Drogenkriminalität ist für die Polizei die größte Sorge in Scharnhorst

mlzInterview mit Wachleiter

Von einem Rückgang der Kriminalität in Scharnhorst-Ost, dafür aber von mehr Einbrüchen in Alt-Scharnhorst spricht Wachleiter Peter Klebon. Außerdem sieht er Parallelgesellschaften.

Scharnhorst

, 07.03.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der jüngeren Vergangenheit gab es widersprüchliche Angaben zur Kriminalitätsentwicklung in Scharnhorst. Während der Bezirksbeamte für Scharnhorst-Ost, Dirk Hinz, beim Scharnhorster Bürgerforum darüber berichtet hatte, dass die Kriminalität zurückgegangen sei, hatte Anwohnerin Birgit Weinrich über eine erhöhte Zahl von Wohnungseinbrüchen in Alt-Scharnhorst berichtet. Zeit, einmal mit dem Scharnhorster Polizei-Wachleiter Peter Klebon (60) zu sprechen.

Zur Person

Peter Klebon

Peter Klebon ist seit November 2014 Leiter der Wache Scharnhorst. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und wohnt in Unna.

Herr Klebon, klären Sie uns auf, wer hat Recht: Herr Hinz oder Frau Weinrich?

Beide. In Scharnhorst-Ost ist die Kriminalität tatsächlich zurückgegangen, in der MSA-Siedlung gab es aber einige Einbrüche mehr als in den Jahren zuvor. Allerdings waren es zwischen Oktober und November in beiden Ortsteilen zusammen 23 Wohnungseinbruchs-Fälle. 20 in Alt-Scharnhorst, 3 in Scharnhorst-Ost. Wenn Sie bedenken, dass es stadtweit Fallzahlen im vierstelligen Bereich gab, liegt Scharnhorst insgesamt unter dem Durchschnitt. Aber ich verstehe, dass man für dieses Thema sensibilisiert ist, wenn man selbst betroffen ist. Das ist nicht schön, wenn jemand in den persönlichen Bereich eindringt. Ich habe das selbst auch schon erlebt.

Wie erklären Sie sich den Unterschied zwischen den beiden Scharnhorster Ortsteilen?

In Scharnhorst-Ost gibt es viele Menschen, die ein niedriges Einkommen haben und teilweise vom Staat unterstützt werden. Die Einbrecher wissen, dass es da kaum etwas zu holen gibt. In Alt-Scharnhorst dagegen leben Menschen mit einem höheren Einkommen.

Also ist in Scharnhorst-Ost aus polizeilicher Sicht alles in Ordnung?

Nein. Dort haben wir es vor allem mit Drogenkriminalität zu tun. Besonders unschön ist das, wenn es sich vor Schulen abspielt. Das versuchen wir gerade verstärkt zu verhindern.

Ist das nicht ein Widerspruch? Wenn Menschen wenig Geld haben, haben Sie auch kein Geld für Drogen, oder?

Offenbar ist es so, dass Suchtmittel jeglicher Art immer irgendwie finanziert werden können. Alkohol ist auch ein großes Problem in Scharnhorst-Ost, was dann andere Straftaten wie häusliche Gewalt nach sich ziehen kann.

Woher kommt der hohe Alkoholkonsum?

In Scharnhorst leben Menschen aus 17 verschiedenen Nationen. Dazu gehören auch Menschen, bei denen es Gewohnheit ist, größere Mengen Alkohol zu konsumieren. Sie gehen da mit einfach anders um. Hinzu kommt die Perspektivlosigkeit einiger Bewohner.

Früher habe ich meine Töchter manchmal zum Reiten am Werzenkamp in Grevel gefahren. Wenn wir durch die Droote gefahren sind, habe ich scherzhaft gesagt: Kinder macht die Knöpfe vom Auto runter ...

Mit Überfällen oder etwas in der Art haben wir in Scharnhorst-Ost heute kaum noch zu tun.

Wenn ich mit Scharnhorstern spreche, höre ich immer wieder, dass sie sehr gerne auch in Scharnhorst-Ost leben. Ist das nicht ein Widerspruch zu dem, was Sie eben über Drogen und Alkohol sagten?

Nein, es gibt dort zwei Parallelgesellschaften. Einmal diejenigen, die schon lange in Scharnhorst wohnen und ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl haben, und eben die, die Probleme haben und auch nicht immer Respekt vor der Polizei haben.

Keinen Respekt? Was meinen Sie damit?

Naja, viele von den Anwohnern kommen aus Ländern, in denen die Polizei einen extrem schlechten Ruf hat. Insofern sind sie oft nicht gut auf uns zu sprechen. Wir müssen ihnen erst klarmachen, dass wir nicht die Bösen sind. In der öffentlichen Wahrnehmung kommen wir ja immer erst vor, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Was viele nicht wissen, und was leider auch in der Presse nicht oft berichtet wird, ist, dass wir auch präventiv tätig sind.

In welcher Hinsicht?

Wir gehen zum Beispiel oft in Schulen oder Kindergärten, machen Verkehrstraining mit den Kindern oder gehen mit ihnen zur Verkehrs-Puppenbühne an. Und das hat Erfolg: Die Unfallzahlen in Scharnhorst sind zurückgegangen.

Wie sehen Sie die Zukunft in polizeilicher Hinsicht für Scharnhorst?

Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Die gesamtgesellschaftlichen Probleme können wir natürlich nicht lösen. Irgendwo ist auch die Zuständigkeit der Polizei beendet. Da muss dann auch die Politik helfen.

Wie meinen Sie das?
Naja, man muss Freizeitangebote und Perspektiven für die Menschen schaffen, wobei Scharnhorst da bereits gut aufgestellt ist. Schauen Sie sich allein die Jugendfreizeitstätte „Zentrum“ an. So etwas hätte ich gerne gehabt, als ich Kind war.

Mal ehrlich, Herr Klebon, würden Sie lieber in ruhigeren Dortmunder Vororten wie Lücklemberg, Kirchhörde oder Syburg arbeiten.

Nein, da ist ja nichts los. Das wäre mir aus polizeilicher Sicht zu langweilig.

Im Bereich der Polizeiwache Scharnhorst, die sich an der Gleiwitzstraße 267 befindet, arbeiten zwischen 30 und 40 Mitarbeiter, darunter sind fünf Bezirksbeamte, die für bestimmte Bereiche im Stadtbezirk zuständig sind. Für Scharnhorst-Ost ist Dirk Hinz (Tel. 132-3655) zuständig, für Alt-Scharnhorst Ralf Storch (Tel. 132-3653).
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