Homeoffice-Boom, Dienstreisen-Verbot: Dortmunds Wirtschaft in Zeiten des Coronavirus

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Zwei Drittel aller Dortmunder Firmen rechnen mit Auswirkungen des Coronavirus auf ihr Geschäft. Während manche schon nach staatlichen Hilfen rufen, reagieren andere kreativ auf die Virus-Krise.

Dortmund

, 16.03.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Zahlen, die die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund unlängst ermittelte, sind alarmierend: Mehr als die Hälfte der regionalen Wirtschaftsbetriebe sind bereits jetzt vom Coronavirus direkt betroffen, zwei Drittel der Firmen rechnen in naher Zukunft mit Auswirkungen der Epidemie.

Betroffen sind beinahe alle Unternehmen – vom Einzelhändler bis zur Weltfirma.

Westfalenhallen: „Wir haben alle Hände voll zu tun“

Da die „Westfalenhallen Unternehmensgruppe“ zahlreiche Veranstaltungen wie Messen oder Konzerte aufgrund des Virus‘ bereits verschoben hat, scheint es auf den ersten Blick so, als hätten die Mitarbeiter momentan wenig Arbeit vor der Brust. Doch das Gegenteil ist der Fall. „Bei uns klingeln die Telefone heiß“, sagt Unternehmenssprecher Robin Uhlenbruch, „wir haben alle Hände voll zu tun.“

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So gelte es unter anderem, die Aussteller zu kontaktieren, neue Termine zu finden und allgemeine Auflagen in die Tat umzusetzen. Zudem müssten die 300 Mitarbeiter der Gruppe besondere Maßnahmen befolgen, erläutert Uhlenbruch: „Um den Gesundheitsschutz aller bestmöglich zu gewährleisten.“

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ist sich der Unternehmenssprecher sicher, „dass das Jahr 2020 für die gesamte Messelandschaft eine riesige Herausforderung wird.“

Signal Iduna setzt Dienstreisen aus

Bei der Signal-Iduna-Versicherung begrenzt man die berufliche Mobilität der Mitarbeiter so weit wie möglich. „Dienstreisen zwischen unseren Standorten und zu externen Veranstaltungen setzen wir erst einmal bis zum 3. April aus“, sagt Unternehmenssprecher Claus Rehse.

In Sachen Homeoffice gibt man sich bei der Signal Iduna noch etwas zurückhaltend. Man sehe noch keine Veranlassung dazu, die Mitarbeiter „flächendeckend ins Homeoffice zu schicken“. Prinzipiell sei Arbeiten von Zuhause aber „in Abstimmung mit seinem Vorgesetzten“ möglich.

Elmos: 100 von 900 Mitarbeiter im Homeoffice

Beim Dortmunder Chip-Hersteller Elmos ist man da schon weiter: „Sie erreichen mich gerade im Homeoffice“, antwortet Sprecher Mathias Kukla auf die Presseanfrage. Über 100 der rund 900 Mitarbeiter seien mittlerweile von zu Hause aus tätig; ein großer Teil des Personals in der Produktion arbeite ohnehin in einem „Reinraum“: „Dort wird immer ein Ganzkörperanzug mit Mundschutz getragen.“

Nichtsdestotrotz messe das Unternehmen am Firmeneingang die Körpertemperatur der Gäste und Mitarbeiter: „Wer über 38,5 Grad aufweist, darf das Gelände nicht betreten.“

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Wirtschaftliche Auswirkungen des Virus‘ merke Elmos laut Kukla derzeit noch nicht: „Das kann aber auch an der relativ langen Vorlaufzeit liegen. Von der Bestellung eines Produktes bis zur Auslieferung vergehen vier bis sechs Wochen; der Einbau - zum Beispiel in ein Auto - erfolgt meist erst nach drei Monaten.“

BIG-Krankenkasse hat Corona-Krisenstab eingerichtet

Die am Dortmunder U ansässige BIG-Krankenkasse hat einen eigenen Coronavirus-Krisenstab eingerichtet. Auch bei der BIG wird in der Hauptverwaltung mit ihren rund 650 Mitarbeitern Homeoffice gefördert und auf Dienstreisen und Sitzungen so weit wie möglich verzichtet, schreibt die Kasse. „Bis zum Ende der Woche wird ein Großteil der Mitarbeiter von Zuhause arbeiten“, sagt Sprecherin Bettina Kiwitt. Dazu sind die BIG-Galerie und das Kundencenter am U-Turm bis auf Weiteres geschlossen.

Alle Mitarbeiter, die in einem der Risikogebiete waren oder sich aktuell dort noch aufhalten, werden vom Datum ihrer Rückkehr an für 14 Tage bezahlt von der Arbeit freigestellt – so lange ist die Inkubationsszeit des Virus.

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Existenzbedrohende Situation für Freischaffende

Diesen Luxus können sich viele kleine Geschäfte und Freischaffende nicht leisten: Für sie geht die Krise schnell an die Substanz. Daniela Schneckenburger, Schuldezernentin und Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen, sieht deshalb viele freischaffende Dortmunder in einer prekären Lage, besonders mit Blick auf die Absage von Schulungen, Konzerten oder Seminaren: „Für viele von ihnen kann das zu einer existenzbedrohenden Situation werden, wenn ihnen über Wochen oder sogar Monate eingeplante Einnahmen plötzlich wegbrechen.“

Deshalb fordert Schneckenburger einen vom Staat aufgelegten sowie finanzierten Aktionsplan, der finanzielle Unterstützung für Ausfälle anbietet. „Und das muss schnell gehen. Gleichzeitig sollte die Zeit genutzt werden, um in Dortmund die notwendigen Beratungsstrukturen zu schaffen, um die Mittel eines solchen Aktionsplans dann auch schnell abrufen zu können.“

Ins ähnliche Horn stoßen die Dortmunder Schausteller. Auch sie fordern aufgrund der flächendeckenden Absage von Volksfesten schnelle und unbürokratische Hilfe von der Landesregierung.

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