Anna Kopp ist Schülerin in Dortmund. Sie fühlt sich mit dem wieder aufgenommenen Präsenzunterricht zwischen zwei Ängsten. © privat
Coronavirus

Dortmunder Schülerin zum Präsenzunterricht: „Wir fühlen uns übergangen“

Für einige Jahrgangsstufen an den Dortmunder Schulen läuft seit Montag wieder der Präsenzunterricht. Eine Schülerin sagt, das sei ein Zustand zwischen zwei Ängsten.

Seit Montag (22.2.) gilt für Grundschul- und Abschlussklassen in NRW wieder Präsenzunterricht – für Abschlussklassen ist sogar der Unterricht in normaler Klassenstärke möglich. Wir haben mit einer Dortmunder Abiturientin darüber gesprochen, wie sich die Rückkehr in die Schule anfühlt.

Anna Kopp ist 18 Jahre alt und besucht den Abiturjahrgang der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Brackel. Im Video-Gespräch berichtet sie uns am Montagnachmittag vom Wiedersehen. „Es war schon ein fröhliches Aufeinandertreffen. Es haben sich schon alle gefreut, sich nach fast drei Monaten wiederzusehen, aber es war auch suspekt.“

Schülerinnen und Schüler müssten Hände und Tische desinfizieren, es gebe überall Desinfektionsspender, man halte anderthalb Meter Abstand, es werde gelüftet und die meisten trügen FFP2-Masken. Dennoch frage sie sich: „Jetzt gibt es ja auch die Mutante. Ist das wirklich alles sicher, ist das genug, was das Ministerium von den Schulen verlangt?“

Immer eine Angst im Hinterkopf

Doch nicht nur die Pandemie schafft für Anna Kopp Unsicherheit: „Man hat einfach Angst, sich anzustecken auf der einen Seite und auf der anderen Seite ist natürlich auch die große Angst, dass man sein Abitur nicht schafft, dass man seinen Abschluss nicht schafft, dass man den Sprung in die nächste Klasse nicht schafft. Es ist immer eine Angst im Hinterkopf mit drin.“

Der Präsenzunterricht habe klare Vorteile, insbesondere für die Vorbereitung auf das Abitur. „Man wird angesprochen, man muss mitmachen, man zollt dem ganzen mehr Aufmerksamkeit. Das ist eigentlich schon besser.“ Auch die Arbeit an der Tafel sei besser als zum Beispiel mit einem kleinen geteilten Bildschirm.

An ihrer Schule würden Kurse ab einer bestimmten Größe aufgeteilt unterrichtet: „Wir werden in unterschiedliche Räume gesteckt und der Lehrer unterrichtet parallel. Das heißt, während der eine Teil zum Beispiel Aufgaben macht, wird der andere vom Lehrer unterrichtet.“

Vorschlag: Reduzierung auf relevante Fächer

Trotz dieser Vorteile: „Ich fühle mich schon eher gezwungen in den Präsenzunterricht. Wenn ich in einem anderen Jahrgang wäre, müsste ich ja teilweise gar nicht in den Präsenzunterricht.“ Als Beispiel nennt sie ihren Bruder. Der sei in einem anderen Jahrgang und habe weiterhin Online-Unterricht.

Sie kritisiert auch das NRW-Schulministerium: „Wir fühlen uns übergangen in der Frage, ob die Schulen geöffnet werden oder nicht.“ Es gebe zum Beispiel Mitschüler, die bei ihren Großeltern lebten und jetzt trotzdem in die Schule müssten.

Vorschläge, wie man es anders lösen könnte, gebe es einige. Anna Kopp führt zum Beispiel an, den Lehrplan auf prüfungsrelevante Fächer zu reduzieren. Aber das könnten Schulen eben nicht so einfach selbst entscheiden.

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Redaktion Dortmund
Gut recherchierter Journalismus liegt mir am Herzen. Weil die Welt selten einfacher wird, wenn man sie einfacher darstellt. Um Zusammenhänge zu erklären, setze ich auf klaren Text und visuelles Erzählen – in Videos, Grafiken und was sonst dabei hilft.
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Bastian Pietsch

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