Die Bänke auf dem Wilhelmplatz sind zurück. Sie erstrahlen jetzt in Regenbogenfarben. © Lukas Wittland
Wilhelmplatz

Dortmunds Neonazis müssen jetzt auf Anti-Rassismus-Bänken sitzen

Die Bänke auf dem Wilhelmplatz in Dorstfeld ist ein beliebter Treffpunkt von Dortmunds Neonazi-Szene. Anfang August wurden sie abgebaut. Jetzt sind die Bänke zurück - mit klaren Botschaften.

Der Wilhelmplatz in Dorstfeld ist bekannt für die Präsenz von Dortmunder Neonazis. Mitglieder der rechtsextremen Szene sitzen immer wieder auf den Bänken des Platzes. Als sie Anfang August abgebaut wurden, wüteten die Rechtsextremen im Internet.

Seit Donnerstagmorgen (23.9.) sind die Bänke zurück auf dem Wilhelmplatz. Ihr neues Aussehen wird den Neonazis aber gewiss nicht gefallen.

Die bunten Bänke sollen ein Symbol für eine offene Gesellschaft sein.
Die bunten Bänke auf dem Wilhelmplatz sollen ein Symbol für eine offene Gesellschaft sein. © Lukas Wittland © Lukas Wittland

Verschiedene Vereine und Initiativen hatten sich an der Aktion beteiligt und Vorschläge für Sprüche auf den nun bunt lackierten Bänken gemacht. So steht auf den fünf Bänken unter anderem: „Kein Platz für Rassist*innen“ und „Rosen sind rot, Veilchen sind blau. Rassismus ist blöd. Offenheit schlau.“

Bank mit Namen der Opfer des NSU

Eine der Bänke ist den Opfern der rechtsextremen terroristischen Vereinigung NSU gewidmet. Auf ihr sind neben dem Namen des Dortmunders Mehmet Kubaşık auch die der anderen neun Menschen zu lesen, die zwischen 2000 und 2007 von den Neonazis ermordet worden sind.

Junge Menschen zwischen 16 und 23 Jahren haben die Bänke in der Jugendwerkstatt der AWO/Dobeq in den vergangenen Wochen aufgearbeitet und lackiert. Dabei hätten sie auch über die Ermordeten gesprochen, sagt Theaterpädagogin Laura Gebauer, die die Umgestaltung begleitet hat.

„Es ist wichtig, an diese Orte zu gehen und sich nicht einschüchtern zu lassen“, findet sie. Auch am Donnerstag versuchten das Mitglieder der rechten Szene, indem sie am Projekt Beteiligte fotografierten. Die Polizei schützte den Aufbau.

„Wir zeigen, dass Dorstfeld weltoffen ist“

„Wir wollen aus Dorstfeld heraus ein Statement gegen Rassismus und für Vielfalt und Toleranz abgeben“, sagt Manfred Kossack, Sonderbeauftragter der Stadt Dortmund für Vielfalt, Toleranz und Demokratie.

Mitglieder der rechten Szene hatten sich während des Aufbaus am Rande des Wilhelmplatzes versammelt. Die Polizei schützte den Bereich.
Mitglieder der rechten Szene hatten sich während des Aufbaus am Rande des Wilhelmplatzes versammelt. Die Polizei schützte den Bereich. © Lukas Wittland © Lukas Wittland

„Wir zeigen, dass Dorstfeld weltoffen ist“, ergänzt Bezirksbürgermeister Ralf Stolze. „Die Dorstfelder brauchen an diesem Ort keine Angst vor Rechtsextremen haben. Die Bürger sollen dazu beitragen, dass dieser Platz belebt wird und man sich hier wohlfühlt.“ Deshalb sei es auch wichtig gewesen, die Bürger an diesem Projekt zu beteiligen.

Vandalismus vorbeugen

Um Beschädigungen vorzubeugen, sind die Sprüche auf den Bänken lackiert und nicht geklebt worden. „Wir versuchen mit den Bänken so normal wie möglich umzugehen. Natürlich wird es auch Vandalismus geben, aber wir gehen davon aus, dass es auf diesem kontrollierten Platz leichter im Blick zu behalten ist“, sagt Ralf Stolze.

In den letzten Monaten habe sich immer wieder gezeigt, dass der Mythos des vermeintlichen „Nazi-Kiez“ nicht aufrechterhalten werden könne, unterstreicht Viviane Dörne vom an der Aktion beteiligten Projekt „Quartiersdemokraten“. „Die Dorstfelder Zivilgesellschaft macht deutlich, dass der Wilhelmplatz kein Ort für Neonazis ist.“

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Als gebürtiger Dortmunder bin ich großer Fan der ehrlich-direkten Ruhrpott-Mentalität. Nach meinem journalistischen Start in der Dortmunder Stadtredaktion, schreibe ich mich gerade als Volontär durch die Redaktionen in der Region.
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Lukas Wittland

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