In Idar-Oberstein wurde ein Tankstellen-Mitarbeiter erschossen, nachdem er einen Kunden aufforderte, eine Maske anzuziehen. © picture alliance/dpa
Nach Mord in Idar-Oberstein

Dortmunder Tankstellen-Pächter: „Dann werden wir zum Schluss noch abgeknallt“

Dortmunder Tankstellen-Pächter sind nach der Tötung eines Kollegen in Idar-Oberstein geschockt. Der Kassierer war bei einem Streit um die Maskenpflicht erschossen worden. Sie planen ihre Mitarbeiter zu schulen und zu schützen.

In Idar-Oberstein wurde ein Mitarbeiter einer Aral-Tankstelle erschossen, weil er einen Kunden dazu aufforderte, seinen Mund-Nasen-Schutz anzuziehen. Viele Dortmunder Tankstellen-Pächter zeigen sich schockiert. Auch sie erleben jeden Tag strittige Situationen mit Maskenverweigerern.

20 Raubüberfälle auf Tankstellen in 3 Jahren

Samet Oral ist Tankstellen-Pächter in Dortmund-Huckarde. Auch er wurde bereits körperlich angegriffen von einem Kunden, der sich weigerte eine Maske zu tragen. Gerade weil das Thema alltäglich präsent sei, habe ihn die Tat in Idar-Oberstein erschreckt und schockiert: „Wir lesen jeden Morgen zusammen die Nachrichten in der Frühschicht – da war jeder vollkommen entsetzt.“

Auch in der Dortmunder Innenstadt zeigt sich der Pächter einer Aral-Tankstelle entsetzt: „So kaltblütig mit einem anderen Leben umzugehen, wir haben so schon so viele Probleme gehabt in der Pandemie und wir waren trotzdem immer da, auch trotz Einbußen – und dann werden wir zum Schluss noch abgeknallt.“

Bewaffnete Überfälle auf Tankstellen sind dabei auch in Dortmund keine Seltenheit. Die Polizei berichtet von 20 Raubüberfällen in den vergangenen drei Jahren.

Mitarbeiter werden persönlich angegangen

Die Situation in Idar-Oberstein sei allerdings nicht vergleichbar mit einem Raubüberfall. Samet Oral berichtet, dass die Tankstellen-Mitarbeiter, die die auf die Einhaltung der Maskenpflicht hinweisen würden, auf einer persönlichen Ebene angegriffen würden.

„Dann heißt es auch mal: ‚Ihr seid doch nicht das Ordnungsamt oder die Gesetzeshüter.’“ Allein mit der Umsetzung der gesetzlich geltenden Regeln mache man sich bei manchen Kunden schon zur Zielscheibe.

Wie also sollen die Pächter sich selbst und ihre Mitarbeiter schützen und gleichzeitig die Maskenpflicht in ihrem Haus durchsetzen?

Nachtschalter und Sicherheitstraining

Stephan Haack, Pächter einer Dortmunder Total-Tankstelle auf dem Asselner Hellweg, berichtet, dass es seit der Einführung der Maskenpflicht Schulungen gibt, die darauf zielen, „null Konfliktpotenzial“ entstehen zu lassen. Er selbst sei in seiner Tankstelle sowieso sehr gut abgesichert.

Shell-Tankstellen sind angehalten, Kunden, die partout keine Maske tragen wollen, über den Nachtschalter zu bedienen. Sollten diese dennoch aggressiv werden, sollen die Mitarbeiter die Türen verschließen und die Polizei rufen. Auf gar keinen Fall sollten „Mitarbeiter mit Kunden wegen der Masken Streit anfangen“, erzählt ein Dortmunder Pächter.

Samet Oral sagt, dass es an seiner Tankstelle mittlerweile auch ein neues Bezahlsystem gibt, weswegen Kunden, die keine Snacks oder Getränke kaufen möchten, gar nicht mehr den Shop betreten müssen. Er versuche bei schwierigen Kunden, „ein bisschen Small-Talk oder einen Witz zu machen“, damit die Stimmung nicht zu konfrontativ werde.

Konzerne bieten ihren Mitarbeitern Schulungen

Aral erklärt gegenüber unserer Redaktion, man sei „zutiefst bestürzt angesichts des Todes eines Mitarbeiters unserer Tankstellenpartnerin in Idar-Oberstein.“

Zunächst wolle man „die polizeilichen Untersuchungen abwarten, um den genauen Tathergang zu verstehen“. Anschließend würde über weitere Sicherheitsmaßnahmen entschieden werden. Zudem könnten alle Aral-Mitarbeiter die Sicherheits- und Deeskalationstrainings des Konzerns in Anspruch nehmen.

Ähnliches erklärt Beata Schwaiger, Pressesprecherin der Star-Tankstellen: „Wir machen regelmäßige Schulungen für die Tankstellenpächter und Mitarbeiter und da geht es auch um Überfall-Situationen.“

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