Maxim Kolbasner (29) hat den Verband "Junge Jüdische Zukunft Dortmunds" mitbegründet. © Privat
Juden in Dortmund

Dortmunder Jude zu möglichen Anschlagsplänen: „Fühle mich mit angegriffen“

In Hagen soll ein 16-Jähriger einen Anschlag auf die Synagoge geplant haben. Die Unsicherheit ist bei vielen Dortmunder Juden groß. Einer sagt aber: „Es ist wichtig, dass wir die Stimme erheben.“

Jom Kippur, der höchste jüdische Feiertag, ist in Dortmund überschattet worden von der Nachricht, dass ein 16-Jähriger einen Anschlag auf die Synagoge in der Nachbarstadt Hagen geplant haben soll. Der Jugendliche ist am Donnerstag (16.9.) festgenommen worden.

Am Gebäude der Jüdischen Gemeinde in Dortmund war währenddessen auch ein Polizeiwagen zu sehen – wie inzwischen immer. „Wir kennen das Bild nicht anders“, sagt Gemeindemitglied Maxim Kolbasner. Seit dem Anschlag vor zwei Jahren in Halle sei die Polizei dort rund um die Uhr präsent.

Die verglasten Eingangstüren des Gemeindehauses sind von innen verdeckt, sodass man nicht hineinblicken kann. Durch eine Gegensprechanlage kann man nur mit einem Pförtner sprechen.

Vonseiten des Gemeinde-Vorstands war bis Freitagnachmittag keine Stellungnahme zur aktuellen Lage zu bekommen. Im Gespräch mit einzelnen Gemeindemitgliedern wurde deutlich, dass sie sich nicht zu diesem Thema äußern wollen. Maxim Kolbasner äußert sich aber entschlossen.

„Ich finde es richtig, dass man sich nicht unterkriegen lässt“, sagt der 29-Jährige: „Es ist superwichtig, dass wir als junge Generation die Stimme erheben.“ Die Jüdische Gemeinde in Dortmund habe Jom Kippur „so normal wie es sein kann“ gefeiert, sagt Kolbasner.

Dass in seiner unmittelbaren Nachbarstadt ein Anschlag auf eine Synagoge geplant worden sein soll, berührt den Juden natürlich: „Ich fühle mich immer persönlich mit angegriffen, wenn ich solche Nachrichten höre“, sagt er. Dass die potenzielle Gefahr eines Angriffes bestehe, sei ihm immer bewusst. „Das ist aber kein Grund, sich ins letzte Eck zu verkriechen“, sagt der 29-Jährige.

Dortmund habe „ein paar Sprünge nach vorne gemacht“

Der junge Mann sieht kaum Unterschiede zwischen deutschstämmigen Neonazis und Antisemiten mit islamischem Hintergrund: „Bedrohlich sind beide.“ Dortmund habe aber als Gesellschaft „ein paar Sprünge nach vorne gemacht“, findet Kolbasner.

In der Bekämpfung des Judenhasses sei hier gute Arbeit geleistet worden: „Aber es kann immer mehr getan werden.“ Beispielsweise in Schulen wünscht sich der 29-Jährige mehr Projekte zum Thema und mehr Arbeit, um Zugewanderte zu integrieren.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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