Stein des Anstoßes: Das Wohnhaus (l.) im Gewerbegebiet an der Hannöversche Straße. © Beushausen
Entsorgung Dortmund

EDG kaufte illegal gebautes Wohnhaus – Chefs müssen sich erklären

Die EDG soll viel Geld in ein Grundstück mit einem Wohnhaus investiert haben, das wider Erwarten illegal errichtet worden ist – und jetzt wohl abgerissen werden muss. Die Chefs müssen sich erklären.

Was ist los bei der Entsorgung Dortmund (EDG)? Bahnt sich da ein Sturm im Wasserglas an? Oder muss sich die EDG-Geschäftsführung vorwerfen lassen, nicht genau hingeguckt zu haben?

Es geht um einen Grundstückskauf aus dem Jahre 2019. Die damals dreiköpfige EDG-Geschäftsführung hatte sich bei ihren Gesellschaftern (Stadt Dortmund und DSW21) auf kurzem und schriftlichem Weg das Einverständnis geholt, ein mit einem Wohnhaus bebautes Grundstück an der Hannöverschen Straße 78/82 zu kaufen.

Kauf soll 1,6 Millionen Euro gekostet haben

Die Fläche sollte im Zusammenhang mit dem Neubau des EDG-Betriebshofes als Stellplatzfläche für die Mitarbeiter dienen. Die dort befindliche Immobilie mit den vier Wohnungen störte die Pläne erstmal nicht. Im Gegenteil: Weil alle Wohnungen genutzt werden, sollten die Mieteinnahmen zur langfristigen Finanzierung der Stellplätze dienen.

Nach Informationen dieser Redaktion soll der Kauf rund 1,6 Millionen Euro gekostet haben – davon eine halbe Million Euro allein für das Wohngebäude. Inzwischen hat sich herausgestellt: Das fragliche Grundstück liegt im Gewerbegebiet Wambel-Nord.

Wohnhaus hätte dort nicht gebaut werden dürfen

Es hätte dort nie gebaut werden dürfen. Das Gebäude sei quasi „illegal“ errichtet worden – und müsse daher „abgerissen“ werden, hieß es bei der jüngsten, digitalen Aufsichtsratssitzung der EDG.

Die Gesellschafter, die den Kauf 2019 abgenickt hatten, hätten zum damaligen Zeitpunkt keine Kenntnis dieser Umstände gehabt, wird aus dem Kontrollgremium kolportiert. Dafür gibt es nun Fragen an die zweiköpfige EDG-Spitze mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Frank Hengstenberg und Arbeitsdirektor Bastian Prange. (Der damalige Hauptgeschäftsführer Klaus Niesmann ist inzwischen verstorben.)

Wird ein Gutachter beauftragt?

Warum ist viel Geld für ein abzureißendes Wohnhaus bezahlt worden? Zu welchem Zeitpunkt waren die EDG-Chefs im Bilde, dass dieses Wohngebäude in einem Gewerbegebiet nichts zu suchen hat?

Und: Da die kalkulierten Mieteinnahmen künftig wegfallen – wie wirkt sich das auf die Finanzierung der Stellplatzanlage aus? Die EDG-Spitzen sind angehalten, dem Aufsichtsrat und ihren Gesellschaftern Antworten vorzulegen – angeblich soll dazu ein Gutachter beauftragt werden.

Hengstenberg will kämpfen

Selbst die EDG-Aufsichtsräte können sich von den Vorgängen noch kein klares Bild machen. Vereinzelt wird von einem „Sturm im Wasserglas“ gesprochen. Dabei wird darauf hingewiesen, dass Hengstenberg bei seinen beiden Gesellschaftern DSW21 und der Stadt seit einiger Zeit in Ungnade gefallen sei. Sowohl DSW21-Chef Guntram Pehlke als auch OB Thomas Westphal haben ihn wissen lassen, spätestens mit Vertragsende im Februar 2023 sei Schluss.

CDU-Mitglied Hengstenberg ist entschlossen, das Feld nicht kampflos zu räumen. Er will um seinen Job kämpfen. Zumal die CDU vor Kurzem deutlich signalisiert hat, dabei hinter ihm zu stehen. Sie möchte, dass Hengstenbergs Vertrag bei der EDG vorzeitig verlängert wird.

Sondersitzung ist anberaumt

Wie ernst also sind die Ungereimtheiten beim Grundstückskauf am Ende zu nehmen? Ergebnisse erwarten die EDG-Aufsichtsräte bei einer für den 2. Juli anberaumten Sondersitzung.

Dabei geht es auch um die Frage, ob der Geschäftsführung für den Jahresabschluss 2020 die sonst übliche Entlastung erteilt wird oder nicht. Normalerweise gibt der Aufsichtsrat eine Empfehlung an die Gesellschafterversammlung, die stets im Anschluss folgt.

Nicht so im aktuellen Fall: Der Aufsichtsrat schwieg – und eine Gesellschafterversammlung hat erst gar nicht stattgefunden. Stellungnahmen zu den Vorgängen waren weder von der EDG noch vonseiten der Gesellschafter zu erhalten.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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