Dortmunder Vater über Schulpolitik: „Die Kinder werden weggeschlossen“

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Die Frage nach der Zukunft des Schulunterrichts in Dortmund wird zunehmend emotionaler diskutiert. Ein Dortmunder Vater schlägt in einem offenen Brief Alarm. Immer mehr Eltern protestieren.

Dortmund

, 26.05.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Dortmunder Vater hat in einem offenen Brief an NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer sowie die Dortmunder SPD-Landtagsabgeordnete Nadja Lüders seinem Unverständnis über die Einschränkungen an Schulen Luft verschafft. Er bittet die Politikerinnen um „Lobbyarbeit für unsere Kinder“.

Kai Hansmeier schreibt in dem Brief: „Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet unsere Schulkinder derart weggeschlossen werden.“ Aus seiner Sicht habe der Staat die Pflicht, den Bürgern das Recht auf Bildung zu ermöglichen. Dieser Pflicht komme die Landesregierung im Moment nicht nach.

Dortmunder Vater: „Kinder erfahren Ungleichheit und Diskriminierung“

„Durch die unterschiedlichen Einschränkungen und deren nicht einheitlicher Handhabung, sowie den sehr unterschiedlichen Wissens- und Kenntnisstand der Eltern, erfahren die Schulkinder momentan ein hohes Maß an Ungleichheit und Diskriminierung“, schreibt Kai Hansmeier.

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Homeschooling sei keine langfristige Alternative zum Präsenzunterricht und könne die Schulpflicht nicht adäquat abbilden. Deshalb müsse der Unterricht in der Schule wieder den überwiegenden Teil Lernwoche ausmachen.

Eltern werden zu Lehrern

„Wir als Eltern übernehmen gerade neben den erzieherischen Aufgaben mehr und mehr auch die spezifisch lehrenden Tätigkeiten. Unsere Familie kommt mit dem Homeschooling zurzeit noch relativ gut zurecht. Aber auch uns fehlt die direkte Rückmeldung und Lernstandskontrolle der Schule und didaktisch entsprechen wir sicherlich auch nicht dem schulischen Standard“, erklärt der Dortmunder Vater. Zudem mache sich insbesondere bei kleineren Kindern das Fehlen der sozialen Kontakte bemerkbar.

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Das Schulministerium in Düsseldorf hat noch einen weiteren offenen Brief von Eltern erhalten. Mehr 300 Menschen aus NRW, darunter auch Dortmunder, die über die Facebook-Gruppe „Familien in der Krise“ organisiert sind, haben sich an Ministerpräsident Armin Laschet und Bildungsministerin Yvonne Gebauer gewandt.

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Sie sehen die Bildung „im freien Fall“ und fordern die Politiker auf, die Schulen zeitnah für alle Kinder zu öffnen. Die Hygienestandards müssten verbessert und mehr Lehrer wieder an die Schulen gebracht werden.

Sorge um Kinder aus bildungsfernen Haushalten

Kinder aus bildungsfernen Haushalten würden ohne einen Regelbetrieb zunehmend abgehängt. „In Hartz4-Haushalten und in Familien mit Migrationshintergrund haben weniger als 70 Prozent der unter 12-Jährigen einen eigenen Schreibtisch, von einem Computer ganz zu schweigen. Daran ändern auch 150 Euro Zuschuss nichts“, heißt es in dem Brief der „Familien in der Krise“.

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In mehreren Städten in Deutschland organisieren Eltern Demonstrationen, weil sie die Öffnung der Schulen beschleunigen möchten.

Weitere Jahrgänge starten wieder mit Unterricht an einzelnen Tagen

Die Schüler weiterer Jahrgänge sind am Dienstag (26.5.) wieder in den Unterricht an den Dortmunder Schulen gestartet. In einem rollierenden System gibt es für die meisten Schüler in den Grundschulen (Klassen 1 bis 3) und weiterführenden Schulen (Klassen 5 bis Oberstufe) noch vier feste Tage vor Ort. Die weitere Lernzeit wird auf Distanz über digitale Medien organisiert.

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Die Schulleiterin eines Dortmunder Gymnasiums beschreibt das mit diesen Worten: „Sie dürfen mir glauben, die Konzeptionierung und Erstellung der Pläne war für alle Beteiligten ein Hammer.“

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