisieren“, sagt Carsten Watzl.

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Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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