„Ich würde niemandem raten, auf eigene Faust in die Türkei zu fliegen“

mlzReisen trotz Corona

Reisen ist wieder möglich. Die Reisewarnung für viele Länder ist aufgehoben, der Tourismus rollt an. Kann man sich ins Ausland trauen? So schätzen Dortmunder Reiseprofis die Lage ein.

Dortmund

, 10.07.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Reisen in Corona-Zeiten kann Einschränkungen bedeuten und die Sorge vor Quarantäne im Ausland. Allerdings kann es auch „traumhaft leere Strände und Urlaub ohne Massentourismus“ heißen.

Das jedenfalls sei das häufigste Feedback, dass Marcel Böhme derzeit von seinen Kunden bekomme. Er betreibt ein mobiles Reisebüro in Dortmund.

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Die Sommerferien sind gestartet und die Urlaubssaison läuft. Mittlerweile hat auch das Auswärtige Amt die Reisewarnung für die meisten EU-Länder wieder aufgehoben.

„Reisen funktioniert wieder“, sagt etwa Michael Draeger vom Dortmunder Reisebüro Stoffregen an der Kampstraße. Beispielsweise auf den Balearen, mit dem beliebten Reiseziel Mallorca, „gibt es ein Konzept, dass ich auch vertreten kann“, sagt er. Ähnliches gelte für Griechenland.

Und auch bei Lensing Reisen an der Silberstraße komme es so langsam wieder zu Buchungen, sagt eine Mitarbeiterin. Das gelte derzeit vor allem für Busreisen im Land und ins benachbarte Ausland.

„Wir schreien nicht hurra“

„Wir schreien nicht Hurra, nur weil jetzt vieles offen ist“, sagt Stoffregen-Chef Draeger. Denn obwohl so langsam wieder Reisen verkauft werden, habe er immer noch zum Großteil mit Umbuchungen, Stornierungen und somit auch mit Provisions-Rückzahlungen an Reiseveranstalter für ausgefallene Reisen zu tun, sagt Draeger.

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„Ich kämpfe weiter für die Kunden“, sagt er. Das sei gleichzeitig seine gefühlte Hauptaufgabe, aber auch seine große Hoffnung: dass den Menschen „die Wichtigkeit von Reisebüros“ klar werde. Und so langsam trete dieser Lerneffekt ein, „der muss aber auch hängenbleiben“, sagt er.

Dortmunder fliegen wieder nach Mallorca

Trotzdem steht fest: „Es kann gereist werden - und das wird auch wieder dezent angenommen“, sagt er. In dieser Woche habe er mehrere Mallorca-Reisen verkauft, sagt Draeger.

Ein weiteres Land, für das es häufiger Anfragen gebe, sei die Türkei. Doch da hat die Reisewarnung voraussichtlich noch bis Ende August Bestand. „Die Reiseveranstalter bieten das gar nicht an“, sagt Draeger.

Wenn jemand auf eigene Faust in ein Land mit bestehender Reisewarnung reist, kann es beispielsweise passieren, direkt nach der Einreise in Quarantäne zu müssen.

„Buchen Sie wieder, aber buchen Sie beim Profi“

Deshalb empfiehlt Draeger bei Urlaubsplänen auf Individualreisen zu verzichten und nur Pauschalreisen zu buchen - denn da gebe es von den Reiseveranstaltern Rückholversicherungen.

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„Ich würde niemandem raten, auf eigene Faust in die Türkei zu fliegen“, sagt auch Marcel Böhme. Bei ihm laufe die Nachfrage zwar noch nicht wieder richtig an, doch von den Reisen, die er zuletzt nach Kreta oder Lanzarote verkauft habe, bekomme er sehr gute Rückmeldungen.

„Wenn ich keine Kinder hätte, würde ich mich jetzt direkt in einen Flieger nach Andalusien setzen“, sagt Böhme.

Preise für Urlaub in Deutschland „exorbitant hochgeschnellt“

Viele Menschen haben dagegen in der aktuellen Krise ihre Urlaube auf das Inland beschränkt. Vieles ist bereits ausgebucht – und wenn man etwas bekommt, ist das derzeit ungewohnt teuer.

Denn gerade in Deutschland seien die Preise „exorbitant hochgeschnellt“, meint Kurt Hosbach vom Dortmunder Tui-Reisecenter an der Kuckelke. Das liege an der starken Nachfrage und den gleichzeitig verringerten Kontingenten in Hotels und Urlaubsorten.

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In seinen Augen mache es derzeit allerdings wenig Unterschied, ob man innerhalb Deutschlands oder Europas verreist - mit Corona-Einschränkungen müsse man derzeit überall leben.

Im Reisebüro an der Kuckelke ist die Stimmung wieder recht positiv. „Wir sehen einen Lichtblick am Horizont“, sagt Hosbach. Auch wenn ein großer Teil der Kunden nach wie vor verunsichert sei, ziehe der Tourismus langsam wieder an. „Wir warten Sehnsüchtig auf die Freigabe der Türkei und Ägyptens“, sagt Hosbach.

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