Der Erfolg der Mobilitätswende hängt entscheidend davon ab, alle Verkehrsträger (hier Bus und Stadtbahn) miteinander zu vernetzen, meinen viele Fraktionsvertreter in Dortmund. © Oliver Schaper (A)
Verkehrswende in Dortmund

DSW21 plant die Verkehrswende – das sagt die Dortmunder Politik

Dichtere Takte, Ausbau der H-Bahn, neue Buslinien und ein neuer Stadtbahntunnel: Mit dem Ideeenpapier „Dortmund mobil 2030“ will DSW21 die Verkehrswende vorantreiben. Wie reagieren die Ratsfraktionen?

„Wir begrüßen, dass DSW21 mit dem vorgelegten Positionspapier die passive Haltung aufgibt und jetzt aktiv an der stadtpolitischen Debatte teilnimmt“, kommentiert Grünen-Sprecherin Ingrid Reuter.

Positiv sei auch, dass der Anteil des ÖPNV am Verkehrsaufkommen in Dortmund bis 2030 auf rund 30 Prozent erhöht werden soll. „Wir werden uns auf Ratsebene für die optimalen Rahmenbedingungen einsetzen.“

In Sachen Finanzierung liegt Reuter auf einer Linie mit DSW21-Verkehrsvorstand Hubert Jung: Allein mit dem städtischen Haushalt sei die Verkehrswende nicht zu stemmen. „Wir sehen besonders Bund und Land in der Pflicht“, sagt die Grünen-Fraktionschefin. Neben dem Geld gehe es auch darum, Prioritäten zu setzen.

Bis zum Bau neuer Stadtbahnlinien müssten zunächst jene Projekte umgesetzt werden, die längst beschlossen seien – und solche, die kurzfristig auf den Weg gebracht werden könnten. „Dabei wird das Busnetz durchaus eine wichtige Rolle spielen“, kündigt Reuter an.

CDU will Vorhaben „konkret und zeitnah umsetzen“

In eine ähnliche Kerbe schlägt CDU-Fraktionschef Jendrik Suck. Der Politik müsse es gelingen, erste Vorhaben „konkret und zeitnah umzusetzen, bevor wir uns über Dinge unterhalten, die vielleicht in 20 oder 30 Jahren toll wären“, kommentiert Suck mit Blick auf den vorgeschlagenen Tunnel durch die östliche Innenstadt.

„Wir müssen Prioritäten setzen und dabei gucken, was realistisch ist“, formuliert Suck. Die Mobilitätswende funktioniere nur, wenn die verschiedenen Mobilitätsträger wie Bus, Stadt- und H-Bahn aufeinander abgestimmt seien. „Wir benötigen ein ganzheitliches Konzept aus einem Guss“, sagt Suck.

Die H-Bahn soll endlich aus ihrer verkehrspolitischen Sackgasse im Uni-Umfeld herausgeholt werden.
Die H-Bahn soll endlich aus ihrer verkehrspolitischen Sackgasse im Uni-Umfeld herausgeholt werden. © Oliver Schaper (A) © Oliver Schaper (A)

Für die SPD genießen die Ausbaupläne mit der H-Bahn hohe Priorität. Dafür gibt es gleich mehrere Projekte: Sie soll den S-Bahnhof Dorstfeld mit der Zukunftsfläche „Smart Rhino“ (ehemalige HSP-Fläche) an der Rheinischen Straße verbinden. Gleichzeitig ist daran gedacht, einen H-Bahn-Anschluss von der Uni beziehungsweise vom Technozentrum bis zur Stadtbahn U42 zu schaffen.

SPD setzt auf weiteren Ausbau der H-Bahn

Ein weiteres Projekt sieht den Ausbau vom Technozentrum bis zur Straße „Im weißen Feld“ vor – und somit die Verlängerung der Kabinenbahn zum erweiterten Technologiepark in Richtung Westen. „Wir betrachten die H-Bahn als innovativen und klimaschonenden Verkehrsträger mit vergleichsweise geringen Betriebskosten“, zählt SPD-Fraktionschefin Carla Neumann-Lieven die Vorteile auf.

Der Ausbau gehe deutlich schneller als bei der Stadtbahn. Auch der von DSW21 vorgeschlagene Ringbus um die Dortmunder Innenstadt („Innovationslinie 400“) findet bei der SPD hohe Beachtung. „Wir halten das für eine gute und spannende Idee“, kommentiert Neumann-Lieven. Ganz besondere Aufmerksamkeit widmet die SPD dem zweigleisigen Ausbau der Stadtbahn von Asseln bis Wickede. „Der Ausbau muss so schnell wie möglich kommen“, sagt Neumann-Lieven.

In die Bewertung einzelner Vorschläge mag Christian Gebel, verkehrspolitischer Sprecher von Linke+, noch nicht einsteigen. „Das Positionspapier von DSW21 enthält zwar wenig Überraschendes“, so Gebel. „Aber es fasst sehr gut die aktuellen Ideen und Planungen zusammen und ordnet sie in einen Gesamtzusammenhang ein.“

FDP will die Verkehrswende „groß denken“

Auch wenn über manches Detail noch zu diskutieren sei: „Die allermeisten Ideen unterstüzten wir“, sagt Gebel. Jetzt müsse aber auch entsprechend mehr Geld in den ÖPNV gesteckt werden. „Und das“, so Gebel, „darf nicht von Fahrgästen oder von privaten Investoren kommen.“

Überraschend weit aus dem Fenster lehnt sich FDP-Chef Michael Kauch. Er plädiert dafür, „die Verkehrswende groß zu denken.“ Dazu gehört für ihn die Anbindung von „Smart Rhino“ mit der Stadt- und der H-Bahn. Auch die Verlängerung der U44 aufs frühere Westfalenhütten-Gelände sowie der zweispurige Ausbau der Ost-West-Strecke stehen bei der FDP hoch im Kurs.

Ebenso deutlich bricht Kauch eine Lanze für den Ringbus um die Innenstadtbezirke und Teile von Hörde. Kauch sieht darin einen „sinvollen Einstieg“ für weitere Linien. Etwa für eine Buslinie, die Dortmunds Vororte besser miteinander verbinde. Zudem trommelt Kauch für eine Buslinie von der U43 zum Flughafen. „Damit könnten unnötige Autofahrten durch die östliche Innenstadt und den Dortmunder Osten vermieden werden.“

Altes Konzept enthält viele Ladenhüter

Allerdings erwartet Dortmunds FDP-Chef, dass DSW21 „Projekte nicht immer nur ankündigt, sondern auch umsetzt.“ Dazu gehöre der längst überfällige Ausbau des Mobilfunks in den Stadtbahntunneln. Gleiches gelte für die angekündigten „Bestell-Verkehre“ als digital orientierte Sammeltaxis.

Es könnten nicht die letzten Vorschläge sein – die Diskussion ist eröffnet. Die Entscheidung, welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, treffen am Ende des Tages die Fraktionen im Rat. Dazu muss jetzt das aus 2008 stammende Stadtbahnentwicklungs-Konzept der Neuzeit angepasst und fortgeschrieben werden. Es enthält eine Menge Ladenhüter: Maßnahmen, die zwar beschlossen, aber bis heute nicht auf den Weg gebracht sind.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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