Auch in Dortmunder Unternehmen ist Homeoffice inzwischen Alltag. © dpa
Corona-Pandemie

Dortmunder Unternehmen und Homeoffice: Geht da noch mehr?

Der Druck auf Unternehmen und Verwaltungen nimmt zu, im Kampf gegen das Coronavirus ihr Personal ins Homeoffice zu schicken. Wie sieht es damit in Dortmund aus? Wir haben uns umgehört.

Ruft man zurzeit in Pressestellen bei Dortmunder Unternehmen und Institutionen an, sitzt der Sprecher oder die Sprecherin am anderen Ende der Leitung meist am heimischen Schreib- oder Küchentisch. So auch bei der Umfrage am Montag (18.1.), wie man es in der Dortmunder Bürolandschaft im Kampf gegen Corona mit dem Homeoffice hält.

Die Arbeit in Unternehmens- und Verwaltungsbüros ist trotz anhaltenden Lockdowns kaum reguliert, während Schulen, Museen, Vereine, Gastronomie und der stationäre Handel weitgehend geschlossen sind. Noch belässt es die Politik bei Appellen, aber das könnte sich nach der Runde der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten am Dienstag (19.1.) ändern.

Der Druck auf die Unternehmen wächst, während der Phase der Pandemie-Bekämpfung Mitarbeiter in die Heimarbeit zu schicken – sofern es die Produktionsabläufe erlauben.

In Dortmund haben sich seit dem ersten Lockdown bereits viele Unternehmen und Einrichtungen den Pandemie-Begebenheiten angepasst und neben strengen Hygiene-Konzepten zur Kontaktminimierung an der Stellschraube Homeoffice gedreht.

Bei der Stadtverwaltung sind 1300 im Homeoffice

Bei der Dortmunder Stadtverwaltung sind von 8860 PC-Arbeitsplätzen 4426 mobile Endgeräte. Damit arbeiten aktuell 1300 Beschäftigte im Homeoffice, teilt Stadtsprecher Michael Meinders auf Anfrage mit.

Mitarbeiter in Kunden-intensiven Bereichen dagegen könnten nur teilweise, im Wechsel oder gar nicht ihre Arbeit im Homeoffice ausüben. Nicht nur aus Corona bedingten Gründen, sondern auch bedingt durch die bestehende Dienstvereinbarung zur Mobilen Arbeit sei die Stadtverwaltung bestrebt, weiterhin die Arbeitsplätze mit mobilen Geräten auszustatten sowie zielgerichtet die Digitalisierung voranzutreiben.

Die Technische Universität (TU) Dortmund ist laut Hochschul-Sprecherin Eva Prost bestens gerüstet fürs Homeoffice: „Selbst wenn es eine Pflicht zum Homeoffice geben sollte, hat das für uns keine Bedeutung, weil wir das alles schon machen.“

Homeoffice werde an der TU zwar nicht zahlenmäßig erfasst, doch seit Anfang Dezember gebe es nach dem ersten Lockdown erneut die Regel, dass nur vor Ort gearbeitet werden darf, wenn eine dienstliche Notwendigkeit besteht. Prost: „Das muss man begründen.“ Zu dienstlichen Notwendigkeiten gehörten Arbeiten im Labor und in den Werkstätten, der Postdienst, die Baubeaufsichtigung und das Aufzeichnen von Vorlesungen vor Ort.

Zudem habe man im Vergleich zum ersten Lockdown im Frühjahr an der TU die Hardware-Ausstattung für das Homeoffice aufgerüstet und vor Ort ein ausgefeiltes Hygienekonzept mit Schichtbetrieb und Maskenpflicht eingeführt, so Prost.

Sparkasse hat mobile Arbeitsplätze ausgebaut

Auch die Sparkasse Dortmund hatte bereits im Frühjahr 2020 viele Mitarbeiter mit notwendiger Technik ausgestattet. „Die mobilen Arbeitsplätze wurden in den vergangenen Wochen noch einmal ausgebaut“, berichtet Sprecherin Sophie Donat.

Aktuell verfügten von rund 1500 Mitarbeitern etwa 280 über einen mobilen Arbeitsplatz, vor allem in den internen Abteilungen wie Innenrevision und Controlling. Donat: „Im Filialbetrieb wurden andere Maßnahmen geschaffen, um die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewährleisten. So wurden zum Beispiel Schichtbetriebe und die Maskenpflicht eingeführt.“

Bei der Dortmunder Volksbank gibt es für knapp 1100 Mitarbeiter gut 300 mobile Arbeitsplätze „Wir hätten gern noch mehr, aber im Moment ist es gar nicht so einfach, die entsprechende Hardware zu bekommen“, sagt Sprecher Carsten Jäger.

