Dortmunds einziger CDU-Bezirksbürgermeister Hans Semmler tritt 2020 nicht wieder an

mlzUmbruch in Hombruch

2020 tritt Bezirksbürgermeister Hans Semmler nicht mehr an. Das hat der 72-Jährige jetzt verkündet. Wir blicken auf seine politische Karriere, die eng mit seinem Privatleben verbunden ist.

Hombruch

, 01.04.2019, 17:05 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die politische Laufbahn des Hombrucher Bezirksbürgermeister Hans Semmler hätte tragischer nicht beginnen können, nämlich mit dem Verlust seines Vaters. Da war Hans Semmler gerade mal 21. Sein Vater ist 1967 ist an der Zillestraße, am Übergang von der Egerstraße zur Leitmeritzstraße, von einem Auto überfahren worden und ist dabei tödlich verunglückt.

Semmler war seinerzeit bereits CDU-Mitglied, hatte jedoch kein politisches Amt inne. Er setzte sich dennoch für eine Ampel an der Unglücksstelle ein- mit Erfolg. „Seitdem die Ampel dort steht, ist nie wieder was passiert“, sagt Semmler zufrieden. Rückblickend ist sich der gebürtige Renninghauser sicher: „Das war ein Schlüsselerlebnis“. Seitdem ist er ein aktiverer Politiker geworden. Und das, obwohl sein Elternhaus „total unpolitisch“ war, wie er selbst sagt.

Hans Semmlers politische Laufbahn

Mit 40 Jahren Mandatstätigkeit ist Semmler mittlerweile dienstältestes Mitglied eines parlamentarischen Gremiums in Dortmund. 1979 wurde er erstmals für die CDU in die Hombrucher Bezirksvertretung (BV) gewählt und war bis 1984 stellvertretender Fraktionssprecher. In den nächsten zehn Jahren war er stellvertretender Bezirksbürgermeister und von 1994 bis 2004 ist er erstmals zum Bezirksbürgermeister in Hombruch gewählt worden.

Von 2004 bis 2009 musste sich Semmler mit dem Stellvertreterposten zufriedengeben, während der SPD-Politiker Ulrich Steinmann das Amt des Bezirksbürgermeisters übernahm. Mit der Kommunalwahl 2009 gewann Semmler das Amt zurück, für das er sich nun im nächsten Jahr nicht wieder zur Wahl stellt. „Wenn es nach dem Herzen ginge, würde ich gerne weiter machen, aber 40 Jahre sind genug“, sagt Semmler mit Blick auf die Herausforderungen als Bezirksbürgermeister. „Sie müssen immer für Bürger und Verwaltung ansprechbar sein. „Es soll nun ruhiger werden“, sagt Semmler. Etwas Erleichterung klingt da mit durch.

Als ehemaliger Brauer und Mälzer ist Hans Semmler bei Fassanstichen voll in seinem Element.

Als ehemaliger Brauer und Mälzer ist Hans Semmler bei Fassanstichen voll in seinem Element. © (A) Klinke

Semmler freut sich darauf, seinen Terminkalender an die Seite zu legen und weniger Verpflichtungen zu haben. Er macht sich keine Sorge darüber, wie er die Tage verbringen wird. „Die Hauptsache ist mehr Ruhe, um vielleicht mal Fernsehen zu gucken und mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Was ich vermissen werde, ist der Fassbieranstich bei Festen“, sagt der ehemalige Brauer und Mälzer. Ganz klar, bei solchen Gelegenheiten war und ist der 72-Jährige in seinem Element. 37 Jahre arbeitete er vor allem bei der Kronenbrauerei, zuletzt bei der Dortmunder Actien-Brauerei (DAB). Mit 60 Jahren ging er dort 2006 in Frührente. „Das war eine körperlich sehr anstrengende Arbeit. Wir haben im Kronenturm von Etage zu Etage Schläuche geschleppt. Oder in der Fasshalle musste man sich am Tage mehrere hundert Male bücken, um die Fässer fester zuzuschraubend“, erzählt Semmler.

Hans Semmlers Motivation für die Politik

Der Politik ist der heute 72-jährige jedoch treu geblieben. Er investiert um die 150 Stunden im Monat für sein Mandat und erhält dafür eine Aufwandsentschädigung von 750 Euro.

„Ich mache es nicht wegen des Geldes, sondern habe Spaß daran Menschen zu helfen und mitzugestalten. Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, sei es in Parteien oder Vereinen. Demokratie lebt davon nicht nur zu meckern, sondern auch etwas zu tun“, sagt Semmler überzeugt.

Bürgernähe ist Hans Semmler wichtig. Wenn gefeiert wird, ist er fast immer mittendrin - wie hier 2017 beim Aufziehen des Frühlingskranzes am „Wappenschmuckbaum“, als er Käfer aus Schokolade an Kinder verteilte.

