Drastischer Verlust für SPD bei Ratswahl fordert ein prominentes Opfer

mlzKommunalwahl 2020

Mit knapp 30 Prozent hat die SPD in Dortmund am Sonntag ihr historisches schlechtestes Wahlergebnis bei der Ratswahl eingefahren. Das fordert nun im Rat ein prominentes Opfer.

Dortmund

, 15.09.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie gehört zu den Politikerinnen, die weit über die eigene Partei hinaus großes Ansehen genießen. Souverän leitete sie die Sitzungen des Kultur- und Sportausschusses oder auch des Rates und hielt als Bürgermeisterin Reden zu verschiedenen Anlässen.

So sollte es auch weitergehen: Birgit Jörder stand mit an der Spitze der SPD-Liste für die Ratswahl und sollte weiter Bürgermeisterin bleiben. Doch das wird nicht mehr möglich sein. Die 59-jährige SPD-Politikerin verlor ihren Wahlkreis in der Nordstadt an Hannah Sassen von den Grünen.

Dickes Plus für die Grünen

Die 24-jährige Raumplanungs-Studentin holte als Vertreterin der Grünen Jugend im Wahlkreis 2 29,5 Prozent - für die Grünen ein Plus von 11,5 Prozent gegenüber 2014. Die SPD kam nur auf 21,3 Prozent - ein Minus von 10,6 Prozent.

Das Problem: Birgit Jörder steht zwar auf Platz 2 der Reserveliste für den Rat. Doch die zieht nach der Wahl am Sonntag nicht, weil alle 27 Sitze der SPD auf Direktmandate entfallen. Birgit Jörder gehört also nicht mehr dem Rat an - und kann entsprechend auch nicht mehr zur Bürgermeisterin gewählt werden.

Fraktion hat keinen Plan B

Nicht nur in der SPD löste die Nachricht Entsetzen aus. „Das ist ein außerordentlicher Schlag“, sagte Fraktionsgeschäftsführer Andrew Kunter. „Dass Birgit Jörder nicht mehr in den Rat kommt, damit haben wir überhaupt nicht gerechnet.“ Insofern gibt es auch noch keinen Plan B, wer für die SPD für das Bürgermeister-Amt kandidieren könnte.

Gemeinsam mit Manfred Sauer (CDU) bildete Birgit Jörder in den vergangenen elf Jahren das Bürgermeister-Gespann. Jetzt verlieren beide ihr Amt.

Gemeinsam mit Manfred Sauer (CDU) bildete Birgit Jörder in den vergangenen elf Jahren das Bürgermeister-Gespann. Jetzt verlieren beide ihr Amt.

Birgit Jörder wirkt beim Telefongespräch am Montagmittag dagegen sehr gelassen. Für sie sei der Verlust des Ratsmandates „nicht ganz überraschend“, sagt sie. „Ich werde mich jetzt nicht ins Schwert stürzen.“

Für die Nordstadt-Politikerin ist das Erstarken der Grünen nicht zuletzt eine Folge des Bevölkerungswandels insbesondere im Hafenquartier. „Wir haben uns ja auch immer über den Zuzug von Studenten gefreut“, stellt sie fest. Nun wird sie von einer jungen Studentin als Ratsvertreterin abgelöst.

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Für die SPD geht damit eine Ära zu Ende. Birgit Jörder, die zehn Jahre lang Mitarbeiterin der SPD-Ratsfraktion war, zog 1994 zum ersten Mal in den Rat ein. Seit 2004 ist sie Erste Bürgermeisterin, außerdem seit 2014 - wie zuvor schon von 2001 bis 2009 - Vorsitzende des Kultur- und Sportausschusses. Und sie ist ehrenamtlich in vielen Beiräten, Fördervereinen und Aufsichtsräten aktiv - unter anderem auch als Vorsitzende des Konzerthaus-Aufsichtsrats.

Der Zufall will es, dass zeitgleich auch die politische Karriere ihre Ehemannes endet. Ex-Westfalenhallen-Chef Ludwig Jörder ist bis Ende Oktober Bezirksbürgermeister in der Nordstadt, trat aus Altersgründen aber nicht mehr zur Wahl der neuen Bezirksvertretung an.

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