Dortmunds traurigster Schulhof – und welche Rolle die Stadt spielt

mlzSchulen in Dortmund

„Wellnessoase“ nennt Hubert Mittler zynisch das, was sich hinter seiner Schule ausbreitet. Dass hier Schüler Pause machen müssen, findet er unzumutbar.

Aplerbeck

, 19.12.2019, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Schulhof sollte gewissen pädagogischen Ansprüche gerecht werden. Er soll ein Gegenpol zum Unterricht sein und Möglichkeit zum Runterkommen bieten – ein angenehmer Aufenthaltsort eben. Wenn es gut läuft, setzen sich Schüler, Lehrer und Schulleitung an einen Tisch und versuchen, den Pausenhof nach ihren Vorstellungen zu gestalten.

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Das war auch die Idee von Hubert Mittler, als er sich mit den Schülersprechern zusammensetzte und überlegte, was man aus der kahlen Fläche hinter der Aplerbecker Hauptschule machen könnte. Es sollte nicht einmal etwas Aufwendiges sein. Nur ein paar Bänke, damit sich die Schüler in den Pausen zumindest hinsetzen können.

Dortmunds traurigster Schulhof – und welche Rolle die Stadt spielt

Der Schulleiter Hubert Mittler schaut auf den leeren, grauen Schulhof. © Jörg Bauerfeld

Denn das geht im Moment nur auf dem blanken Asphalt. Diese Fläche, die sich Schulhof schimpft, hat nämlich nichts – gar nichts. Kein Spielgerät, keine Bänke und vor allem keinen pädagogischen Nutzen.

Das möchte Hubert Mittler gerne ändern, scheint aber bei der Stadt Dortmund auf Granit zu stoßen. Seit 10 Jahren ist er an der Emscherschule tätig. Fünf Jahre als Konrektor, seit 2014 als Schulleiter. „Seit dem versuche ich, diese Fläche schöner zu gestalten“, sagt Mittler. Auch in unserem großen RN-Schulcheck im Oktober war die traurige Gestaltung des Schulhofs schon Thema.

Schon vor Jahren gab es erste Pläne

„Wir haben uns dann mit dem Schulträger der Stadt Dortmund zusammengesetzt“, sagt Mittler. 2015 sei das gewesen. Was dann aber passierte war, so Mittler, eine reine Katastrophe.

„Ich möchte hier nicht den Namen der städtischen Mitarbeiterin nennen, aber das war nur ein Hin und Her und es passierte nichts. Die Schülern, denen ich die Bänke versprochen habe, werden bald ausgeschult“, so der Schulleiter.

„Mit der Mitarbeiterin gab es damals eine Begehung, es gab einen genauen Plan, wo die Bänke hinkommen und wo ein grünes Klassenzimmer entstehen sollte.“

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„Es war alles in trockenen Tüchern“, sagt Mittler – dachte er zumindest. Nach mehrmaligem Nachhaken kam heraus, dass plötzlich jemand anderes zuständig war. Zudem waren die alten Pläne nicht mehr auffindbar. „Ich muss sagen, dass die Zusammenarbeit jetzt sehr gut ist, nur haben wir zwei, drei Jahre verloren“, sagt Mittler. Den Grund dafür kenne er nicht.

Bezirksvertretung Aplerbeck setzt sich ein

Auch die Bezirksvertretung in Aplerbeck hat von dem Vorgang Wind bekommen und will nun alles daran setzen, das Aufstellen der Bänke auf dem kargen Schulhof der Emschertalschule zu beschleunigen.

Dortmunds traurigster Schulhof – und welche Rolle die Stadt spielt

Auf dem Schulhof schein alles anders. Auch ein öffentlicher Radweg führt über das Gelände -auch während der Schulzeit. © Jörg Bauerfeld

„Es hat eine neue Begehung geben, ein neuer Plan wurde gemacht, wieder festgelegt, wo die Sachen hinkommen. Die Feuerwehrzufahrt ist auch geklärt und jetzt soll es zeitnah etwas werden, mit den Bänken“, so Hubert Mittler.

Das sagt die Stadt Dortmund zu dem Fall

Und was sagt die Stadt Dortmund dazu? Die hat eine ganz andere Sicht auf die Dinge: „Im Tiefbauamt liegt der konkrete Planungsauftrag des Schulverwaltungsamtes seit März 2019 vor. Den ersten Kontakt hat es kaum ein Jahr zuvor gegeben“, sagt Christian Schön, Pressesprecher der Stadt Dortmund.

„Inhalt des Auftrags ist die Schaffung eines Unterstands mit Sitzmöglichkeiten. Die Bänke müssen ausgeschrieben und beschafft werden. Sobald die neuen Bänke da sind, kann es losgehen. Für 2020 steht die Maßnahme im Jahresarbeitsprogramm.“

Bis dahin müssen sich die Schülerinnen und Schüler in Aplerbeck noch ein wenig gedulden – auf dem Asphaltboden sitzend.

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