Dortmunderin (53): „Ich fühle mich zu keiner Tageszeit in den U-Bahnhöfen sicher“

mlzKriminalität

Eine ganze Reihe schwerer Straftaten wurde aus den Bahnhaltestellen Stadtgarten und Kampstraße bekannt. Viele Dortmunder fühlen sich dort unsicher. Das Vertrauen in das Personal ist gering.

Dortmund

, 17.02.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schläge ins Gesicht, Tritte in den Rücken, ein Überfall einer großen Gruppe und Bedrohungen mit einem Messer: Vier bemerkenswert schwere Straftaten sind innerhalb von vier Tagen (4. bis 8. Februar) an den größten Dortmunder Stadtbahn-Haltestellen geschehen.

Am Stadtgarten und an der Kampstraße sind die Fälle größtenteils mitten am Tag passiert. Eine 25-jährige Bochumerin ist außerdem am Samstagabend kurz nach 21 Uhr am Stadtgarten schwer verletzt worden. Um diese Zeit sind dort am Wochenende in der Regel auch noch jede Menge Menschen unterwegs.

Zwei Überfälle mittags kurz nach 13 Uhr

Polizei und Bahnbetreiber DSW21 teilen auf Anfrage mit: Wo viele Menschen unterwegs sind, gebe es auch mehr Kriminalität als an anderen Stellen. Von der Haltestelle Kampstraße fahren pro Wochentag rund 1500 Bahnen ab.

Doch wie kann es sein, dass eine Gruppe von acht bis neun Personen mittags um 13.20 Uhr einem 18-Jährigen mitten in der Innenstadt seine 200-Euro-Kopfhörer ungestört abnimmt? Nur wenige Minuten zuvor sind zwei Jugendliche dort an der Kampstraße zu Boden gestoßen und getreten worden. Wegen einer Kappe als Beute.

Hinzu kam noch ein Polizeinsatz, weil Schaulustige einen Rettungseinsatz am Stadtgarten behindert haben. Die Polizisten mussten den Einsatzort eines internistischen Notfalls absperren, damit die Sanitäter vernünftig arbeiten konnten. Liest man die Artikel zu diesen Fällen aus den vergangenen Tagen, kann man den Glauben an die Menschheit vollends verlieren.

„Ich fahre schon mit dem Auto zur Arbeit bis Bochum, weil ich mich an den Haltestellen unsicher fühle“, meint Larissa Dreker: „Insbesondere am Hauptbahnhof Dortmund und an der Kampstraße.“ Eine andere Dortmunderin stimmt zu: „Ich fühle mich zu keiner Tageszeit in den Bahnhöfen und Bahnen sicher.“

Die Sicherheitskräfte, die aktuell vor Ort eingesetzt sind, sorgen nicht dafür, dass sich die 53-Jährige besser fühlt. „Viele hängen gelangweilt rum oder spielen auf ihrem Handy. Qualifizierte Kräfte sind das bestimmt nicht“, meint sie.

Gruppe junger Menschen an der Kampstraße: „Dachte mir, dass die bestimmt keinen Spaß suchen“

„Bei meinen letzten Besuchen in der Innenstadt sind mir an der Station Kampstraße größere Gruppen Heranwachsender aufgefallen“, sagt auch Torsten Müller: „Da dachte ich mir schon, dass sie bestimmt keinen Spaß suchen.“ Seiner Ansicht nach helfe nur, solche Personen häufiger zu kontrollieren.

Andere Dortmunder berichten zum Beispiel von jeder Menge Drogendealer rund um die Haltestelle Leopoldstraße am Keuningpark. Eine Frau erzählt, dass sie vor und nach der Arbeit nur zusammen mit mindestens einer Kollegin an der Haltestelle Stadtgarten unterwegs ist.

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Auf unseren Aufruf zum Thema hat übrigens kein einziger von mehr als 10.000 Instagram-Abonnenten angegeben, kein Problem mit dem Sicherheitsgefühl an den Haltestellen zu haben.

Von der Polizei heißt es auf Anfrage: „Dem Aufkommen von Straftaten wird sowohl mit Streifenbeamten als auch durch zivile Beamten entgegengewirkt.“ Im Auftrag von DSW21 sind maximal 22 Sicherheitskräfte gleichzeitig im Bahnnetz unterwegs. Bei BVB-Heimspielen oder anderen Großveranstaltung seien es mehr.

„Falls nötig, können wir jederzeit verstärken“

Im Masterplan Kommunale Sicherheit, der nach jahrelanger Zusammenarbeit verschiedener Behörden im Herbst veröffentlicht wurde, ist zu lesen, dass Bahnhöfe genau wie dunkle Parkanlagen, einsame Wege oder Tunnel oft als sogenannte Angsträume gelten. Vor allem S-Bahnhöfe sind häufig dunkel und verlassen.

Bei einem Workshop zum Masterplan wurde unter anderem festgeschrieben, dass mehr Ansprechpersonen in Bahnen und Haltestellen für ein verbessertes Sicherheitsgefühl sorgen könnten. Von DSW21 heißt es: „Falls nötig, können wir Service- und Sicherheitskräfte jederzeit kurzfristig verstärken.“

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