Dortmunds Flughafen stand kurz vor dem Ziel - und wird wieder um Längen zurückgeworfen

Coronakrise

Der Höhenflug ist gestoppt: Nach Jahren des Aufwärtstrends sind die Fluggastzahlen am Dortmunder Airport auf ganzer Linie eingebrochen. Die wirtschaftlichen Folgen könnten dramatisch sein.

Dortmund

, 27.03.2020, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Flughafen leidet unter den Auswirkungen der Corona-Krise.

Der Flughafen leidet unter den Auswirkungen der Corona-Krise. © Hans Blossey

Die Gepäckbänder stehen still, das Terminal ist leer: Die Coronakrise stürzt auch Dortmunds Flughafen in Turbulenzen. Am Donnerstag (26.3.) landete und startete eine einzige Maschine (Wizz Air nach Sofia) - normalerweise sind es gut 40. Noch 2019 meldete Dortmunds Flughafen das größte Passagierwachstum aller deutschen Airports: Die Zahlen waren um 19,1 Prozent auf gut 2,7 Millionen Fluggäste gestiegen. Neuer Rekord.

Die Zahlen klingen wie aus vergangenen Zeiten. Aktuell wurden vom 1. bis 23. März 2020 gut 91.900 Passagiere gezählt. Im Vorjahr waren es zur selben Zeit mehr als 147.000. Das ist ein Rückgang um 37,5 Prozent.

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Klar ist: Je länger die Krise dauert, desto größer die wirtschaftlichen Turbulenzen. Viele Möglichkeiten sieht Flughafenchef Udo Mager nicht. „Wir müssen zurzeit auf Sicht planen.“ Je geringer der Flugverkehr, desto geringer die Einnahmen aus Start- und Landegebühren oder aus Bereichen wie dem Parken. „Wir können nur an der Kostenschraube drehen und versuchen, den Aufwand so gering wie möglich zu halten“, sagt Mager.

Betriebsergebnis wird sich wohl wieder verschlechtern

Rund 440 Mitarbeiter (inklusive Teilzeit- und Aushilfskräfte) sind am Airport beschäftigt. Einige bauen derzeit Überstunden und Resturlaub ab, kümmern sich um Grün- und Fahrzeugpflege oder übernehmen Wartungsarbeiten. Kurzarbeit hat der Airport nicht angemeldet. Am Freitag (27.3.) sagte DSW21-Vorstand Guntram Pehlke jedoch, dies werde sich wohl nicht vermeiden lassen. Hilfen des Bundes seien zudem zwingend notwendig.

Was Mager besonders ärgert: Der Dortmunder Flughafen war auf dem besten Weg, vorzeitig die Zielmarke der EU-Kommission zu erreichen. Bis Ende 2023, so lauten die Vorgaben aus Brüssel, müssen alle defizitären Flughäfen ein mindestens ausgeglichenes Betriebsergebnis vorlegen können.

Dortmunds Airport hat seine Zahlen Jahr für Jahr verbessert. Ende 2019 war der Flughafen gerade noch 380 000 Euro von der „schwarzen Null“ im Betriebsergebnis entfernt, das EU-Ziel damit zum Greifen nah. Die Coronakrise könnte den Flughafen nun deutlich zurückwerfen, das Betriebsergebnis und auch das Gesamtergebnis (minus 10,4 Millionen Euro) wieder verschlechtern.

Brüssel soll EU-Leitlinien für Flughäfen aussetzen

„Die wirtschaftlichen Konsequenzen werden gravierend sein“, ahnt Mager. „Wir werden wie viele andere Flughäfen vor außerordentlichen Herausforderungen stehen.“ Muss die EU die Vorgaben jetzt überdenken und Airports mehr Zeit gewähren, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen? Mager würde sich das wünschen. „Unsere Verbände haben den Bund gebeten, sich bei der EU-Kommission für eine Aussetzung der Flughafenleitlinien stark zu machen.“

Zunehmend verärgert zeigt sich der Flughafenchef, dass der Bund die Kosten für die Flugsicherung noch immer nicht erstattet hat. „Wir warten auf 1,6 Millionen Euro“, sagt Mager. Die Übernahme dieser Kosten sei 2019 vom Bundestag im Zuge der Haushaltsberatungen beschlossen worden.

Airport wartet noch auf 1,6 Millionen Euro

In der Coronakrise sei es aktuell gelungen, innerhalb eines Tages milliardenschwere Hilfspakete auf den Weg zu bringen, sagt der Flughafenchef. Ihm sei ein Rätsel, warum die Bürokratie es nicht schaffe, den Beschluss des Bundestages umzusetzen und die seit Jahren geforderten Mittel für die Flugsicherung ebenfalls zu überweisen, so Mager. „Das Geld muss jetzt kommen.“

Selbst wenn die Beschränkungen durch die Coronakrise bald wieder gelockert werden könnten - der Schaden ist da. Für den Flughafenchef ist absehbar, „dass wir 2020 hinterm Vorjahresergebnis bleiben werden“. Getragen werden die Verluste von den Dortmunder Stadtwerken (DSW21), mit 76 Prozent Mehrheitseigentümer des Airports. Den Flughafen während der Coronakrise zu schließen, geht nicht: Er unterliegt der Betriebspflicht.

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