Dortmunder Schulleiter: „Wir sind nicht die große Virenschleuder“

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Distanz- oder Präsenzunterricht? Die Debatte um die Schulstrategie während der Corona-Krise in NRW reißt nicht ab. Der Dortmunder Schulleiter Nadim Al-Madani hat dazu eine klare Haltung.

Scharnhorst

, 21.11.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schulleiter sind in Corona-Zeiten mit einer Mammutaufgabe konfrontiert: Sie managen den Spagat zwischen Schülern, Eltern und Lehrern - der Stadt und dem Gesundheitsamt. Und wenn die Fallzahlen im eigenen Stadtbezirk dramatisch steigen, treten auch bei Nadim Al-Madani die Sorgenfalten auf die Stirn.

Gesamtschule ist kein Hotspot: Nur 5 Schüler positiv getestet

Nadim Al-Madani ist Schulleiter der Gesamtschule Scharnhorst. Warum in dem Dortmunder Stadtbezirk Scharnhorst die Fallzahlen so stark gestiegen seien, das wisse er nicht. Seine Schule sei jedenfalls nicht der Grund: „Wir sind nicht die große Virenschleuder“, betont er.

Von rund 1100 Schülern seien derzeit lediglich 19 in vorsorglicher Quarantäne, darunter haben sich nur fünf Schüler nachweislich mit dem Coronavirus infiziert.

Er halte am Präsenzunterricht so lange fest wie möglich. Das sei für seine Schüler extrem wichtig: „Sie brauchen einen Ansprechpartner vor Ort. Sie lernen nicht nur mit, sondern auch für den Lehrer. Das gemeinsame Lernen mit den Mitschülern spielt auch eine große Rolle. “

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„Der Lockdown darf erst im Dezember kommen“

Sollte die Schule in den nächsten Lockdown müssen, das heißt Präsenzunterricht nicht mehr möglich sein, sei digitaler Unterricht schon jetzt technisch gut machbar, aber: „Der Lockdown darf erst im Dezember kommen“, sagt er und lacht.

Denn im Dezember soll die Schule von der Stadt zusätzlich mit einer hohen Anzahl an digitalen Endgeräten wie Tablets ausgestattet werden. Diese können dann an die Schüler verliehen werden, die kein Gerät zu Hause zur Verfügung haben.

Vor einer digitalen Umstellung habe der Schulleiter keine Scheu. Aber lieber wäre sie ihm in Form von digitalem Zusatzunterricht, nicht als Präsenz-Ersatz.

An der Gesamtschule Scharnhorst gibt es aktuell unter 1100 Schülern nur 5 positive Corona-Fälle.

An der Gesamtschule Scharnhorst gibt es aktuell unter 1100 Schülern nur 5 positive Corona-Fälle. © Nadim Al-Madani

„Wir tun eine Menge dafür, dass der Präsenzunterricht möglich bleibt“, sagt er. Probleme mit Maskenverweigerern gebe es keine und die Regeln werden eingehalten: Jeder habe einen festen Sitznachbarn, um den Kontakt zu minimieren. Der Sitzplan sei zur Kontaktverfolgung digital sofort abrufbar.

Es gebe getrennte Pausenhöfe und Lunchtüten aus der Mensa werden ausgeteilt, um große Ansammlungen zu vermeiden. Die Jahrgänge seien zudem strikt getrennt. Während der Pausen dürften die Schüler das Gelände nicht verlassen. Nur Oberstufenschülern sei das während der Freistunden erlaubt.

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Nächster Schritt: Gestaffelter Schulbeginn?

Den Schülern werde Abstandhalten und das Tragen der Maske eingeschärft. Was außerhalb seines Schulgeländes passiere, das könne er natürlich nicht kontrollieren.

Um den Schülerstrom vor und nach Schulbeginn in Bus und Bahnen zu entzerren, könne er sich in Dortmund einen gestaffelten Schulbeginn vorstellen. In Herne und Duisburg ist das bereits beschlossene Sache. Das sei aber nicht die Entscheidung der Schule, sondern die der Stadt.

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