Dortmunder Projekt warnt Scharnhorster Schüler vor den Gefahren des Internets

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Wer im Internet unterwegs ist, muss einiges beachten. Kinder und Jugendliche sind damit oft überfordert. Ein Projekt in der Stadtteilbibliothek Scharnhorst hilft.

Scharnhorst

, 19.12.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Juni 2019 begann das Medienkompetenz-Projekt für weiterführende Schulen in der Stadtteilbibliothek Scharnhorst. Dabei handelt es sich um ein außerschulisches Angebot, das zum Ziel hat, die Schüler im Umgang mit dem Internet zu sensibilisieren. 27 dieser Workshops mit Fünft- und Sechstklässlern von Gesamtschule Scharnhorst, Albert-Einstein-Realschule und Hauptschule Scharnhorst haben bereits stattgefunden. Im Januar kommen nun auch die Grundschulen hinzu. Grund genug, darüber einmal mit dem Initiator zu sprechen: Andreas Röhr, dem Leiter der Stadtteilbibliothek Scharnhorst.

Hallo Herr Röhr, wie laufen diese Schulungen ab?

Wir arbeiten dabei mit acht Studierenden der TU Dortmund zusammen, die hochengagiert sind. Vorteil ist, dass sie vom Alter her noch nicht so weit von den Schülern entfernt sind und deshalb gut ankommen.

Und worum geht‘s inhaltlich?

Darum, dass Schüler im Internet mit Inhalten konfrontiert werden, für die sie noch zu jung sind. Gewalt und Pornografie zum Beispiel. Auch der Kurznachrichtendienst WhatsApp ist eigentlich erst ab 16 zugelassen. Trotzdem nutzen ihn auch viel Jüngere. Mobbing, das über solche Dienste läuft, ist ein großes Thema. In fast jeder Klasse gibt es Klassenchats. Wir sprechen über das Recht am eigenen Bild. Immer geht es nicht allein darum, solche Gefahren aufzuzeigen, sondern auch Strategien anzubieten, wie man damit umgehen kann - zum Beispiel, dass man Beleidigungen oder Mobbing nicht schweigend hinnimmt, sondern sich an Eltern und Lehrer wendet.

Haben Sie das Gefühl, dass solche Themen bei den Schülern ankommen?

Auf jeden Fall. Weil sie unmittelbar aus ihrer Lebenswirklichkeit stammen. Sie sind dankbar für solche Hilfestellungen.

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Die Schulen setzen momentan auf Digitalisierung. Ist Ihr Angebot da nicht ein bisschen kontraproduktiv?

Nein. Wir verteufeln ja nicht das Internet. Neben den Gefahren zeigen wir den Schülern auch das Positive. Dazu gehören altersgerechte Angebote wie Kindersuchmaschinen oder die schönen Seiten im Netz, die extra für Schüler konzipiert worden sind.

Nun weiten Sie Ihr Angebot auch auf die Grundschulen im Stadtbezirk Scharnhorst aus. Warum?

Weil die Probleme nicht erst auf den weiterführenden Schulen beginnen. Ich habe neulich von einem Grundschüler gehört, der hat für das süchtig machende Computerspiel Fortnite 800 Euro von seinem Taschengeld ausgegeben. Zuerst ist das Spiel kostenlos, aber wenn man dort weiterkommen will, muss man für sogenannte In-Apps viel Geld bezahlen. Aber es gibt noch viel schlimmere Auswüchse, mit denen schon Kinder im Grundschulalter zu tun haben - mit etwas, das „Momo-Challenge“ genannt wird, zum Beispiel. Kinder bekommen eine zunächst harmlos erscheinende Nachricht, werden aber nach und nach zu immer gefährlicheren Taten angestachelt. Natürlich sollen sie den Eltern nichts davon sagen.

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Wird das Projekt für die Grundschulen genauso aufgezogen wie das für die älteren Schüler?

Nein, wir werden da mehr mit Spielstationen arbeiten, an denen die Schüler etwas tun müssen. Aber auch für die älteren Schüler ist die Schulung sehr abwechslungsreich aufgebaut. Neben den Grundschulen kommen nun übrigens auch die Paul-Dohrmann Förderschule und die Katholische Hauptschule Husen hinzu.

Wer finanziert das Medienkompetenz-Projekt?

Wir haben verschiedene Sponsoren: die Bezirksvertretung Scharnhorst, den Förderverein der Gesamtschule Scharnhorst und den Aktionsplan Soziale Stadt. Unser Partner ist das Zentrum Medienkompetenz (ZM.i.DO) der Stadt. Ich hoffe, dass wir dieses Projekt verstetigen und auch in den nächsten Jahren anbieten können, denn die Probleme werden ja bleiben. Aber schon jetzt haben wir 1975 Schüler erreicht.

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