Dortmunder Professor leitet Merkels Kommission zur Energiewende

Prof. Dr. Kleiner im Interview

Wenn heute in Berlin erstmals die von Bundeskanzlerin Angela Merkel einberufene Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung tagt, wird sie auch von Prof. Dr. Matthias Kleiner (TU Dortmund) geleitet. "Das Restrisiko ist nicht exakt kalkulierbar und nicht absolut beherrschbar", sagt er im Interview.

DORTMUND/BERLIN

von Von Gaby Kolle

, 04.04.2011, 07:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ja. Das hat mich geradezu schockiert. Da relativiert sich vieles. Man gerät in Zweifel und entdeckt Begriffe wie „Demut“ neu. Die Kombination aus Natur- und Technik-Katastrophe, die einem Hochtechnologieland wie Japan passiert, zeigt, dass Naturgewalten nicht vollständig kalkulierbar und am Ende für den Menschen und seine Technik nicht vollkommen beherrschbar sind. Als Wissenschaftler stellt man sich die Frage: Was kann man verantworten?

Man sieht, dass das so genannte Restrisiko nicht exakt kalkulierbar und dass es nicht absolut beherrschbar ist. Sind die schnellen Kehrtwenden von Politikern in der Atomfrage, etwa von Kanzlerin Merkel oder der FDP, glaubwürdig? Von der Kanzlerin bin ich mit sehr überzeugenden Argumenten gefragt worden, ob ich in der Ethikkommission mitwirken würde, und ich habe keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass diese Frage und die Einsetzung der Kommission insgesamt sehr ernst gemeint war. Wir brauchen ein Gesamtkonzept für die sichere Energieversorgung für die nächsten Jahrzehnte und darüber hinaus. Dafür sollten wir auch Expertenwissen einholen, am sinnvollsten in einer öffentlichen Anhörung. Ein allgemein akzeptierter Sachstand ist auch die beste Grundlage für eine breite gesellschaftliche Diskussion.

Das kann ich jetzt nicht vollständig beurteilen. Ich bin zumindest ganz optimistisch, dass wir im Jahr 2050 tatsächlich eine nahezu CO2-freie Gesellschaft haben wollen und haben können. Ich sehe weitestgehend den Konsens, in letzter Konsequenz aus der Atomkraft auszusteigen. Wie schnell das gehen oder wie lange das noch dauern wird, ist auch verbunden mit den fossilen Kraftwerken und dem Umgang mit ihrer CO2-Produktion. Regenerative Energien werden sicherlich eine wesentlich größere Rolle spielen.

Ich bin froh darüber, dass in der Kommission allesamt kritisch-konstruktive und intellektuelle Köpfe sitzen. Diese Kombination ist die beste Basis, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Es sind alles Persönlichkeiten, die ich sehr schätze.

Etwa acht Wochen, um zu den ersten Empfehlungsergebnissen zu kommen.

Lesen Sie jetzt