Dortmunderin im Rollstuhl kann ohne Hilfe keine Pakete mehr abholen

mlzÄrger über DHL

Ein gelber Zettel von einem Paketlieferdienst wird für Bozena Triesethau (54) zur großen Herausforderung. Der Versandkonzern liefert der Rollstuhlfahrerin keine Hilfe.

Dortmund, Mitte

, 18.06.2020, 11:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Klingelt der DHL-Bote mit einem heiß ersehnten Paket, wenn niemand zu Hause ist, finden sich später gelbe Zettel im Briefkasten. Dann heißt es: Ab zur nächsten Postfiliale, um an das Paket zu kommen.

Vermutlich kennt jeder Dortmunder diese Prozedur und hat schon mal genervt gestöhnt, wenn wieder so ein Zettel im Briefkasten liegt, obwohl doch jemand zu Hause war oder sich die Wartezeit in der Filiale wie eine halbe Ewigkeit anfühlt.

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Paketabholung wird zur Herausforderung

Für die 54-jährige Bozena Triesethau wurde so ein gelber DHL-Zettel allerdings kürzlich zur Herausforderung. Sie wohnt in der City und musste ihr Paket in der Filiale im Gewerbegebiet an der Eisenacher Straße abholen. Das geht vielen Dortmundern aktuell so, die in der Innenstadt wohnen.

Das ist vor allem ärgerlich und verwirrend, wenn andere Postfilialen und Paketshops viel näher sind. Aber für die meisten Dortmunder bleibt es dabei.

Triesethau sitzt aber im Rollstuhl. Für sie ist es unmöglich, eigenständig zu der Filiale zu kommen. Die nächste U-Bahn-Haltestelle ist die Lippestraße. Von da sind es nochmal 800 Meter zu Fuß über nicht behindertengerechtes Terrain. Es gibt auch eine Bushaltestelle in der Nähe des DHL-Shops, aber auch das wäre für die Rollstuhlfahrerin eine Zumutung.

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„Ohne Hilfe kann ich die Pakete aus der Eisenacher Straße nicht abholen“, so Triesethau. Ein Helfer habe sie zwar unterstützt. Von DHL ist sie aber enttäuscht: „Die bieten keinen Service für Rollstuhlfahrer.“

Unbefriedigende Antwort von DHL

Auf eine Anfrage unserer Redaktion antwortet DHL nur mit Plattitüden. Warum so viele Dortmunder wie Bozena Triesethau aus der City jetzt zur Eisenacher Straße müssten, obwohl andere Filialen näher sind, erklärt der Versandkonzern nicht.

Die Zuordnung zur Eisenacher Straße hänge mit Lagerkapazitäten zusammen, aber auch die größtmögliche Kundennähe werde bedacht. In dem Fall von Triesethau befinden sich jedoch zum Beispiel Paketshops an der Straße Kuckelke, an der Lütge Brückstraße oder an der Kampstraße – letztere ist eine offizielle Postfiliale. Alles näher und deutlich einfacher mit dem Rollstuhl zu erreichen als die Filiale an der Eisenacher Straße.

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Menschen, die im Rollstuhl sitzen, können laut DHL eine Zweitzustellung beauftragen. Sonst verweist DHL noch auf die Möglichkeiten, Pakete zu Packstationen umleiten zu lassen oder eine Wunschfiliale anzugeben.

Die Erfahrung, dass das nicht immer so einfach funktioniert, hat vermutlich schon jeder DHL-Kunde gemacht. Rollstuhlfahrerin Triesethau kann nur hoffen, dass sie wieder unterstützt wird, wenn sie ein Paket an der Eisenacher Straße abholen muss.

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