Durch diesen Dortmunder Bahnhof rauscht der RE1 ohne Stop durch - und keiner weiß Bescheid

mlzBahn-Ärger

Mit dem RE1 von Scharnhorst zur Arbeit nach Duisburg: Normalerweise ist das für Michael R. kein Problem. Derzeit jedoch rauscht der Zug einfach durch den Bahnhof durch. Der Grund ist kurios.

Scharnhorst

, 19.07.2019, 13:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Michael R. normalerweise morgens am Scharnhorster Bahnhof steht, ist es noch nicht ganz hell. Um 4.39 Uhr steigt er in den RE1 in Richtung Aachen, um nach Duisburg zur Arbeit zu fahren. Doch in den Sommerferien erlebt er nun eine böse Überraschung.

Der Zug fährt zwar wie gewohnt von Kurl über Scharnhorst zum Dortmunder Hauptbahnhof, allerdings mit einem nicht ganz unbedeutenden Unterschied: In Scharnhorst rauscht er einfach durch. Kein Stopp, keine einsteigenden Fahrgäste. Am Bahnhof selbst weist nur ein kleines Sternchen im Fahrplan darauf hin, dass der RE1 in den Sommerferien nur alle zwei Stunden in Scharnhorst hält.

„Das ist ein Unding“

„Ich finde, das ist ein Unding“, sagt Michael R.. Seinen ganzen Namen möchte der Scharnhorster nicht öffentlich lesen, denn er sieht sich nur als Stellvertreter für viele, die das Problem haben. „Ich habe mich ja glücklicherweise nach Fahrbahnänderungen erkundigt. Aber es gibt bestimmt viele, die jetzt überrascht waren, als der Zug einfach durchgerauscht ist.“

Besonders der Grund für den fehlenden Halt wundert den Scharnhorster. Denn eine Großbaustelle zwischen Essen und Duisburg sorgt dafür, dass der Fahrplan des RE1 komplett durcheinander gewirbelt wird. Der Zug müsse durch die Arbeiten über andere Gleise fahren und könne das nur in bestimmten Zeitfenstern, heißt es von der Bahn. Aber wieso er dann in Scharnhorst durchrauscht, ist für Michael R. dennoch ein Rätsel: „Die Baustelle ist soweit weg. Das glaubt man gar nicht, dass es da Auswirkungen auf uns hier in Scharnhorst gibt.“

Neuer Fahrplan ist eine Belastung

Und auch, wenn der Scharnhorster frühzeitig von den Änderungen wusste - für ihn ist der neue Fahrplan eine große Belastung. So bleiben ihm nun sechs Wochen lang kaum vernünftige Optionen, um zur Arbeit zu gelangen. Ein Auto hat er nicht, eine Stunde später sitzt er nicht mehr pünktlich an seinem Arbeitsplatz. Und auch mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof und dort in den RE1 einsteigen ist durch die Bauarbeiten am Hellweg keine Option.

Also bleibt für den Scharnhorster nur eins: „Ich muss eine Stunde eher fahren, also um 3.30 Uhr. Das ist schon verdammt früh.“ Und auch wenn sein Vorgesetzter verständnisvoll ist und ihn eine Stunde eher gehen lässt: „Ich bin nachmittags dann immer ziemlich fertig, da ist nicht mehr allzu viel mit mir anzufangen.“ Zudem sei er ja nicht der einzige Scharnhorster der um diese Uhrzeit mit dem RE1 zur Arbeit fahre. „Da stehen immer mehrere Menschen mit mir am Gleis. Von denen haben einige bestimmt deutlich mehr Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber“, sagt Michael R..

„Für uns ist das die bestmögliche Lösung“

Die Bahn kann den Ärger verstehen. „Natürlich ist das für unsere Kunden in Scharnhorst eine ungünstige Situation. Dafür entschuldigen wir uns“, sagt eine Bahnsprecherin auf Anfrage. Allerdings habe man sich mit Scharnhorst und Nordbrügge die beiden Halte ausgesucht, die am wenigsten frequentiert seien, um mit dem fehlenden Halt alle zwei Stunden den wenigsten Kunden zu schaden. „Für uns ist das die bestmögliche Lösung“, sagt die Sprecherin.

Michael R. will aber nicht einfach meckern, wenn es einen guten Grund gibt. Er hat sich erkundigt: Durch die Einsparung der Haltestelle Scharnhorst alle zwei Stunden fährt die Bahn nur eine Minute kürzer als sonst - hält aber weiterhin vier Minuten am Hauptbahnhof. „Das könnte man doch anders machen. Dann wäre allen geholfen“, moniert der Scharnhorster.

Lesen Sie jetzt