Dortmunds vergessene Menschen: Bescherung für einsame Heimbewohner

mlzBesondere Geschenkaktion

Kleine Geste, große Wirkung: 68 Heimbewohner in Dortmund, die keine Angehörigen mehr haben, werden trotzdem beschenkt. Ihre Wünsche auf dem Wunschzettel gehen unter die Haut.

Lütgendortmund

, 21.12.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Soziale Projekte und Spendenaktionen – in der Vorweihnachtszeit haben sie Hochkonjunktur. Obdachlose, Flüchtlinge, Tafel-Kunden, sie alle werden bedacht. Was gut und wichtig ist.

Aber: „Niemand denkt an die alten Menschen, die einsam sind. Alte Menschen haben keine Lobby“, sagt Ulrike Kulp von der Katholischen St.-Magdalena-Kirchengemeinde in Lütgendortmund.

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Deshalb habe sich der Gemeindeausschuss für sie eine besondere Geschenkaktion ausgedacht: „Wir erfüllen die Wünsche von Heimbewohnern, die keine Angehörigen haben, die nicht besucht und beschenkt werden“, berichtet Ulrike Kulp. Die anonymisierten Wunschlisten habe man über die Heimleitungen der umliegenden Seniorenheime erhalten.

68 liebevoll und detailreich verpackte Pakete in der Krippe

Die Idee sei auch im zweiten Jahr auf große Resonanz innerhalb der Gemeinde gestoßen. „Die Wunschzettel hat man uns fast aus den Händen gerissen“, so Kulp. 68 liebevoll und detailreich verpackte Geschenke haben die Spender im Laufe der Adventszeit für einsame Bewohner des Wohn- und Pflegezentrums St. Barbara und des DRK-Altenzentrums in der Kirche abgegeben.

„Normalerweise wird ja erst an Heiligabend die Krippe aufgebaut. Für unsere Aktion steht aber schon seit Beginn der Adventszeit der Stall, in den man die Pakete hineinlegen konnte“, so Ulrike Kulp.

Jedes Paket ist mit einer Nummer versehen, damit es den korrekten Empfänger erreicht. Denn aus rechtlichen Gründen wurden nur Geschlecht und Alter, aber keine Namen genannt.

Dortmunds vergessene Menschen: Bescherung für einsame Heimbewohner

68 liebevoll verpackte Geschenke liegen in der Krippe am Altar der St.-Magdalena-Kirche. © Beate Dönnewald

„Die Bewohner haben wirklich nette Wünsche“, berichtet Ulrike Kulp. Wünsche, die zum Teil unter die Haut gehen. Ein Herr hätte gerne ein großes Bild, damit er nicht immer auf eine leere Wand blicken muss. Eine Dame wünscht sich eine Puppe, vielleicht in Erinnerung an ihre Kindheit, eine andere warme Bettwäsche, in die sie sich hineinkuscheln kann.

90-Jährige wünscht sich pinkfarbenen Nagellack

„Auch ein Mobile, eine Modekette, eine Handtasche, Stofftiere, Halstücher, Nackenrollen und Kissen standen auf den Wunschzetteln“, erzählt Ulrike Kulp. Mitinitiatorin Ilona Adam erinnert sich an einen besonderen Wunsch aus dem vergangenen Jahr: „Eine 90-Jährige hat sich pinkfarbenen Nagellack gewünscht.“

Pflegepersonal verteilt die Geschenke

In großen Wäschekörben haben die Frauen die Geschenke mittlerweile in die beiden Seniorenheime gebracht. Das Pflegepersonal wird sie während der Weihnachtsfeiern auf den einzelnen Stationen verteilen – und anschließend über diese Momente berichten.

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„Ihre Schilderungen über die Freude der alten Menschen ist für uns ein großer Ansporn“, so Kulp. Im nächsten Jahr werde man die Aktion also fortsetzen – gerne mit weiteren Seniorenheimen.

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