Dortmunds erste Gesamtschule ist seit 50 Jahren ein Experimentierfeld

mlzGesamtschule Scharnhorst

Zusammenhalt, Integration, neue Lernmethoden - für all dies steht die Gesamtschule Scharnhorst, die erste in Dortmund. Zum 50-jährigen Bestehen schauten die Akteure zurück und nach vorn.

Scharnhorst

, 19.09.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das sei ja wie ein Klassentreffen hier, befand Moderatorin Steffi Strecker (Radio 91.2) beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Gesamtschule Scharnhorst in der gut gefüllten Aula. Gar nicht leicht sei es gewesen, die Leute von den Stehtischen nebenan hierher zu bekommen, so viel hätten sie sich zu erzählen. Knapp die Hälfte des Publikums hatten eine direkte Verbindung zur Schule als aktive oder ehemalige Lehrer beziehungsweise Schüler.

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Einer der ehemaligen Schüler ist Simon Federlein (26), der einen zehnminütigen Film über die Schule gedreht hat, der in einer Kurzfassung gezeigt wurde. Darin interviewt er Lehrer, Schüler und Ehemalige. Gedreht hat er drei Tage an der Schule und einen Tag in Scharnhorst. Seine Familie ist eng mit der Gesamtschule am Mackenrothweg verbunden: „Bereits meine Eltern sind hier zur Schule gegangen, und mein Opa war hier Lehrer“, erzählt er.

Dortmunds erste Gesamtschule ist seit 50 Jahren ein Experimentierfeld

Der frühere Schüler Simon Federlein hat einen Film mit Interviews zum Jubiläum gedreht. © Uwe Brodersen

Nach dem Abitur studierte Simon Federlein Film und Sound an der Fachhochschule Dortmund, ist jetzt freiberuflicher Filmschaffender. Er hat Kurzfilme, zum Beispiel romantische Dramen und Mystery-Filme, gedreht. Es sei nicht leicht, sich in diesem Beruf durchzuschlagen. Da müsse man ganz verschiedene Aufträge annehmen, so habe er etwa auch ein Produktvideo für einen Handyverkäufer produziert.

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Junge Menschen möglichst gut aufs Berufsleben vorbereiten - das ist natürlich auch das Ziel der Gesamtschule Scharnhorst, und dafür hat die erste Gesamtschule Dortmunds oft neue Wege beschritten. „Das waren schon wilde Zeiten damals“, erinnerte sich Bezirksbürgermeister Heinz Pasterny (SPD) in einer Gesprächsrunde. Die von der 68er-Generation geprägte Lehrerschaft hatte sich von Anfang an die Chancengleichheit auf die Fahne geschrieben. Die Herkunft der Kinder sollte für die Bildungsabschlüsse keine Rolle spielen, machte der frühere Schulleiter Heinrich Jost deutlich.

Neuausrichtung und Unesco-Engagement

Er habe eine tolle Schulzeit und im Abitur viel weniger Stress als seine Freunde auf dem Gymnasium gehabt, berichtete der ehemalige Schüler Mike Kollenda. Richtig sei es, Schülern, die das Lernziel im Moment verfehlten, zu sagen „Du schaffst es noch nicht“, erläuterte Regina Nizamogullari (ehemalige Didaktische Leiterin). Und für manche Schüler sei es gut, mitunter die Anforderungen zu senken. Die Gesamtschulen boomten in NRW, zehn seien für Dortmund noch nicht genug, meinte Burkhard Koller von der Bezirksregierung Arnsberg.

Dortmunds erste Gesamtschule ist seit 50 Jahren ein Experimentierfeld

Kleine Theatereinlagen von Schülerinnen lockerten das Programm des Festaktes auf. © Uwe Brodersen

Die Schule neu ausrichten und auch für Schüler mit Gymnasialempfehlung attraktiv machen will Schulleiter Nadim Al-Madani. Dies werde unter anderem mit dem Unesco-Engagement der Schule und dem „dynamischen Kollegium“ gelingen, ist er zuversichtlich.

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