Dortmunder Volksbankchef schließt Minuszinsen für 2020 nicht aus

mlzJahresbilanz 2019

Noch gibt es keine konkreten Pläne, doch Privatkunden der Dortmunder Volksbank müssen in diesem Jahr erstmals damit rechnen, dass das Geldinstitut Gebühren für ihre Einlagen verlangt.

Dortmund

, 12.02.2020, 18:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im vergangenen Jahr noch hat die Dortmunder Volksbank Minuszinsen von der breiten Masse ihrer Privatkunden fernhalten können. Das könnte sich in diesem Jahr ändern: Denn die Einlagen der Kunden sind 2019 um weitere 80 Millionen Euro auf rund 6,45 Milliarden Euro gewachsen. Darunter sind häufig kurzfristige Geldanlagen und Geld, das aufgrund der sehr niedrigen Zinsen oder Nullzinsen einfach auf Girokonten geparkt ist.

Auch Banken zahlen Negativzinsen (- 0,5 Prozent) für Geld, das sie wiederum bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Doch „das Verständnis, dass wir eine Verwahrgebühr nehmen müssen, ist bei den Kunden noch nicht angekommen“, sagte Martin Eul, Vorstandsvorsitzender der Dortmunder Volksbank, am Mittwoch (12.2.) bei der diesjährigen Bilanzpressekonferenz. Aktuell zahlen bei der Dortmunder Volksbank nur Firmenkunden mit Einlagen ab 500.000 Euro den Minuszins.

Alle vier Wochen auf der Tagesordnung

Derzeit gebe es keine konkreten Pläne für flächendeckende Negativzinsen, so Eul. Aber: „Wir werden es uns auf Dauer nicht leisten können, auf Negativzinsen zu verzichten.“ Man werde das Marktgeschehen weiter beobachten. Alle vier Wochen stehe das Thema auf der Tagesordnung der Vorstandsrunde.

Auf ein Bankschließfach auszuweichen, ist auch nicht die Lösung; denn die Gebühren dafür sind hoch, und die Warteliste ist lang.

Eul äußerte sein Unverständnis über Finanzminister Olaf Scholz, der Minuszinsen für Sparer verbieten will. Nicht die Banken würden die Zinshöhe bestimmen, sondern die EZB. Zudem gebe die Bundesregierung selbst Anleihen auf den Markt, für die der Sparer am Ende weniger Geld herausbekomme, kritisiert der Vorstandsvorsitzende: „Hier wird doch mit zweierlei Maß gemessen.“

Trotz der vielen negativen Nebenwirkungen der ultralockeren EZB-Geldpolitik, die das Vertrauen in das Geldwesen und den Spargedanken beschädige, war 2019 für die Dortmunder Volksbank „ein zufriedenstellendes Jahr mit Schleifspuren auf der Ertrags- und der Kostenseite“, resümierte Eul. Die Einlagen sind moderat gewachsen, das Kreditgeschäft hat einen neuen Rekord verzeichnet, und die Weichen für die sich überraschend angebahnte Fusion mit der Volksbank Waltrop sind gestellt. „Ein Husarenstück in neun Monaten“, sagte Eul. Der Zusammenschluss soll in diesem Jahr vollzogen werden.

„Fusionen sind der Königsweg“

Negativzinsen, Regulatorik, Digitalisierung, der demografische Wandel und das veränderte Kundenverhalten zwängen Volksbanken zu Fusionen. Neben noch mehr Konsolidierung seien sie der Königsweg für Volksbanken, um die Zukunft zu meistern, so Eul. Er geht von weiteren Zusammenschlüssen aus. Allerdings dürfe einer der Partner nicht schwächeln. Bei der Fusion mit der Volksbank Waltrop seien „zwei kerngesunde und kapitalstarke Häuser“ zusammengeführt worden.

Mit Blick allein auf eine Arrondierung des Geschäftsgebietes der Dortmunder Volksbank würden sich Fusionen mit den Volksbanken Selm-Bork, Kamen-Werne, Bönen und mit der Volksbank Nordwest anbieten.

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Die Bilanzsumme der Dortmunder Volksbank lag zum Jahresschluss 2019 bei rund 7,18 Milliarden Euro (plus 170 Millionen Euro zum Vorjahr), zusammen mit der Volksbank Waltrop sogar bei gut 8,15 Milliarden Euro. Damit ist Dortmund nach Berlin, Frankfurt und Mittelhessen wieder die viertgrößte Volksbank in Deutschland. In Nordrhein-Westfalen ist sie unverändert und mit großem Abstand die Nummer eins.

Rekordergebnis beim Kreditgeschäft noch mal getoppt

Beim Kreditgeschäft konnte die Dortmunder Volksbank das Rekordergebnis aus 2018 erneut toppen. Eul: „Wir habe einen Zuwachs von 442 Millionen Euro, sprich 9,2 Prozent erreicht.“ Das Kreditvolumen stieg auf 5,2 Milliarden Euro, darunter 1,2 Milliarden Euro Neukredite. Der Großteil ging in die heimische Region. Das zeuge, so Eul, von der tiefen Verwurzelung mit den Menschen im Geschäftsgebiet.

Trotz des Rekordzuwachses bei den Krediten sind die sogenannten Zinsüberschüsse erneut gesunken. Aufgefangen wurde das mit dem Provisionsergebnis, das aufgrund des sehr guten Immobilien- und Wertpapiergeschäftes mit 36,6 Millionen Euro (plus 3,1 Millionen Euro) das höchste in der Bankgeschichte sei, so Eul. Die Dividende für die Mitglieder beträgt wieder vier Prozent.

Die Zahl der Mitarbeiter sank im Vergleich zum Vorjahr leicht von 990 auf 960, behutsam abgeschmolzen durch arbeitnehmerfreundliche Alterszeitvereinbarungen. Im Rahmen der Fusion mit Waltrop werde es keine betriebs- oder fusionsbedingte Kündigung geben, betonte Eul: „Wir haben eine fünfjährige Arbeitsplatzgarantie ausgesprochen.“

Filialnetz wird weiter ausgedünnt

Das Filialnetz wurde im vergangenen Jahr von 24 auf 17 Standorte reduziert. Damit sei man aber noch nicht am Ende angelangt, kündigt der Vorstandsvorsitzende an: „Hier gilt es, Kundenfrequenz, Kosten, Nutzen und die Nähe zum Kunden in einen vernünftigen und wirtschaftlichen Einklang zu bringen.“

Von den 241.000 Kunden der Dortmunder Volksbank sind rund 65 Prozent Anteilseigner. Durch die Verschmelzung mit Waltrop kommen rund 35.000 Mitglieder dazu. Eul: „Damit sind wir 190.000.“

Zu den Grundprinzipien der genossenschaftlichen Bank zählt auch soziales Engagement: 400.000 Euro gingen im vergangenen Jahr an Einrichtungen, Initiativen und Veranstaltungen der Bereiche Kunst, Kultur, Wissenschaft und Sport.

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