Dortmunds Wald beginnt zu sterben

mlzKlimastress

In Dortmunds Wald sind erste ernste Auswirkungen des Klimawandels zu sehen. Das Fatale: Es sterben ausgerechnet Bäume, auf die Experten eigentlich gesetzt hatten, um den Forst zu retten.

Dortmund

, 26.07.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Dortmund ist dieses Klimaphänomen neu: „Bei uns fängt jetzt zart an, was in anderen Regionen in Deutschland schon zum großen Problem wird“, sagt Stadtförster Sebastian Vetter. Zu beobachten ist die perspektivisch fatale Auswirkung des Klimawandels zum Beispiel im Niederhofener Holz.

Man kann es dort an den Buchenstämmen erkennen, genauer an den kleinen tropfenförmigen Flecken rund um die kreisrunden, winzigen Einbohrlöcher. Mit dieser „Saftschwemme“ wehren sich die Bäume gegen die Eroberungsversuche des Buchenborkenkäfers. Allerdings nicht immer mit Erfolg. Die Folge: Die Bäume verlieren Blätter in der Krone, Äste sterben ab. Die ersten Buchen im Niederhofener Holz sind schon gefällt oder zum Fällen markiert.

Dortmunds Wald beginnt zu sterben

Wie Tropfen sehen die Schleimflussflecken an der Buchenrinde aus, die der Baum rund um die 1 Millimeter großen Einbohrlöcher des Buchenborkenkäfers produziert. © © Schaper

Brot- und Butterbaum gegen den Klimawandel

Dabei gilt die Buche als „Brot- und Butterbaum“ gegen den Klimawandel, sagt Stadtförster Vetter. Die Buche macht inzwischen mehr als ein Drittel des Baumbestands in Dortmunds Stadtwäldern aus. Dort wurden Buchen unter anderem als Ersatz für Fichten gepflanzt. Auch das Absterben von Fichten geht auf das Konto des Borkenkäfers. Vetter: „Im Fichtenbestand gibt es ein großes Problem, doch absolut ist es für den Stadtwald keines.“ Denn Fichten gibt es hier noch zu 1,8 Prozent.

Nun also auch die Buchen. Bei anhaltender Trockenheit reagiert der Baum, in dem er die Spaltblätter schließt und die Fotosynthese (Umwandlung von einfachem Kohlenstoffdioxid in energiereiche Verbindungen) zurückfährt. Trotzdem geraten selbst Buchen so in Stress, dass Schadparasiten den Baum angreifen können. An klimagestressten Buchen frisst häufig auch noch neben dem Buchenborkenkäfer der Buchenprachtkäfer mit. Gesellschaftsfraß nennt man das.

Jetzt lesen

Befall wird aktuell ermittelt

Die Schwächeparasiten werden vor allem in Wäldern mit Lücken und an sonnigen Waldrändern zum Problem. Normalerweise nistet sich der Buchenborkenkäfer in absterbenden Ästen oder bereits gefällten Buchenstämmen ein. Nach Trockenjahren kann er sich jedoch in buchenreichen Waldgebieten so massiv vermehren, dass er sich auch an lebende Bäume wagt.

„Nach dem zweiten Trockenjahr gibt es deutliche Vitalitätsverluste bei alten Buchen“, sagt Vetter. Noch kein Massenphänomen, aber an Bäumen im Süden des Stadtgebiets zu beobachten, darunter auch in der Bittermark und im Rombergholz. Genaue Zahlen zum Befall kann der Stadtförster noch nicht nennen: „Wir sind gerade dabei, das zu ermitteln.“

Phänomen wird landesweit analysiert

In den Hitzejahren 2003/2004 habe die Buche schon einmal Reaktionen gezeigt, indem sie besonders stark Bucheckern gebildet hat, doch Absterbungserscheinungen habe es nicht gegeben, sagt Vetter. Und eine Bucheckern-Mast sei in diesem Jahr nicht feststellbar.

Buchen kommen mit viel, aber auch mit wenig Wasser aus. Wenn dieser Baum auf solche Phänomene wie den Käferbefall in Trocken- und Hitzeperioden stark oder nachhaltig reagiere, dann gebe das Anlass zur Sorge, so Vetter. Aktuell werde das Buchenphänomen auch landesweit analysiert.

Dortmunds Wald beginnt zu sterben

Eine zum Fällen markierte Buche im Niederhofener Holz. © © Schaper

Bäume im Norden des Stadtgebiets haben weniger Klimastress

Die Buchen sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Doch im Gegensatz zum Süden sind die Buchen im Norden noch nicht vom Klimastress betroffen. Auch für andere Bäume im Norden, vor allem in Tallagen, sei die Trockenheit noch nicht problematisch; denn im Norden sei der Boden tiefgründiger und so in der Lage, Wasser zu speichern. Im Süden dagegen, vor allem in sonnenexponierten Lagen und auf flachgründigem Boden mit Fels im Untergrund, gerieten die Bäume schnell in Trockenstress.

Das Absterben von Bäumen gehöre zum Wald dazu, sagt der Stadtförster. „Das hat auch ein Gutes.“ Vögel, Fledermäuse und Insekten profitierten von dem Totholz. Besorgt ist er noch nicht: „Ich bin verblüfft, wie der Wald sich immer wieder zurechtzieht.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt