Ex-Arbeitslose sorgen für Sicherheit und Ordnung am Hafen Dortmund

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Der Dortmunder Hafen hat ein Müllproblem - deshalb gibt es dort seit Jahresbeginn einen Hafenpräsenzdienst. Die Männer säubern und reparieren - dürfen aber auch ein Machtwort sprechen.

Dortmund

, 21.05.2020, 05:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Hauch von Hafenromantik weht durch die Straßen, wenn Hussein Youness und Karl-Heinz Wulfert ihre Runden drehen. Das Duo passiert große Lagerhallen und historische Backsteinhäuser, während im Hintergrund neben dem alten Hafenamt riesige Kräne ihre Arbeit verrichten.

Aber Youness und Wulfert sind nicht wegen des Flairs hier; als Mitarbeiter des neu geschaffenen Hafenpräsenzdienstes sollen sie vielmehr für Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit sorgen.

Sachbeschädigungen und Müllvergehen nehmen zu

Viele Menschen zieht es ans Wasser - im Urlaub, in der Freizeit, bei der Ausübung ihrer Hobbys. Eigentlich kein Problem, gäbe es nicht einige Bürger, die ihren Freizeit-Müll regelmäßig am Ort des Vergnügens liegen lassen.

Da macht der Dortmunder Hafen keine Ausnahme. „Die Vermüllung und Sachbeschädigung im Bereich der Speicherstraße hat spürbar zugenommen“, sagt Uwe Büscher. Und darauf reagierte der Chef der Dortmunder Hafen AG mit einem neuen Ansatz.

Es gibt sicherlich weniger interessante Arbeitsplätze: Hussein Youness patrouilliert am Dortmunder Hafen. Sein Kollege Karl-Heinz Wulfert wollte sich nicht von vorne fotografieren lassen.

Es gibt sicherlich weniger interessante Arbeitsplätze: Hussein Youness patrouilliert am Dortmunder Hafen. Sein Kollege Karl-Heinz Wulfert wollte sich nicht von vorne fotografieren lassen. © Michael Schuh

Seit Jahresbeginn setzt die gemeinnützige Gesellschaft Grünbau gGmbH im Auftrag der Dortmunder Hafen AG drei Langzeitarbeitslose ein, die wochentags zwischen Santa-Monika-Anleger und Fredenbaumpark patrouillieren, um so das Problem der zunehmenden Vermüllung und Zerstörung in den Griff zu bekommen.

Einer der letzten Lehrlinge auf der Zeche Minister Stein

Karl-Heinz Wulfert absolvierte als einer der letzten Dortmunder eine Betriebsschlosser-Lehre auf der Evinger Zeche Minister Stein, bevor das Bergwerk 1987 die Kohleförderung für immer einstellte.

Nach unterschiedlichen Tätigkeiten war der heute 53-Jährige drei Jahre lang arbeitslos, bis er im September 2019 einen Zwei-Euro-Job antrat; den machte er offensichtlich so gut, dass man ihn wenig später fragte, ob er sich eine Tätigkeit im neuen Hafenpräsenzdienst vorstellen könne. Und Wulfert konnte.

Gemeinsam mit dem 51-jährigen Youness, einem weiteren Kollegen und einer mit Mülltonnen besetzten Schubkarre ist der 53-Jährige nun wochentags von 7.30 Uhr bis 16 Uhr im Hafenquartier unterwegs, wo das Trio für kleinere Reinigungs- und Gartenarbeiten sowie Reparaturen verantwortlich zeichnet; bei größeren Zerstörungen und Verschmutzungen werden die zuständigen Stellen informiert.

Doch damit nicht genug: Die drei Präsenzdienst-Mitarbeiter sind zudem Ansprechpartner, denen Anwohner oder Gäste ihre Probleme im Viertel schildern können.

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Und die gibt es. „Man merkt momentan, dass der Müll zunimmt“, verweist Youness auf die Lockerungen in der Corona-Krise und die steigenden Temperaturen, die zu vermehrten Treffen am Hafen führen. „Vor allem Jugendliche hängen hier abends ab“, ergänzt Wulfert und berichtet von „italienischen Nächten“: „Dann findet man am nächsten Morgen jede Menge weggeworfene Pizzaschachteln.“ Aber auch kiloweise abgelaufenes Fleisch in Plastikverpackungen sei schon mal illegal entsorgt worden.

Pascal Frai, Sprecher der Dortmunder Hafen AG, vor einem typischen Beispiel für Vandalismus: Der Container, in dem über die Quartiersentwicklung an der Speicherstraße informiert wird, wurde ein Opfer von Graffiti-Sprayern.

Pascal Frai, Sprecher der Dortmunder Hafen AG, vor einem typischen Beispiel für Vandalismus: Der Container, in dem über die Quartiersentwicklung an der Speicherstraße informiert wird, wurde ein Opfer von Graffiti-Sprayern. © Michael Schuh

Doch die Mitarbeiter des Hafenpräsenzdienstes besitzen noch weitere Befugnisse: Sie dürfen Besucher des Viertels auch auf nicht korrektes Verhalten hinweisen oder ihnen erklären, dass das Auto unvorschriftsmäßig geparkt wurde.

Damit solche Gespräche stressfrei über die Bühne gehen, steht demnächst ein Deeskalations-Kurs auf dem Programm. Bislang sei der aber noch nicht vonnöten gewesen, sagt Wulfert: „Die Leute zeigen sehr viel Verständnis.“

Der fliehende Holländer

Unlängst beobachtete er übrigens, wie ein niederländisches Schiff den Anleger am Wasser-Wander-Rastplatz beschädigte, der Kapitän aber dessen ungeachtet weiterfuhr. Wulfert meldete den Vorfall, sodass die Wasserschutzpolizei ihn wenig später stellen und zu einer Strafe verdonnern konnte - den fliehenden Holländer.

160 unternehmen mit 5000 Beschäftigten

  • Der Dortmunder Hafen wurde am 11. August 1899 von Kaiser Wilhelm II. zusammen mit dem Dortmund-Ems-Kanal eröffnet.
  • Heute würden im Hafen jährlich rund 4 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen, sagt Pascal Frai, Sprecher der Dortmunder Hafen AG. „Und bei dieser Zahl sind die Lastwagen noch nicht mitgerechnet.“
  • 160 Unternehmen haben hier ihren Sitz, fährt Frai fort: „Sie beschäftigen 5000 Menschen. Der Hafen ist somit Dortmunds größtes zusammenhängendes Industriegebiet.“
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