Ehrenamtlicher Vorstand reichte Klage gegen GWG Hombruch ein

Genossenschaft ist heillos zerstritten

Es gärt weiter an der Spitze der Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft (GWG) Hombruch-Barop. Ehrenamtlicher Vorstand gegen hauptamtlichen Vorstand, Vorstand gegen Aufsichtsrat. Aufsichtsratsmitglieder gegen Aufsichtsratsmitglieder. Das Ganze gipfelte jetzt in einer Klage der beiden ehrenamtlichen Vorstände gegen ihre Genossenschaft.

HOMBRUCH

, 02.09.2017, 01:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Hombruch-Barop.

Die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Hombruch-Barop.

Immer mitten drin ist Winfried Berlin (78), seit 53 Jahren ehrenamtlich im Vorstand, davon Jahrzehnte bis heute als Vorsitzender. Kritische Aufsichtsräte oder Aufsichtsratsbewerber haben bislang den Kürzeren gezogen, wenn es in den Mitgliederversammlungen um Wahlen ging.

Nicht so in der Mitgliederversammlung am 18. Mai, in der zwei von sechs Aufsichtsratsposten nach turnusmäßigem Ausscheiden neu besetzt wurden. Der bei Berlin und seinen Mitstreitern in Ungnade gefallene frühere Aufsichtsratschef Matthias Beyer schaffte es erneut in das Gremium – trotz Abwesenheit und vehementer Gegenrede der Versammlungsleiterin und Aufsichtsratsvizin Brigitte Gerold-Bungart.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit

Beyer hatte, damals noch in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender, den Vertrag des hauptamtlichen Vorstands Dirk Scheffler verlängert – ohne Zustimmung und Beratung des gesamten Aufsichtsrates. Die Mitstreiter von Berlin sehen sich durch ein Rechtsgutachten in ihrer Auffassung bestätigt, dass der Vertrag von Scheffler deshalb unwirksam ist. Nach Informationen dieser Redaktion wollen sie ihren hauptamtlichen Vorstand Scheffler loswerden. Auch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Beyer sei für sie nicht mehr möglich, so Gerold-Bungart laut Versammlungsprotokoll.

Winfried Berlin und der zweite ehrenamtliche Vorstand Kurt-Rainer Pilzecker, haben im Juni mit einer Klage die Wahl von Beyer angefochten, ebenso die Wahl von Theo Arndt, der es auch trotz Gegenkandidaten in den Aufsichtsrat geschafft hatte. Der neue Aufsichtsrat wiederum wählte nun Norbert Schilff an seine Spitze, der ebenfalls als Berlin-Kritiker gilt.

Als Basis für ihre Klage haben Berlin und Pilzecker im Nachhinein geprüft, wer von den 148 Anwesenden bei der Mitgliederversammlung tatsächlich stimmberechtigt war. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass bis zu 14 Mitglieder nicht ordnungsgemäß vertreten gewesen seien. Deshalb sei die Wahl anzufechten.

Einberufene Mitgliederversammlung 

Der Aufsichtsrat beschloss einstimmig, dieser Auffassung zu folgen. Teile des Aufsichtsrates um den Vorsitzenden Schilff wiederum wollen nun die Wahlen bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Oktober wiederholen – ein Umstand, der den Genossen um Berlin nicht gefällt. Auf Nachfrage dieser Redaktion erklärte Berlins Rechtsvertreter Paul Beckmann, dass niemand etwas gegen eine ordnungsgemäß einberufene Mitgliederversammlung habe, doch könne eine Mitgliederversammlung, die von einem nicht ordnungsgemäß zustande gekommenen Aufsichtsrat einberufen werde, auch nicht ordnungsgemäß sein.

Aufsichtsratschef Norbert Schilff will sich „zurzeit nicht äußern“. Die Berlin-Fraktion verweist auf ihren Anwalt und lässt über ihn unter anderem ausrichten, dass die Abwesenheit von Matthias Beyer bei der Mitgliederversammlung wohl dazu dienen sollte, sich nicht den Fragen zur Personalie Scheffler stellen zu müssen.

Bei der Versammlung dabei war auch Klaus Graniki, Chef der städtischen Wohnungsgesellschaft Dogewo und Mitglied der GWG. „Als Mitglied bin ich schon befremdet“, sagt er, „dass eine Genossenschaft so eine Umgangskultur hat. Die Genossenschaft braucht einen Neuanfang, da gehört auch der Vorstand dazu.“ 

 

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