Wer ein Laptop habe, sei aufgefordert worden, im Homeoffice zu arbeiten. „Das funktioniert auch.“ Zumal man den Arbeitszeitrahmen in Absprache mit dem Betriebsrat ausgedehnt habe.

In den Filialen, die die Dortmunder Volksbank anders als beim ersten Lockdown offen gehalten habe, sei Homeoffice wegen des Kundenkontakts nicht möglich. Doch dort gebe es ein gutes Hygiene-Konzept.

Hohe Quote bei Signal-Iduna

Ganz weit vorn in Dortmund ist die Signal-Iduna-Versicherung. Derzeit arbeiten dort laut Sprecherin Ann-Kathrin Wacker wie schon im vergangenen Frühjahr 80 bis 85 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice. „Diese hohe Quote lässt sich nicht mehr wesentlich steigern, da einige Arbeiten wie Dokumentendruck oder Digitalisierung der Post nicht im Homeoffice erledigt werden können, jedoch eine Voraussetzung für den Geschäftsbetrieb sind.“

Zudem gebe es Mitarbeiter, die nicht zu Hause arbeiten könnten oder wollten. Wacker: „Diesen müssen und wollen wir weiterhin einen Arbeitsplatz offen halten.“

Die Continentale Versicherung hat seit März 2020 die Anwesenheit in den Betriebsgebäuden auf absolut notwendige Tätigkeiten beschränkt. „Für jede Organisationseinheit gilt zudem eine Obergrenze von maximal 25 Prozent der Mitarbeiter, die in den Betriebsgebäuden anwesend sein dürfen“, erläutert Unternehmenssprecher Bernd Goletz. „Dieser Wert wird in der Praxis aber in aller Regel nicht erreicht, sondern unterschritten.“ Mit Blick auf die menschlichen Begegnungen sei das Arbeiten im jetzigen „Extremmodus“ aber kein Modell für den „Normalbetrieb“.

Auch die Volkswohl-Bund-Versicherungen haben schon früh für die technische Ausstattung gesorgt und danach allen Mitarbeitern freigestellt, im Büro oder von zu Hause aus zu arbeiten. Ein Drittel arbeitet ständig von zu Hause, ein Drittel kommt jeden Tag ins Büro, und ein weiteres Drittel wechselt zwischen den Angeboten.

„Mit diesem offenen Angebot haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Sprecherin Simone Szydlak. Diejenigen, die lieber im Büro arbeiteten, fänden dank eines strengen Hygiene-Konzepts auch dort eine sichere Umgebung vor.

Materna ist gut eingespielt

Als IT-Unternehmen ist Materna für Homeoffice technisch bestens ausgestattet. „Es sind knapp 90 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice“, so Firmensprecherin Christine Siepe. Von den 1300 deutschen Mitarbeitern der Materna SE arbeiteten nur noch rund 100 vor Ort in den Büros.

Laut Mitarbeiter-Umfrage wünschten sie sich, auch weiterhin im Homeoffice arbeiten zu können. Siepe: „Es hat sich inzwischen gut eingespielt und auch Aktivitäten wie größere externe und interne Veranstaltungen konnten erfolgreich digitalisiert werden, darunter sogar eine digitale Weihnachtsfeier.“

Die Firma Dolezych, Hersteller von Ladungssicherungs- und Hebetechnik, im Hafen, hat seit dem ersten Lockdown kräftig aufgerüstet und investiert in Laptops, Webcams und Headsets, um den Beschäftigen das Arbeiten von zu Hause zu ermöglichen.

Dolezych beschäftigt 200 Mitarbeiter, davon 100 in der Produktion. Von den übrigen 100 Büromitarbeitern seien rund die Hälfte im Homeoffice, sagt Geschäftsführer Tim Dolezych. „Wir wollen das auch dauerhaft anbieten.“ Gleichzeitig habe man sich im vergangenen Jahr räumlich erweitert und könne den übrigen Mitarbeitern ein extrem sicheres Arbeitsumfeld bieten.

Am Dortmunder Standort des Online-Händlers Zalando, der sich darum kümmert, dass die Bestell- und Zahlungsvorgänge im Internetshop einwandfrei funktionieren, sind die Mitarbeiter seit Beginn des ersten Lockdowns ebenfalls angehalten, von zu Hause aus zu arbeiten. Das habe man schnell und reibungslos umsetzen können, da man viele der Mitarbeiter bereits lange vorher entsprechend technisch ausgestattet habe, sagt Zalando-Sprecherin Nadine Vazhayil.

Übrigens, auch diese Zeilen sind im Homeoffice entstanden.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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