Dortmunder Professor hält Vorlesungen mit Eule Hugo auf seiner Schulter (mit Video)

mlzKauzige Freundschaft

An einer Dortmunder Hochschule lauschen nicht nur Studenten der Vorlesung von Prof. Dr. Ingo Zimmermann. Nur eine Schulterbreite entfernt hängt auch Eule Hugo an seinen Lippen.

Dortmund

, 19.02.2020, 18:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eulen gelten als weise Tiere. Trotzdem sind sie eher selten in Hochschulen anzutreffen; denn ihr Lebensraum ist der Wald. Anders an der IUHB internationalen Schule in Dortmund am Rheinlanddamm. Dort bekommen die Studenten der Fachrichtung „Soziale Arbeit“ Wissen mit Hilfe einer Eule eingetrichtert.

Prof. Dr. Ingo Zimmermann lehrt am Campus zusammen mit seiner amerikanischen Westkreischeule Hugo. Beide verbindet eine kauzige Freundschaft, quasi seit Hugo im April 2019 geschlüpft ist. Kaum hatte er die Eierschale mit seinem spitz gekrümmten Schnabel geknackt, entpuppten sich die Eulen-Eltern als Rabeneltern und wollten von dem kleinen Hugo nichts mehr wissen. Doch ohne elterliche Anleitung zum Jagen kann man eine Eule nicht auswildern.

Hugo als Baby. Die Eule wurde von Prof. Dr. Ingo Zimmermann per Hand aufgezogen.

Hugo als Baby. Die Eule wurde von Prof. Dr. Ingo Zimmermann per Hand aufgezogen. © privat

Hugos Züchterin und Professor Zimmermann retteten die vernachlässigte Eule vor dem Verhungern. Der Hochschullehrer hat Hugo seit seinem 10. Lebenstag mit der Hand aufgezogen. Das schafft Vertrauen und Nähe: in Hugos Fall bis auf die Schulter von Zimmermann.

Doch was ist, wenn Hugo mitten in der Vorlesung mal muss? Achselzucken bei Prof. Zimmermann: „Mit einer Eule auf der Schulter sieht man immer beschissen aus.“

Solche Flecken auf dem Pullover machen aber nichts. „Trocknen lassen und abbürsten“, sagt der Hochschullehrer, „dann ist der Fleck weg.“ Die Schulter bedeutet für Hugo einen sicheren Rückzugsort.

Wie laut wird es mit einer Westkreischeule im Unterricht? „Gar nicht“, sagt Prof. Zimmermann. Hugo verhalte sich immer ruhig. Nur wenn man ihn rufe, gebe die Eule Antwort.

Hugo entscheide selbst, ob er mit zur Vorlesung kommt. Bleibt er trotz Zurufs auf den geliebten Balken im alten Bauernhaus sitzen, das Zimmermann mit seiner Lebensgefährtin bewohnt, fällt die Vorlesung für ihn aus. Hugo ist etwa bei jedem zweiten Mal dabei.

Waldtherapeut

Lenkt die Eule mit ihren markanten Federohren über den gelben Augen die Studierenden nicht von Zimmermanns Lehre ab? Nein, im Gegenteil, meint er, die Studierenden seien sogar aufnahmebereiter und konzentrierter: „Als Professor stelle ich nach Möglichkeit eine Verbindung zwischen den Themen und der Eule her, damit sich die Studierenden auf beides stärker fokussieren. Und das funktioniert sehr gut.“

Die Seminargestaltung werde lebendiger, und die Studierenden entwickelten ein Interesse an der Verbindung von sozialen und ökologischen Themen.

Zimmermann ist ein universitär ausgebildeter Waldachtsamkeitstrainer und Waldtherapeut und leitet zusätzlich zu den Vorlesungen regelmäßig Exkursionen und therapeutische Veranstaltungen mit den Schwerpunkten ökologische Entwicklung des Waldes, Tierschutz und Persönlichkeitsentwicklung. Seine Partnerin ist Jägerin und Falknerin und besitzt ebenfalls eine Eule: einen sibirischen Uhu, der wie Hugo mit großer Zuwendung aufgezogen wird.

Hugo bleibt ein Wildtier

Trotzdem: „Eine Eule ist kein normales Haustier, das einfach so gestreichelt werden möchte wie beispielsweise eine Katze“, sagt Zimmermann. „Es ist wesentlich distanzierter, somit wird eine andere Form der Kontaktaufnahme zum Tier notwendig. Es ist und bleibt ein Wildtier.“

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Auch deshalb sind Eulen eigentlich keine Tiere, die wie etwa Hunde für tiergestützte Interventionen mit einer bestimmten pädagogischen oder therapeutischen Zielrichtung verwendet werden sollten. Doch gerade für Menschen, die Schwierigkeiten haben, Nähe zuzulassen - etwa Autisten - sei Hugo eine geeignete Therapieeule, sagt Prof. Zimmermann; denn Hugo nimmt seine Umwelt aus der Ferne wahr.

Auch Prof. Dr. Andrea Beetz, Psychologin mit Schwerpunkt Mensch-Tier-Beziehung und Tiergestützte Interventionen an der IUBH Internationalen Hochschule, hält Hugos Job als Therapieeule für vertretbar; denn solch eine Handaufzucht bilde eine große Ausnahme.

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