Dortmunder Kita feiert St. Martin – Verstoß gegen Corona-Verordnung?

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Martinsumzüge sind aktuell verboten. Was ist aber, wenn Kitagruppen intern feiern und sich die Eltern beim Abholen der Kinder zu nahe kommen? So wie am Donnerstag in einer Dortmunder Kita.

Nette

, 13.11.2020, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Donnerstagabend (12. November), gegen 19.30 Uhr. Es ist der Abend nach dem Martinstag. Große Laternenumzüge, offizielle Martinsfeiern und -feuer sind in diesem Jahr nicht möglich. Das Land hat sie in seiner Corona-Schutzverordnung verboten.

Viele Menschen haben in den vergangenen Tagen Laternen in die Fenster gehängt. Eine kreative Lösung, um den Martinsbrauch auch in Pandemiezeiten zu pflegen. Dabei bleibt es an diesem Abend in diesem Wohngebiet nicht.

Vor der Caritas-Kindertagesstätte St. Stephanus in Dortmund-Nette steht eine Gruppe Menschen unter dem Vordach vor dem Eingang. Wie viele Menschen es an diesem Abend im Corona-Light-Lockdown sind, lässt sich im fahlen Licht nicht genau erkennen.

Es ist womöglich eine Gruppe der Einrichtung mit einigen Eltern. Doch auch in der Dämmerung ist eindeutig zu erkennen: Es handelt sich um Erwachsene und Kinder aus mehr als zwei Haushalten.

Lieder schallen von der Häuserfront zurück

Im Eingangsbereich hängen Lichterketten und -stäbe. Martinslaternen leuchten. „Die Laternen übernachten hier heute“, sagt eine Frau. Am Freitag solle in einem dunklen Gruppenraum noch einmal der Heilige Martin gefeiert werden.

Es sind aber nicht nur Kinder, die hier vor ihrer Einrichtung an den Heiligen Martin erinnern. Hinter ihnen stehen die Erwachsenen. Mal stehen zwei, mal drei dicht beieinander. Abstand ist hier relativ. 1,50 Meter sind es auch zwischen den kleinen Gruppen nicht.

Das Licht unter dem Vordach des Eingangs ist fahl. Die Kinder singen. Ihr Lied und die Ansprache schallen aber von den Hochhäusern auf der anderen Straßenseite zurück. Hier feiern Kinder, Eltern und Kita-Betreuerinnen offensichtlich das Martinsfest – nicht sofort sicht-, aber hörbar, inmitten einer Wohnsiedlung.

Eine Momentaufnahme. Gut zweieinhalb Stunden vorher hatte die Stadt Dortmund mitgeteilt, dass die Kindertageseinrichtung Erdbeerfeld aufgrund von Corona-Infektionen geschlossen bleibe. Sie liegt rund 1,1 Kilometer Luftlinie entfernt.

Das sagt die Leiterin zu dem Vorwurf

Ursula Wimmer, Leiterin der Kita, sieht die Lage entspannt. Normalerweise würde die Kita St. Martin mit einem großen Umzug und einem Pferd feiern. In diesem Corona-Jahr verzichte die Kita darauf und habe stattdessen „über mehrere Tage verteilt“ intern gefeiert. Es handle sich nicht um eine offizielle Veranstaltung, so Wimmer.

Lediglich Kindergartengruppen, die „eh“ miteinander Kontakt haben, sollen am besagten Donnerstagabend St. Martin gedacht haben. Das sollen, so Wimmer, die Gruppe 1 und 8 gewesen sein. Insgesamt handle es sich um 28 Kinder.

Erinnerungen an eine coronafreie Zeit: Im Frühjahr 2016 feierte das Familienzentrum St. Stephanus mit Leiterin Ursula Wimmer (hinten Mitte) den Frühlingszauber.

Erinnerungen an eine coronafreie Zeit: Im Frühjahr 2016 feierte das Familienzentrum St. Stephanus mit Leiterin Ursula Wimmer (hinten Mitte) den Frühlingszauber. © Stephan Schütze (Archivbild)

Die Kinder der beiden Gruppen sollen ab Nachmittag einen Umzug „über das Gelände“ gemacht haben. Dabei sollen Erzieherinnen auch ein Feuer angezündet haben.

Reporter habe „Abholsituation“ beobachtet

Der Reporter habe höchstwahrscheinlich die „Abholsituation“ beobachtet. Die Eltern sollen auf dem Parkplatz auf die Kinder gewartet haben, die vor der Kita standen. „Ich verstehe, dass das irritierend wirken kann“, sagt Wimmer.

Dass es sich dabei ein wenig knubbeln könne, sei nur logisch. Denn in der Kita sei es prinzipiell schwierig, die Abstände von 1,5 Metern einzuhalten. Wimmer bestätigt, dass die Kinder zum Abschied für ihre Eltern ein Lied gesungen haben sollen.

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Laut der Corona-Schutzverordnung des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW sind „Kindertageseinrichtungen (...) im Rahmen des Regelbetriebes“ dazu verpflichtet, „geeignete Vorkehrungen zur Hygiene, zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern zwischen erwachsenen Personen“ sicherzustellen. Dazu zählen auch die Eltern.

Bei der Caritas-Pressestelle haben wir am Freitagmittag (13.11.) eine Stellungnahme angefragt, die aber bis zum Abend nicht bei uns eingegangen ist.

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