Bürgernähe ist Hans Semmler wichtig. Wenn gefeiert wird, ist er fast immer mittendrin - wie hier 2017 beim Aufziehen des Frühlingskranzes am „Wappenschmuckbaum“, als er Käfer aus Schokolade an Kinder verteilte. © (A) Klinke

Ohne die Stimmen der Grünen wäre 2009 seine Wahl zum Bezirksbürgermeister nicht möglich gewesen. Während auf Bundesebene eine schwarz-grüne Koalition noch kontrovers diskutiert wird, ist die Kooperation zwischen den beiden Parteien in Hombruch seit zehn Jahren gelebte Realität.

„Da ich keinen Führerschein habe, stehe ich den Grünen in dem Punkt nahe“, sagt Semmler scherzhaft. Er ist der einzige CDU-Bezirksbürgermeister in Dortmund - und wohl auch der einzige ohne Führerschein. Aber das Autofahren vermisst er nicht. „Bis jetzt bin ich noch überall hingekommen“, sagt Hans Semmler. In Hombruch, wo er an der Steinäckerstraße wohnt, sei die Anbindung an der Nahverkehr auch sehr gut. „Und außerdem laufe ich auch ganz gerne“, so Semmler.

Erfolge und Fehler von Hans Semmler

Der Erhalt des Notarztwagens im Marien-Hospital vor 25 Jahren ist für Semmler einer seiner größten Erfolge als aktiver Politiker. Außerdem sei ihm ein guter Kontakt zu den lokalen Akteuren, wie Schulen und Vereinen ein Anliegen. „Der nahe Kontakt zum Bürger ist mir wichtig. In den 40 Jahren als aktiver Politiker, hat sich niemand beschwert, dass ich ihm keine Beachtung geschenkt habe“, sagt er.

An große Fehler kann sich Semmler nach kurzer Überlegung nicht erinnern. Wenig später fällt ihm der Hubschrauberabsturz während der Jugendmesse YOU 1996 in der Bittermark ein, bei dem 13 Menschen gestorben sind. „Die Gedenkstätte war im Laufe der Jahre überwuchert. Das hatte damals niemand auf dem Schirm“, sagt Semmler selbstkritisch. Er habe sich dann dafür eingesetzt, dass man das Denkmal würdig erhält.

Semmler kann Kooperation und Konfrontation

Seinen Politikstil beschreibt Semmler als kooperativ und stellt als Stärke seine Vermittlungsfähigkeit heraus. Dabei denkt er vor allem an die fünf Einwohnerversammlungen während der sogenannten Flüchtlingskrise, an denen weit über 1000 Menschen teilgenommen haben. „Wir haben Bürger regelmäßig informiert und gemeinsam die Flüchtlingsunterkünfte in der Mergelteichstraße besucht“, erinnert sich der Bezirksbürgermeister zurück.

Semmler beherrscht jedoch auch die Konfrontation und lässt es manchmal drauf ankommen. Erst kürzlich hat die Stadt-Verwaltung signalisiert, Beschlüsse zur Beseitigung des Taubenkots von der CDU nicht umzusetzen, weil sie nicht gesetzeskonform seien. Trotzdem hat die BV den Antrag der CDU einstimmig beschlossen. Der Ausgang ist offen.

Hans Semmler nimmt die Politik mit nach Hause

Hans Semmler ist jedoch nicht nur Bezirksbürgermeister, sonder auch Ehemann, Vater und zweifacher Großvater. Er ist seit 47 Jahren mit seiner Frau Christel verheiratet, die er 1971 am Heiligabend heiratete. Zusammen haben sie einen Sohn namens Christian und zwei die Enkeltöchter Nele und Ruby.

Die Politik macht vor Semmlers Haustür nicht halt. Auch am Essenstisch gehe es gelegentlich um die öffentlichen Angelegenheiten. „Die Familie beklagt sich schon manchmal, dass ich viel Zeit in die Politik investiere, aber es ist kein Ärgernis“, sagt Semmler. Er ist eben kein Rentner und Großvater, wie man sie aus den Kinderbüchern kennt.

Er wünscht sich manchmal mehr Zeit mit der Familie, „aber wenn man nach mir ruft, als Repräsentant des Stadtbezirks, dann nehme ich das zu 99 Prozent wahr, sei es am Wochenende und teilweise sonntagabends. Ich sage nur ab, wenn ich im Krankenhaus liege oder auf Reha bin“, so geschehen in den Jahren 2017 und 2018, als er zwei neue Hüftgelenke aufgrund seines körperlich anstrengenden Arbeitslebens erhalten hat.

Einmal in der Woche steht Politik im Abseits

90 Minuten in der Woche steht Politik im Hause Semmler jedoch im Abseits - und zwar dann, wenn der BVB spielt. Zusammen mit befreundeten Ehepaaren schauen sie sich die Partien an. Dabei trägt Semmler ein BVB-Trikot mit der Aufschrift „Opa 70“, das ihm seine Familie zum runden Geburtstag geschenkt hat. „Letzte Woche habe ich Blut und Wasser geschwitzt“, sagt Semmler mit Blick auf einen knappen Bundesligasieg.

Von solchen Tagen, in denen Politik keine Rolle spielt, wird es für Hans Semmler schon bald mehr geben. Bei der nächsten Wahl für die BV wird Hans Semmler nicht erneut antreten, doch diese Entscheidung fällt ihm trotz seinen 74 Jahren nicht leicht.

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