Dortmunder Krankenhaus musste sich knapp zwei Dutzend Mal vom Notdienst abmelden

mlzZu wenige Pflegekräfte

Die Personalnot in deutschen Krankenhäusern verschärft sich: Vier von fünf Kliniken bekommen offene Pflegestellen nicht besetzt. Auch in Dortmund bereitet der Mangel an Pflegekräften Probleme.

Dortmund

, 15.01.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind alarmierende Zahlen, die im aktuellen Krankenhaus-Barometer 2019 stehen: Vier von fünf Kliniken in Deutschland haben Probleme, offene Stellen zu besetzen. Das ergab die ihm zugrunde liegende repräsentative Umfrage unter rund 250 deutschen Krankenhäusern. Bei Ärzten sieht es nur unwesentlich besser aus – hier liegt die Quote bei drei von vier Krankenhäusern.

Immer öfter hat der Personalmangel auch direkte Auswirkungen auf das medizinische Versorgungsangebot: Rund jedes dritte Krankenhaus gab an, im ersten Halbjahr 2019 Intensivbetten gesperrt oder ganze Bereiche von der Notfallversorgung abgemeldet zu haben.

Manche Stellen bleiben über Monate unbesetzt

Auch Dortmunds Krankenhäuser stellt der Personalmangel im Gesundheitssektor vor Probleme. Die St.-Lukas-Gesellschaft, die das St.-Josefs-Hospital in Hörde (290 Betten) und das Katholische Krankenhaus Dortmund-West in Kirchlinde (260 Betten) betreibt, hat die Intensivstationen ihrer beiden Dortmunder Häuser 2019 knapp zwei Dutzend Mal vom Notdienst abmelden müssen, sagt Peter Mölle, Sprecher des Pflegedirektoriums.

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Wegen Krankheitsausfällen bei den Pflegern konnten die seit vergangenem Jahr geltenden gesetzlich vorgeschriebenen Personaluntergrenzen nicht mehr eingehalten werden.

Es sei zunehmend schwierig, neues Pflegepersonal zu bekommen, erklärt Mölle. Während es vor zehn Jahren noch Initiativbewerbungen gegeben habe, melde sich heutzutage auf Stellenausschreibungen kaum jemand – manchmal gebe es auch gar keine Bewerbungen. Offene Stellen blieben so teilweise über Monate unbesetzt.

Aktuell seien rund 15 Pflegestellen in allen drei Häusern der Lukas-Gesellschaft unbesetzt, zu der auch das St.-Rochus-Hospital in Lünen gehört. „Glücklicherweise ist die Fluktuationsrate im pflegerischen Bereich eher gering“, sagt Mölle.

Normale Fluktuation im Klinikum Dortmund

Offene Pflegestellen gibt es auch in den anderen großen Dortmunder Krankenhäusern, diese würden sich aber im Rahmen der normalen Fluktuation bewegen, heißt es auf Nachfrage. „Wir haben noch keine Stationen schließen müssen“, sagt Marc Raschke, Pressesprecher des Klinikums Dortmund (über 1400 Betten), auf Anfrage unserer Redaktion.

Gleiches gilt für das Klinikum Westfalen, das in Dortmund die Knappschaftskrankenhäuser in Brackel (450 Betten) und Lütgendortmund (330 Betten) betreibt. Das Johannes-Hospital (570 Betten) meldet, dass es lediglich einmal wegen „extremer Krankheitsausfälle“ ein einzelnes Intensivbett für ein paar Stunden habe sperren müssen.

Das Klinikum Westfalen reagiert auf die nach eigenen Worten „angespannte Situation“ auf dem Pflegekräfte-Markt unter anderem, indem es seine Ausbildungskapazitäten verdoppelt. In einer 2019 gestarteten Pflegeschule in Kamen entstehen derzeit 100 Ausbildungsplätze.

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„Der Pflege-Beruf wurde kaputt gemacht“

Die Sorge um die Zukunft der Pflege teilen alle Krankenhäuser: „Der Beruf ist in den letzten 30 Jahren durch die Unterbudgetierung der Krankenhäuser kaputt gemacht worden“, sagt Peter Mölle, Pflege-Chef der Lukas-Gesellschaft. Viele im Gesundheitssystem hätten sich über Jahre „auf dem Rücken der Pflege gesundgestoßen“, meint auch Klinikum-Sprecher Raschke.

Die neuen Pflegepersonaluntergrenzen des Bundesgesundheitsministeriums würden die Situation weiter verschärfen. Die generellen Personalschlüssel, wonach etwa in der Nachtschicht auf der Intensivstation maximal drei Patienten auf eine Pflegekraft kommen dürfen, „gehen an der Lebenswirklichkeit vorbei“, sagt Raschke.

Mölle geht sogar noch weiter: „Die Untergrenzen müssten solange ausgesetzt werden, bis die Rahmenbedingungen dafür erfüllt sind.“ Und die sind: ausreichend Personal auf dem Markt.

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