Dortmunds Bibliothek würde gern sonntags öffnen

mlzStadt- und Landesbibliothek

Sonntags in die Bibliothek - das soll eine von CDU und FDP in NRW geplante Gesetzesänderung möglich machen. In Dortmund gibt‘s Zustimmung: Das Kundenverhalten habe sich stark geändert.

Dortmund

, 14.05.2019, 16:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Politik im Land findet, es sei nicht mehr zeitgemäß, dasss kommunale Bibliotheken im Gegensatz zu Museen, Theatern und anderen Kultureinrichtungen

an Sonn- und Feiertagen schließen müssen.

Die Öffnungszeiten seien gerade für Arbeitnehmer in Vollzeit wenig attraktiv sind. Berufstätigen Eltern bleibt in der Woche kaum Zeit, gemeinsam mit ihren Kindern eine Bibliothek zu besuchen. „Gerade an dem Tag, wo die gesamte Familie die Räumlichkeiten nutzen kann, haben die Bibliotheken bislang geschlossen“, erklärt Lorenz Deutsch, kulturpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, in einer Mitteilung zum Gesetzesentwurf von CDU und FDP, der die Sonntagsöffnung von Bibliotheken ermöglichen soll.

Der Leiter der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, Dr. Johannes Borbach-Jaene, der derzeit auch Vorsitzender des Verbandes der Bibliotheken des Landes NRW (vbnw) ist, begrüßt den Vorstoß. Grundsätzlich wäre eine Sonntagsöffnung der Zentralbibliothek in Dortmund wünschens- und überlegenswert, erklärt Borbach-Jaene.

Personelle Anpassungen nötig

Die Einschränkung: Um auch sonntags zumindest die Zentralblbliothek öffnen zu können, müssten die personellen und finanziellen Voraussetzungen geschaffen werden, merkt Borbach-Jaene an. Es müssten unter Beteiligung der Beschäftigten entsprechende Arbeitszeitmodelle entwickelt werden. „Mit einer schnellen Einführung der Sonntagsöffnung ist somit nicht zu rechnen“, ist der Dortmunder Bibliotheks-Chef überzeugt.

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Ein Wegfall des Verbotes der Sonntagsöffnung bietet aber die Möglichkeit, die Frage der Öffnungszeiten noch einmal neu in den Blick zu nehmen und entsprechend der Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden neu zu organisieren.

In der Tat hat sich das Kundenverhalten in den letzten Jahren stark verändert. Außer bei Kinder- und Jugendbüchern geht die klassische Buchausleihe seit Jahren zurück. 1,6 Millionen Ausleihen verzeichnete die Stadt- und Landesbibliothek im vergangenen Jahr - vor fünf Jahren waren es noch 2,2 Millionen. Dafür steigt die sogenannte „Onleihe“: 178.000 E-Book-Ausleihen wurden 2018 registriert.

Ort der Begegnung

Eine immer größere Rolle spielen elektronische Recherchemöglichkeiten, die die Bibliothek bietet, etwa die Suchmaschine Digibib plus. Und die werden oft vor Ort, in den Bibliotheken, genutzt,

Bibliotheken sind so in den vergangenen Jahren zu Treffpunkten geworden. Soziologen bezeichnen sie als sogenannte „dritte Orte“, im Unterschied zum privaten Raum und dem Platz zum Arbeiten oder Lernen. Hier finden Lesungen, Förderangebote, Workshops und viele andere Aktionen statt.

„Auch die Stadt- und Landesbibliothek in Dortmund wird seit vielen Jahren intensiv als Lern- und Arbeitsort genutzt“, berichtet Borbach-Jaene. „In unserer Bibliothek ist es eigentlich fast immer voll“ Gerade berufstätige Menschen nutzten die Gelegenheit zur Weiterbildung oder Information. Und dies sollte auch am Sonntag möglich sein.

Das gilt nicht zuletzt, weil die räumlichen Kapazitäten vor allem in der Zentralbibliothek ausgeschöpft sind. Die Plätze im Lesesaal und an den Bildschirmarbeitsplätzen werden oft knapp. Im vergangenen Jahr kam es immer wieder zu Engpässen. Auch hier könnte eine Ausweitung der Öffnungszeiten Abhilfe schaffen, ist Borbach-Jaene überzeugt.

Erfolgreicher Modellversuch

Der Deutsche Bibliotheksverband (DBV) macht sich seit Langem ebenfalls für eine

Sonntagsöffnung der Bibliotheken stark. Barbara Lison, Bundesvorsitzende des DBV und Leiterin der Stadtbibliothek in Bremen, hatte dort 2012/13 einen Modellversuch gestartet und an sechs Sonntagen öffnen können. Die Resonanz war hoch, sagt Lison. Sie begrüßt deshalb den NRW-Vorstoß. Sonntags zu öffnen, lohne sich, auch wenn die Personalkosten an dem Tag höher seien. In NRW befindet sich der Gesetzesentwurf zurzeit in der Beratung, ein konkreter Zeitplan liegt noch nicht vor.

Auch in den Stadtbezirken vertreten

Bibliothek mit elf Standorten

  • Die Stadt- und Landesbibliothek hat elf Standorte.
  • Neben der Zentralbibliothek am Max-von-der-Grün-Platz gegenüber vom Hauptbahnhof gibt es neun Stadtteilbibliotheken in den Stadtteilen. Dazu kommt das Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur „Jugendstil“ im Schulte-Witten-Haus in Dorstfeld.
  • Allein die Zentralbibliothek hatet 2018 gut 410.000 Besucher. Eine große Rolle spielen dabei auch Veranstaltungen wie Lesungen und Führungen.
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