Der Kronen-Turm als Bauernhof - Skurrile Idee beschäftigt Dortmunds Stadtpolitik

mlzÖkologie

Eine gewagte Idee soll den seit Jahrzehnten leer stehenden Kronen-Turm ökologisch wertvoll nutzen – und weitere leere Gebäude in Dortmund könnten folgen.

Dortmund

, 27.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Salat und Kohlrabi frisch aus dem Kronen-Turm? Nach der Vision von Ralf-Georg Kölner könnte dort, wo einst Bier gelagert wurde, bestes Obst und Gemüse gedeihen. Der ehemalige Stadtplaner hat seine Idee ausgarbeitet und sucht Mitstreiter. „Der Turm ist ein Landmarke, er darf auf keinen Fall verschwinden.“

Das Kind hat auch einen Namen: Der 62-Jährige wirbt für seine kühne Idee von einer so genannten „Vertikal-Farm“. So etwas gibt es bereits andernorts: In London wird Landwirtschaft in einem ehemaligen Luftschutzbunker betrieben.

Beim vertikalen Anbau von Obst und Gemüse stapeln sich die Plantagen wie Regale übereinander. Der 65 Meter hohe Turm böte dafür reichlich Platz. „Urban Vertical Farming“ hat neben der platzsparenden Anbauweise noch weitere Vorteile:

  • Die Pflanzen wachsen und unbelastet in einem abgeschlossenen System, ohne Chemie und Gentechnik.
  • Der Anbau erfolgt ganzjährig und unabhängig von Jahreszeiten und Wetter.
  • Pflanzenschutzmittel sind überflüssig.
  • Sensoren messen Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Licht und führen gezielt Wasser, Nährstoffe und Licht zu. So lassen sich Wachstum, Größe und Geschmack steuern.
  • Wasser verdunstet oder versickert minimal - der Verbrauch liegt bei ca. 10 Prozent im Vergleich zur traditionellen Landwirtschaft.
  • Abwasser und Rückstände fallen so gut wie nicht an.

Der Kronen-Turm als Bauernhof - Skurrile Idee beschäftigt Dortmunds Stadtpolitik

In London wachsen Kräuter auf Regalen in einem ehemaligen Luftschutzbunker. Moderne LED-Lampen spenden das nötige Licht. © dpa

Der Kronen-Turm wäre ideal für eine innerstädtische Farm, meint Kölner: „In dem stabilen Turm ließen sich zig Ebenen einbauen. Das bedeutet ökologisch unbedenklichen Anbau mit viel größeren Erträgen auf minimaler Fläche.“ Nach Kölners Vorstellung soll das frisch geerntete Obst und Gemüse vor Ort verkauft werden, in dem Backsteingebäude neben dem Turm könnte der Vertrieb untergebracht werden.

Bei der Fraktion FDP/KE in der Bezirksvertretung (BV) Innenstadt-Ost stieß er mit der Ausarbeitung seiner Idee auf Interesse und Zustimmung. Joachim Hoefer und Tobias Klein-Endebrock wollen den Vorschlag in die BV einbringen und prüfen lassen. Ihnen geht es auch darum, dass wieder Leben einzieht in das zunehmend verfallende Gebäude, das zuletzt öfters durch lebensgefährliche Kletteraktionen von Jugendlichen Schlagzeilen machte.

Seit rund 25 Jahren ist der Turm der ehemaligen Kronen-Brauerei ungenutzt. Immer wieder hatte das einst stattliche Gebäude die Fantasie von Investoren, Planern und Architekten beflügelt, etwa als schicke Loft-Wohnungen oder citynahe Büros.

Der Kronen-Turm als Bauernhof - Skurrile Idee beschäftigt Dortmunds Stadtpolitik

Für den seit 25 Jahren ungenutzten Kronen-Turm gibt es immer wieder neue Ideen. © Peter Bandermann

Aktuell plant die Stadt, das Stadtarchiv in die Ex-Brauerei einziehen zu lassen. Dazu hat der Verwaltungsvorstand im November letzten Jahres eine Machbarkeitsstudie beschlossen.

Für den Umzug des kulturellen Erbes an die Märkische Straße werden rund 30 Millionen Euro veranschlagt; allein die Machbarkeitsstudie kostet rund 200.000 Euro. Sie soll bis Ende des Jahres vorliegen, teilt Stadtsprecher Christian Schön mit. Das Gebäude gehört nicht der Stadt, deshalb würden in der Studie auch keine weiteren Nutzungsmöglichkeiten berücksichtigt. Eigentümer ist die Kronen-Turm GbR.

Ralf-Georg Kölner sähe den Einzug des Archivs als vertane Chance. „Der Löwenhof an der Hansastraße wäre dafür viel besser geeignet.“ Dort wären die 30 Millionen Euro seiner Meinung nach sinnvoller angelegt.

Zur Finanzierung sollen Fördermittel fließen

Schließlich verspräche das Farm-Projekt die Aussicht auf Fördermittel von Land, Bund und EU. Denkbar wäre die Unterstützung als Städtebauprojekt, aus einem Agrarfonds, im Rahmen der IGA (Internationale Gartenschau) oder als Forschungsprojekt. Allerdings müsste sich trotz allem ein Investor finden. Dafür werfen Kölner und die FDP/KE einiges in die Waagschale: grüne Technologie, ein gutes Image und Know-how, das sich auf viele der brachliegenden Industriehallen übertragen ließe. „Dortmund kann grüner werden aufgrund solcher Ideen. Das Stadt-Archiv kann überall hin.“

Wenn das Projekt gelingt, könnte das rot-violette Licht für das Pflanzenwachstum die Kronen-Farm zu einem echten Leuchtturm machen.

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