Nach langer Pause: Droht Schulen in Dortmund Ausbreitung von Legionellen?

mlzSchulstart trotz Corona

Wenn Wasserleitungen lange nicht genutzt werden, fühlen sich Legionellen dort besonders wohl. Das Risiko einer zweiten Krankheitswelle neben Corona hält sich laut Infektiologe aber in Grenzen.

Dortmund

, 24.04.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das letzte, was die Menschen aktuell gebrauchen können, sind weitere massenhafte Krankheitsfälle, erst recht wenn es dabei um Lungenkrankheiten geht.

Vielleicht wird deswegen aktuell von vielen Seiten vor Legionellen gewarnt, die sich in den Wasserleitungen verbreiten könnten. Legionellen mögen nämlich vor allem jene Leitungen, die lange nicht benutzt werden - wie es beispielsweise in vielen Schulen bis vor kurzem der Fall war.

Legionellen können, wenn sie eingeatmet werden, eine spezielle Lungenentzündung verursachen. Deshalb mahnt aktuell auch das NRW-Umweltministerium, Trinkwasserleitungen in ungenutzten Gebäuden regelmäßig zu nutzen - einer der einfachsten Wege, der Ausbreitung von Legionellen zuvorzukommen. Der Verband der Immobilienverwalter (VDIV) warnt sogar vor einer Legionellenausbreitung.

Die Situation ist nicht unbekannt

Müssen Schüler und Eltern sich also jetzt sorgen, dass sich nach den wochenlangen Schulschließungen die Legionellen nun fröhlich in Dortmunds Schulgebäuden ausbreiten? Nein, danach sieht es nicht aus.

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Die Stadt macht einen entscheidenden Punkt: Die Situation ist in der Hinsicht keine andere als nach sechs Wochen Sommerferien. Soll heißen: Stadt und Schulen sind sich des Risikos bewusst. Alle Leitungen in den Schulen mussten daher vor Start des Schulbetriebs am Donnerstag (23.4.) durchgespült werden.

Auch Dr. Bernhard Schaaf, Infektiologe und Leiter der Lungenklinik am Klinikzentrum Nord, blickt den Schulöffnungen mit Blick auf die Legionellen-Gefahr entspannt entgegen. „In den Schulen ist klar geregelt, wie dem vorgebeugt werden kann“, erklärt er.

Legionellen-Test ist Standard bei Lungenentzündungs-Patienten

Wenn trotz allem ein Patient mit Legionellen-Infektion ins Krankenhaus kommen würde, würden die Ärzte das sofort herausfinden. Der Test auf die sogenannte Legionärskrankheit, die durch die Keime verursacht wird, wird nämlich standardmäßig bei Patienten mit Lungenentzündungen gemacht.

Denn Patienten, die Legionellen eingeatmet haben, brauchen ein anderes Medikament als Patienten mit anderen Formen der Lungenentzündung.

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Grundsätzlich ist es für einen Patienten natürlich ein Risiko, wenn er sowohl mit Legionellen als auch mit dem Coronavirus infiziert ist. So einen Fall hatte Schaaf sogar bereits - dieser hat aber beide Infektionen glücklicherweise überstanden hat. Doch dass die Corona-Krise nun, wenn Schulen oder auch andere Gebäude wieder öffnen, durch eine Vielzahl solcher Fälle verschärft wird, hält Schaaf für unwahrscheinlich.

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