Top-Infektiologe gibt Tipps, wie Dortmunder ihre Freunde treffen können

Coronavirus

Die Corona-Zahlen steigen steil, doch man muss sich nicht im Elfenbeinturm einschließen, sagt einer der absoluten Corona-Experten in Dortmund. Dr. Bernhard Schaaf spricht über das soziale Leben.

Dortmund

, 27.10.2020, 13:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dr. Bernhard Schaaf vom Klinikum Dortmund

Dr. Bernhard Schaaf ist Direktor der Klinik für Pneumologie, Infektiologie und internistische Intensivmedizin am Klinikum Dortmund. © Klinikum Dortmund

Politiker appellieren in diesen Tagen wieder verstärkt, soziale Kontakte einzuschränken. So soll die Verbreitung des Coronavirus unterbrochen werden. Große Feiern sind nicht mehr erlaubt, doch das Kontaktverbot ist nicht so strikt wie im Frühjahr, als sich zeitweise nur zwei Personen aus verschiedenen Haushalten treffen durften.

Dr. Bernhard Schaaf ist Direktor der Klinik für Pneumologie, Infektiologie und internistische Intensivmedizin am Klinikum Dortmund. Damit ist er einer der Top-Experten für das Coronavirus in der Stadt. Über die Plattform Instagram hat er am Montag (26.10.) in einem Video-Talk des Klinikums Tipps gegeben.

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Sogenannte Superspreader-Ereignisse seien natürlich zu vermeiden, betont er, sagt aber auch: „Man kann jetzt nicht in den Elfenbeinturm und sich komplett verstecken.“ Für ein vorbildliches Sozialleben rät er: „Sagen wir mal, gestern Abend hatte ich Kontakt zu vier Personen. Dann sollte ich nicht heute wieder Kontakt zu zehn Personen haben und übermorgen noch einmal.“

Schließlich bestehe die Gefahr, danach angerufen zu werden mit der Information, einer der ersten Kontakte habe sich infiziert. Dann könne es sein, dass man selbst die weiteren Bekannten an den folgenden Tagen angesteckt hat.

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Legitim sei es stattdessen laut Schaaf, zum Beispiel am Wochenende Kontakt mit drei oder vier Leuten zu haben, danach dann aber zumindest die nächsten 48 Stunden auf Treffen zu verzichten. „Die nächste Situation, in der ich dann wieder neue Leute treffe, ist dann vielleicht eine Woche später“, sagt Schaaf: „Dann hat man viel erreicht, dass man diese Ansteckungsketten nicht produziert.“

Zum aktuellen Anstieg der Infektionszahlen sagt der Experte: „Wahrscheinlich war die Infektion überall schon ein Bisschen verbreitet, unerkannt in vielen Familien. Sobald Patienten anfangen zu husten, hat man sie dann entdeckt.“ Das sei etwas zu spät.

Wer nicht aufpasst, kann zahlreiche weitere Menschen anstecken

Infiziert man sich und hat danach viele weitere Kontakte, könne jeder selbst zum sogenannten Superspreader werden, der oder die teilweise 20 andere Menschen ansteckt.

Klinikum-Sprecher Marc Raschke ergänzt im Video: „70 bis 80 Prozent derer, die sich infizieren, infizieren keinen weiteren.“ Der kleine Rest sei hingegen für den Großteil der neuen Infektionen verantwortlich, offenbar weil sie sich nicht genügend einschränken.

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