Dortmunder Studentin: „Aktuell bleiben mir 200 Euro“

mlzMini-Jobber

Durch die verschärften Corona-Maßnahmen ist die Gastronomie in Dortmund zum Erliegen gekommen. Das trifft auch Mini-Jobber, viele von ihnen Studierende. Eine Dortmunderin berichtet.

Dortmund

, 09.11.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Keine Arbeit, keine Präsenz-Vorlesungen, keine Perspektive für die nächsten Monate. Genau dieser Situation sieht sich Jacinta Fischer, Architektur-Studentin aus Dortmund, ausgesetzt. Auf Minijob-Basis arbeitet sie in der derzeit stark gebeutelten Gastronomie-Branche. Dort ist nun der Betrieb seit Montag (2.11.) komplett ausgesetzt.

Spätestens seitdem seien auch ihre letzten Termine zum Arbeiten weggebrochen und damit ein wichtiger Teil ihres Einkommens. Seit sechs Jahren ist sie auf dem Eventschiff Herr Walter tätig, in dem normalerweise häufig Hochzeits- oder andere größere Gesellschaften feiern oder Techno-Partys stattfinden.

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Mini-Jobber haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld

Um die Ausbreitung des Coronavirus weiter einzudämmen, mussten zunächst im Frühjahr und nun seit Anfang November bereits zum zweiten Mal sämtliche Gastronomie-Betriebe schließen. Davon betroffen ist auch das Herr Walter.

Zwar gibt es die Möglichkeit, Kurzarbeitergeld zu beantragen, ausgenommen sind jedoch die Mini-Jobber. Denn sie zahlen nicht in die Arbeitslosenversicherung ein. Da das Kurzarbeitergeld jedoch als Leistung dieser gilt, haben Mini-Jobber keinen Anspruch darauf. So legt es das Bundesministerium für Arbeit und Soziales fest. Und dies trifft häufig die Studierenden.

„Da hab ich in meiner Situation echt die Arschkarte gezogen“

„Als der Lockdown bekannt wurde, hat mir dann direkt der Personalchef geschrieben und gesagt, dass alles storniert wurde.“ Keine Hochzeiten, keine Techno-Partys, keine Arbeit für die Studentin. „Da hab ich in meiner Situation echt die Arschkarte gezogen“, sagt sie.

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Finanziell hat der Lockdown starke Auswirkungen auf sie. Die 30-Jährige wohnt allein, muss ihre Miete zahlen. „Das ist ein normaler Wohnpreis“, sagt sie „und sonst habe ich wirklich alles runtergeschraubt, was ging.“ Ins Gewicht falle außerdem die Krankenversicherung.

Keine sicheren Perspektiven

Man könne nicht pauschal sagen, dass alle Studierenden in einer WG wohnen, Bafög bekommen „und Eltern können auch nicht immer 500 Euro platt machen, obwohl sie das vielleicht müssten“, sagt Fischer. „Das funktioniert doch in vielen Fällen einfach gar nicht.“

Fischer hat Anspruch auf den Bafög-Höchstsatz. Doch um ihre laufenden Kosten zu decken, ist sie trotzdem zusätzlichen auf den 450-Euro-Verdienst durch die Arbeit im Herr Walter angewiesen. „Aktuell bleiben mir vielleicht 200 Euro, wenn alles abgezogen ist.“

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Ersparnisse nicht lange ausreichend

Die Tendenz ist dabei eher sinkend. Denn sie hat zwar im Sommer, als sie noch arbeiten durfte, Geld beiseite legen können, „davon konnte ich jetzt für Oktober und November noch ein letztes Mal die Miete zahlen. Ab Dezember wird es knapp.“

Als im Frühjahr Restaurants geschlossen wurden, habe ihr das kaum zugesetzt, da ihr Arbeitgeber weiterhin den hundertprozentigen Stundenlohn auszahlen konnte. Zu dieser Jahreszeit stehe ohnehin immer ein Frühjahrsputz auf dem Eventschiff an und dementsprechend gab es trotz Gastro-Schließungen vorübergehend noch genügend Arbeit.

Geldsorgen bleiben trotz Studierenden-Kredit der Bundesregierung

Nun ist sie jedoch vorerst arbeitslos. „Je später es wurde im Jahr, desto mulmiger haben wir uns gefühlt“, sagt Fischer, denn die Sorge darüber, wie lange sie ihrer Arbeit trotz steigender Corona-Fallzahlen noch nachgehen könne, sei bereits allzeit präsent gewesen.

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Schon im Oktober habe die Studentin daher einen zinsfreien Überbrückungskredit beantragt. Doch auch da bleibe die Frage, mit welchem Geld sie diesen zurückzahlen soll. „Das ist alles im Moment sehr unsicher“, sagt sie. „Ich kann halt im Moment perspektivisch kaum nach vorne blicken, was die Arbeit betrifft.“

Suche nach alternativen Jobs gestaltet sich schwierig

Natürlich suche sie derzeit Alternativen. „Man hängt aber mit allem so in der Schwebe“, sagt sie. Zwar werden zum Beispiel Mini-Jobber im Einzelhandel gesucht, allerdings oftmals nur bis Dezember und auch in einem Architekturbüro, passend zu ihrem Studium, finde sie im Moment nicht so schnell einen sicheren Job.

Politik sollte mehr für Studierende tun

Mit ihrer Situation ist Fischer nicht allein. Viele Studierende arbeiten im Bereich der Gastronomie, an sie werde jedoch nicht ausreichend gedacht, findet die 30-Jährige. Ja, die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung seien ein Anfang, doch sie gehen nicht weit genug.

Die Lage der Studierenden müsse mehr Anklang finden, findet Fischer. „Momentan wird das komplett falsch angegangen.“ Sie findet, dass die Unterstützung für Studierende viel zu niedrig ausfalle - nicht nur, aber besonders während der aktuellen Corona-Zeit.

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Psychische Auswirkungen bleiben oftmals unbeachtet

Und ein weiterer Faktor werde häufig vergessen: Eine solche Situation wirke sich schnell auf die Psyche aus. „Ich vermisse die Arbeit. Man braucht was zu tun“, gibt Fischer zu bedenken. „Alle gehen arbeiten und man selbst sitzt Zuhause und fühlt sich irgendwie nutzlos.“

Zwar hat ihr Studium wieder begonnen, doch normalerweise hat sie mehrere Stunden pro Woche nebenbei gearbeitet. Und das schon seit sechs Jahren. Fischer hängt an ihrem eigentlichen Job: „Ich habe schon Schwierigkeiten damit, mich davon zu trennen.“

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„Klar macht man sich Sorgen um den eigenen Lebensunterhalt und hat Existenzängste“, sagt Fischer. Doch hinzu kommen weitere Gedanken: „Wie wird es im nächsten Sommer? Was mache ich ohne diese Zukunftsperspektive?“

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