Dortmunder Pfarrer überrascht Einbrecher und kann nach Kampf fliehen

mlzLandgericht Bochum

Die Täter nutzen einen Gottesdienst zum Einbruch in ein Pfarrhaus. Als der Pfarrer sie erwischt, wird er geschlagen. Vor Gericht sprach er jetzt auch über die Folgen der Tat.

Dortmund, Castrop-Rauxel, Haltern

, 26.03.2019, 17:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess um eine Serie von Einbrüchen in Pfarrhäuser wird immer deutlicher, dass die Taten an dem Geistlichen Pfarrer Michael Ortwald von der St. Urbanus-Gemeinde in Dortmund-Huckarde nicht spurlos vorbeigegangen sind.

Es war der 29. Juli 2018. Ortwald hatte zwei Gottesdienste in Dorstfeld, war dann mit dem Auto nach Huckarde zurückgekehrt. Auf den ersten Blick schien alles normal . "Mir ist nichts aufgefallen", sagte der 55-Jährige am Dienstag als Zeuge vor dem Bochumer Landgericht. Das änderte sich jedoch schlagartig, als er die Diele des Pfarrhauses betrat.

Die Tür des Garderobenschranks stand offen, genau wie eine Zwischentür, die seine privaten Büroräume vom übrigen Pfarrhaus abtrennt. "Das war sehr ungewöhnlich."

"Dann bekam ich einen Faustschlag aufs Kinn"

Und dann sah er plötzlich zwei Männer. "Sie sahen ungepflegt aus, verschwitzt und mit Dreitagebart." Sie waren dabei, Schränke und Schubladen zu öffnen und alles zu durchsuchen. "Ich war so verblüfft, dass ich sie tatsächlich gefragt habe, was sie da machten", sagte Ortwald den Richtern.

Dann ging plötzlich alles ganz schnell. "Der kleinere der beiden hat mich von hinten umklammert, von dem anderen bekam ich einen Fausthieb aufs Kinn." Was folgte, war ein Gerangel, in dessen Verlauf sich der Pfarrer befreien konnte. "Ich habe den einen gegen den anderen schubsen können, die sind dann gestrauchelt", so der 55-Jährige vor Gericht. "Diesen Moment habe ich genutzt, um rauszukommen."

An der Tür bekam er jedoch noch einen weiteren Schlag - diesmal hinten auf den Kopf. Wahrscheinlich mit dem Griff eines Schraubendrehers. "Ich bin dann aber raus, zu einem Restaurant." Einige der Gäste haben die dramatische Situation offenbar sofort erkannt und sich an die Verfolgung der Täter gemacht, die am Ende doch entkommen konnten. Die Beute: rund 60 Euro aus zwei Altenheim-Kollekten.

"Werde bei jedem kleinen Geräusch wach"

Die Täter waren durch eine Seitentür ins Pfarrhaus gelangt und hatten auch die Privatwohnung des Pfarrers durchsucht. Inzwischen wurde das Gebäude noch stärker gesichert. Die Folgen spürt der Geistliche allerdings bis heute. "Wenn ich nach Hause komme, gucke ich mir immer als Erstes die Türen an", sagte er den Richtern. "Außerdem werde ich bei jedem kleinen Geräusch wach."

Die Täter sollen zu der sogenannten Pfarrhaus-Bande gehören, die unter anderem auch in Castrop-Rauxel, Haltern und Recklinghausen zugeschlagen hat. Drei der mutmaßlichen Mitglieder stehen zurzeit in Bochum vor Gericht. Sie schweigen zu den Vorwürfen.

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