"Joggen? Fahrrad fahren? Auf dem Sofa ist es doch auch schön." So geht es einer neuen Studie zufolge relativ vielen Menschen in Dortmund. © Adrian Swancar (Unsplash)
„Masterplan Sport“

Dortmunder unsportlicher als der Bundesschnitt – besonders in einem Stadtteil

Die Stadt Dortmund entwickelt mit einem Institut aus Potsdam einen „Masterplan Sport“. Ein Stadtteil soll jetzt besonders in den Blick rücken - weil es dort auffällig viele Sport-Muffel gibt.

Wie soll sich die Sportlandschaft verändern? Wo sollen Sportplätze anders genutzt werden, was ist mit den Schwimmbädern? Um solche Fragen perspektivisch zu klären, wird aktuell ein „Masterplan Sport“ für Dortmund erarbeitet. Eine Befragung hat ergeben: Die Dortmunder sind unsportlicher als die Durchschnitts-Deutschen.

76 Prozent der Befragten haben angegeben, in ihrer Freizeit Sport zu treiben oder sich zumindest zu bewegen. „Dies ordnet sich zwar leicht unter dem Bundesschnitt von 81 Prozent ein, ist aber dennoch bemerkenswert positiv“, findet Prof. Dr. Michael Barsuhn, wissenschaftlicher Leiter der Studie, von der Fachhochschule für Sport und Management in Potsdam.

Vor allem die Senioren in Dortmund seien jedoch deutlich inaktiver als der Bundesschnitt. Allerdings haben diese Menschen angegeben, ein starkes Interesse an Bewegungs- und Gesundheitsthemen zu haben. Dies erfordere ein spezifisches Angebot sowohl in den Sportvereinen als auch im urbanen Raum, schreibt die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung zum Thema.

„Mit Blick auf den demografischen Wandel ergibt sich für uns der Auftrag, speziell auf die Bedürfnisse von Senioren ausgerichtete Angebotsstrukturen mit Aufforderungscharakter sowie Kooperationen und Netzwerkstrukturen zu stärken“, sagt Sportdezernentin Birgit Zoerner.

Im Sportstättenkataster werden die Anlagen bewertet

Eine Arbeitsgruppe soll das Thema nach dem Sommer vertiefen. Ein ähnliches Vorgehen plant die Stadt Dortmund bei Sport- und Bewegungsangeboten für Menschen mit Behinderung – verbunden mit der Barrierefreiheit an den Sportanlagen.

Unter anderem dafür soll es ein flächendeckendes Sportstättenkataster geben, das die Qualität der Dortmunder Sportstätten erfasst und bewertet. Vor Ort werden die Gegebenheiten bewertet.

Michael Barsuhn, der ähnliche Projekte auch in anderen Städten betreut, lobt gegenüber unserer Redaktion ausdrücklich, wie pragmatisch und zielstrebig die Stadt Dortmund in diesem Bereich arbeite.

Welche Stadtteile die inaktivsten Bewohner haben

Die durchgeführte Verhaltensstudie zeige eine „erhöhte Inaktivitätsquote“ in der Nordstadt, Eving, Scharnhorst, Lütgendortmund, Huckarde und Mengede, sagt Barsuhn.

Eine erste Auswirkung: „Diesen Erkenntnissen wollen wir Rechnung tragen und den Stadtteil Scharnhorst-Ost näher betrachten“, so Sportdezernentin Birgit Zoerner.

Die Stadtverwaltung habe eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um zusammen mit Kitas, Schulen, Vereinen und Jugendfreizeitstätten Impulse zu sammeln, berichtet Barsuhn.

Als einer der ersten Schritte werde wohl die Sanierung eines Sportplatzes mit Gummibelag in den Blick genommen. Nach dem Sommer soll den politischen Gremien ein Plan mit einem Finanzierungskonzept vorgelegt werden.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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