DSW21 investiert Millionen in Osnabrück - in ein Projekt mit Risiken

mlzNeues Containerterminal

Um zusätzlichen Güterumschlag nach Dortmund zu holen, beteiligen sich die Dortmunder Stadtwerke am Bau eines Containerterminals in Osnabrück. Ob die Rechnung aufgeht, ist noch völlig offen.

Dortmund

, 22.04.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anfang April war der Baustart, im Sommer 2021 soll die Anlage auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne fertiggestellt sein: Die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) haben mit Partnern den Bau eines Containerterminals in Osnabrück begonnen. Dort sollen künftig Güter vom Lkw auf die Schiene umgeschlagen und weiter transportiert werden. Das Terminal ist quasi eine Blaupause des Umladebahnhofs an der Franz-Schlüter-Straße im Hafengebiet.

Im Frühjahr 2016 ans Netz gegangen, werden auch in Deusen Container zum Weitertransport von der Straße auf die Schiene (und umgekehrt) umgeladen. Die Anlage, die in der Endausbaustufe 150 000 Ladeeinheiten bewältigen soll, entlastet das Containerterminal an der Kanalstraße. Dessen Kapazitäten sind mit rund 180 000 Ladeeinheiten pro Jahr erschöpft. Gebaut wurde der Verladebahnhof von DSW21, betrieben wird er vom CTD.

"Wir versprechen uns viel davon"

In der Hoffnung, zusätzliche Containerströme nach Dortmund zu lenken, mischt DSW21 nun auch in Osnabrück mit. „Wir versprechen uns viel davon“, sagt Verkehrsvorstand Hubert Jung. Das Terminal im 130 Kilometer entfernten Osnabrück biete die Chance, „den Containerverkehr beider Standorte sinnvoll zu koppeln und die zunehmenden Güterströme besser zu steuern.“

Soll heißen: In Osnabrück entsteht ein neues Logistik-Drehkreuz, das möglichst viele Wege nach Dortmund weisen soll. Das lässt sich DSW21 zwischen 2,8 und 5,5 Millionen Euro kosten. Insgesamt rund 28 Millionen Euro teuer, wird das neue Terminal zu 80 Prozent vom Bundesverkehrsministerium gefördert. Den Rest steuern die Stadtwerke Osnabrück sowie zwei private Logistikunternehmen bei.

Das Containerterminal in Osnabrück, dessen Bau gerade begonnen wurde, wird von DSW21 mitfinanziert.

Das Containerterminal in Osnabrück, dessen Bau gerade begonnen wurde, wird von DSW21 mitfinanziert. © TBOS/ Ute Lewandowski

Die Frage ist, ob die Rechnung aufgeht. Welche Mengen am Ende des Tages tatsächlich in Dortmund ankommen, ist unklar. „Da müsste man schon die Glaskugel lesen können“, sagt DSW21-Projektmanagerin Kristina Rummeld. Dabei verlässt sich DSW21 auf Prognosen, die Prof. Dr. Uwe Clausen, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik, 2018 gemacht hat.

Jetzt lesen

Seine Annahme: Die Umschlagsmengen der Küstenhäfen werden steigen – und mit ihnen auch der „Hinterlandverkehr“ von den Küsten- zu den Binnenhäfen wie etwa in Dortmund. Seiner Rechnung zufolge wird das Container-Aufkommen im Großraum Osnabrück bis 2030 um 82 Prozent in die Höhe schnellen - auf 150 000 Container/Jahr. Davon, so Clausen, könne auch Dortmund profitieren.

Die Frage ist nur: Wann? Bis DSW21 erste Rendite einfährt, werden Jahre ins Land ziehen. Manche Experten sprechen von vier bis fünf Jahren, andere veranschlagen eher zehn. Das CTD an der Kanalstraße bleibt nach aktuellem Stand in Osnabrück ganz außen vor. Man habe keine Karten im Spiel, lässt Geschäftsführer Thorsten Schütte auf Anfrage mitteilen.

DSW21 hält Mehrheit in Besitzgesellschaft

Das kann man so oder so bewerten: Anfangs hieß es, das CTD komme in Betracht, sich um den Betrieb der Osnabrücker Anlage zu bewerben. Das scheint inzwischen hinfällig. Wie es heißt, sollen die Gesellschafter des CTD wenig begeistert sein – darunter selber Terminalbetreiber und Logistikunternehmen.

Jetzt lesen

So könnte in Osnabrück eine Anlage entstehen, deren Bau von DSW21 zwar mitfinanziert wird, das operative Tagesgeschäft aber erledigen andere ohne Dortmunder Beteiligung. Offenbar hat man das frühzeitig einkalkuliert: DSW21 ist mit 49 Prozent in die Besitzgesellschaft des Terminals Osnabrück (TBOS) eingestiegen und hält dort die Mehrheit.

Dieser Einfluss soll auch auf die operative Ebene durchschlagen: Die TBOS kann sich bis zu 50 Prozent an der künftigen Betreibergesellschaft engagieren und dann eben doch ein gewichtiges Wort mitreden. So jedenfalls der Plan. Sollte sich später herausstellen, dass die Rechnung nicht aufgeht, könnte sich DSW21 aus Osnabrück verabschieden und seinen Platz einem anderen Akteur anbieten.

Lesen Sie jetzt