Dortmunds ältestes Auto hat beide Weltkriege erlebt (mit Video)

mlzOldtimer

Der Dortmunder Holger Ahlefelder ist leidenschaftlicher Fan von Oldtimern. Er besitzt den ältesten in Dortmund angemeldeten Wagen - und hat filmreife Geschichten zu erzählen.

von Pascal Kornatz

Dortmund

, 19.02.2020, 08:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einer kleinen Seitenstraße im Dortmunder Osten steht in einer unscheinbaren Garage Dortmunds ältestes Auto. Es ist ein 102 Jahre alter Wanderer Typ 5/15 und sieht aus der Ferne eher wie eine Kutsche aus, mit den großen Speichenrädern.

Der Oldtimer gehört dem 72-jährigen Holger Ahlefelder. Seit 40 Jahren besitzt er den Wagen, bislang stand er jedoch die meiste Zeit still. Das soll sich jetzt ändern: Am Freitag (21.2.) bekommt der Wagen endlich seine Zulassung. Dann kann Holger Ahlefelder damit auch durch Dortmund fahren.

Einsatzwagen im Ersten Weltkrieg

Im Gegensatz zu Ahlefelder hat der Wagen alle Weltkriege mitbekommen und im Ersten Weltkrieg sogar aktiv mitgewirkt. Der Wagen wurde im Frühjahr 1918 in Chemnitz gebaut und benutzt, um Offiziere zu ihren Einsatzorten zu transportieren. Dafür hatte jeder Offizier seinen eigenen Fahrer.

Am Ende des Krieges hat der Fahrer von Ahlefelders Wanderer die Gunst der Stunde genutzt und das Auto in seine Scheune in Menden gefahren. Dort wurde er abgestellt und nicht mehr benutzt. Wie genau der Wagen es ins Sauerland geschafft hat, kann sich der Oldtimer-Liebhaber auch nicht erklären.

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50 Jahre lang stand der Wagen so anscheinend unbenutzt rum. Bis auf den Zahn der Zeit gab es an den Motoren kaum Verschleiß. Ahlefelder schätzt deswegen, dass der Wagen maximal 50.000 Kilometer gefahren ist, bis er ihn wieder auf Vordermann bringen konnte.

Den Wagen besitzt der Dortmunder nun schon seit über 40 Jahren. Damals zu einem Ankaufswert von 500 DM erstanden, hat Holger Ahlefelder mittlerweile viel Zeit, Geld und vor allem Detail-Liebe in das Auto gesteckt. Wie viel Geld seitdem in sein Lebensprojekt geflossen ist, kann und möchte der 72-jährige nicht sagen.

Motor, Lack, Schrauben und Interieur mussten überarbeitet oder komplett ersetzt werden. Dabei hat der Oldtimer-Liebhaber penibel darauf geachtet, so originalgetreu wie möglich zu arbeiten, um das Design des Wagens zu erhalten und um das beliebte H-Kennzeichen für historische Wagen zu bekommen. Bei einigen Arbeitsschritten hat Ahlefelder sogar selbst Hand angelegt, vieles aber auch Profis überlassen.

Einfach reinsetzen und losfahren geht aber nicht. Bevor Holger Ahlefelder sich auf eine Spritztour mit dem Wanderer begeben kann, muss er ihn aufwendig starten. Benzin einspritzen, ein paar Mal kurbeln und dann noch einmal mit richtig Schwung die Kurbel drehen. Dann kann es losgehen, doch mit dem historischen Motor kann Ahlefelder höchstens 60 km/h fahren. Auf die Autobahn kann er deswegen nicht.

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Dortmunds ältestes angemeldetes Auto

Holger Ahlefelder besitzt einen Wagen, der schon im Ersten Weltkrieg in Betrieb war. Hier zeigen wir Dortmunds Rekordauto.
18.02.2020
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So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze
So sieht das älteste in Dortmund angemeldete Auto aus.© Stephan Schuetze

Stattdessen fährt der Wagen nun Rallyes. Gern erinnert sich Ahlefelder an eine in Irland: Damals konnte er zwei Tage nicht mitfahren, da ihm seine Speichen am rechten Hinterrad gebrochen sind. Ein ganzes Rad zu reparieren schien unmöglich und die Tour vorzeitig beendet.

Der Rest dieser Geschichte klingt wie aus einem Film: Die Firma Liebherr hatte einen Standort direkt um die Ecke und einer der Mitarbeiter bat ihm Hilfe an. Einen Tag später stand das reparierte Rad an seiner Hotelrezeption. Es konnte also weitergehen.

Schnaufende Geräusche der Autos

Seit 50 Jahren interessiert sich Ahlefelder für Oldtimer und vertritt seine Leidenschaft als Präsident des Allgemeinen Schnauferl-Club ASC. Die vor 100 Jahren wegen ihrer Geräusche als Schnauferl umschriebenen Autos möchte Ahlefelder durch den Club erhalten, auch in Zeiten von Dieselskandalen und Klimawandel.

Zur Feier der Anmeldung treffen sich einige Mitglieder des Clubs am Freitag (21.2.) um 12 Uhr vor dem Aplerbecker Amtshaus. Dann bekommt der Wanderer Typ 5/15 seine neuen Kennzeichen.

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