Drogendealer im Keuning-Park: So will die Stadt das Problem endlich lösen

mlzGroßer Umschlagplatz

Der Keuning-Park am Hauptbahnhof ist seit Jahren ein großer Drogenumschlagplatz - dabei sind hier täglich rund 500 Kinder unterwegs. Die Stadt will dieses Problem nun angehen.

Dortmund

, 06.12.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es braucht nur ein paar Meter an einem beliebigen Nachmittag im Keuning-Park: Ob man etwas brauche, lautet eine erste Frage. Darauf ein langgezogenes „Pssst“ hier, ein freundliches Winken da; seit Jahren ist der Keuning-Park einer der Orte der Stadt, an denen mit Drogen gedealt wird.

Er liegt zentral am Hauptbahnhof, hat eine U-Bahn-Haltestelle und diverse Eingänge. Doch im direktem Umfeld des Parks befinden sich drei Kindertagesstätten, eine Musikschule, ein Schwimmbad und das Keuning-Haus, dessen Angebot sich auch explizit an Kinder und Jugendliche richtet.

Zusamen sind es über 500 Kinder und Jugendliche, die sich täglich dort aufhalten – und damit sehen, was im Park und um das Haus herum geschieht.

„Besser ist das Problem nicht geworden“

„Zugenommen hat die Drogenkriminalität nicht“, sagt Stadtdirektor Jörg Stüdemann. „Aber das Problem ist auch nicht besser geworden.“

Menschen, die täglich den Park passieren, sagen, dass das Auftreten der Dealer in den letzten zwei Jahren aggressiver geworden sei. Sie würden jetzt, anders als noch vor einigen Jahren, so ziemlich jeden ansprechen, der sich durch den Park bewege.

Kurz nach den Polizeikontrollen wird gedealt, als sei nichts gewesen

Die Polizei kontrolliert den Park und reagiert auch auf Anrufe. Nur ist es in der Wahrnehmung der Anwohner so: Sobald die Polizei wieder weg ist, braucht es nur wenige Minuten, bis die Situation wieder so ist, wie sie vor dem Eintreffen der Polizei war.

Es wird gedealt, als sei nichts gewesen. Was juristische Gründe hat: Einen Kleindealer in Untersuchungshaft zu nehmen, ist schwer, er muss mindestens mehrere Male erwischt worden sein. Und auch das heißt nicht zwingend, dass er inhaftiert wird.


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Natürlich könne es Dortmund, sagt Stüdemann auf Nachfrage, sich nicht leisten, dass in einem Umfeld mit so vielen Kinder in diesem Ausmaß gedealt wird. Viel sei in der Vergangenheit versucht worden, es sei ein „sieben Jahre langer und mühseliger Kampf“ gewesen.

Sträucher wurden abgesägt, ein ständiger Reinigungsdienst ist im Park unterwegs, das Keuning-Haus selber hat einen Sicherheitsdienst – die Kosten für diese Dinge beliefen sich auf rund eine Viertelmillionen Euro im Jahr.

Es wirkt, als würde die Dealerei toleriert

Aktuell, so Stüdemann weiter, wirke es auf Außenstehende so, als sei die Dealerei ein tolerierter Zustand. Das soll sich im Frühjahr 2020 ändern, denn das Umfeld des Keuning-Hauses soll verändert werden.

Zu viele Details will Stüdemann noch nicht bekannt geben, doch das Haus und sein Gelände sollen sich deutlicher vom Park abgrenzen.

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Auf dem Areal soll mehr Sicherheitspersonal aktiv sein, das dann Dealer unter Nutzung des Hausrechts vom Gelände verweisen könne. Kameras sollen aufgestellt werden.

Man befinde sich aktuell in der Planung, Anfang 2020 soll es losgehen. Die Kosten möchte er noch nicht benennen. Es dürfte aber nach Informationen unserer Redaktion um rund 500.000 Euro gehen.

Ernste Hinweise auf Prostitution seit dem Sommer

Dass ein Einsatz von Kameras und Sicherheitskräften letztlich auch wieder die Verdrängung und damit Verlagerung eines Problems darstellt, weiß auch Stüdemann. Doch „Kindergebiete sind zu schützen“, sagt er weiter.

Dass das Zeit wird, zeigt eine weitere Entwicklung: Seit dem vergangenen Sommer können Drogenkonsumenten, so berichten es Anwohner, sich bei Dealern auch Prostituierte vermitteln lassen.

Laut Polizeisprecher Oliver Peiler hat die Polizei dazu keine Erkenntnisse. Weiter spricht er von einem „sehr, sehr großen Kontrolldruck“ durch die Polizei auf das Gelände. „Unstreitig“ sei aber auch, so Peiler weiter, „dass es weiterer Maßnahmen bedarf, die bereits mit der Stadt besprochen sind.“ Als Beispiele dafür führt er zusätzlich die teilweise Einzäunung des Parks oder auch eine stärkere Beleuchtung an.

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