Wird das Corona-Medikament in Dortmund entwickelt? Forscher zuversichtlich

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Dortmunder Wissenschaftler arbeiten seit Jahren an Wirkstoffen, auf die nun plötzlich die ganze Welt wartet. Worum geht es bei vier Coronavirus-Projekten - und wie steht es um sie?

von Annette Feldmann

Dortmund

, 21.04.2020, 08:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zahlreiche Unternehmen weltweit suchen nach Wirkstoffen gegen das Coronavirus. Wie realistisch ist es, dass gerade Dortmunder Forschungsergebnisse von Bundesregierung und Pharma-Unternehmen aufgegriffen werden?

„Ich habe keinen Zweifel daran, denn wir haben einen jahrelangen Vorlauf und zwei unserer Wirkstoff-Projekte könnten noch in der laufenden Pandemie auf den Markt kommen“, schätzt Dr. Bert Klebl, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter am „Lead Discovery Center“ (LDC) am Campus der Technischen Universität.

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Forschung für Medikamente dauert viele Jahre. Wer jetzt bei Null anfängt, kann nicht unter den ersten sein. „Wir arbeiten schon seit 2015 an einem Wirkstoff-Entwicklungsprojekt gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut München“, sagt Klebl. „Hier haben wir einen Mechanismus identifiziert, mit dem wir Mers-Coronaviren eindämmen konnten. Erste Tests in Zellen zeigen jetzt, dass auch die Vermehrung vom Sars-Coronavirus-2 gehemmt wird.“

Basis für ein neues Medikament ist ein Stoff aus der eigenen „Substanz-Bibliothek“, die das LDC zusammen mit dem benachbarten Dortmunder Max-Planck-Institut entwickelt und für die Wirkstoff-Forschung nutzt.

Das "Lead Discovery Center" befindet sich an der Otto-Hahn-Straße nahe der Technischen Universität.

Das "Lead Discovery Center" befindet sich an der Otto-Hahn-Straße nahe der Technischen Universität. © Hardy Welsch

Das zweite Projekt basiert auf der Weiterentwicklung bereits bekannter Medikamente. Klebl: „Jeder kennt aus den Nachrichten Chloroquin und Remdesivir. Damit arbeiten alle. Unser Vorteil ist, dass wir Zugriff haben auf Hunderttausende von sehr spezifischen eigenen Substanzen. Das Geheimnis ist, die richtigen rauszupicken. Dabei hilft eben nicht nur die Informatik, sondern vor allem auch das wissenschaftliche Know-How von Menschen mit Expertise und Erfahrung.“

Zusammenarbeit mit vielen Partnern

Das LDC arbeitet mit Grundlagenforschern zusammen, die das biologische Know-How besitzen, den Max-Planck-Instituten, dem Helmholtz-Institut, der Charité und auch der nachfolgenden Pharma-Industrie.

„Denn die weiß, wie daraus ein Medikament werden kann und sie hat hat auch die Millionen, um es marktreif zu machen.“ Das Gesamt-Netzwerk macht das LDC zum deutschlandweiten Hotspot für die Wirkstoff-Entwicklung.

Das dritte Projekt soll die Vermehrung von Virus-Proteinen stoppen und einmal wie ein Grippe-Medikament gegen mehrere Viren-Stämme wirken. Klebl: „Das werden wir brauchen. Die nächsten Coronavirus-Stämme werden kommen.“ Das vierte Projekt ist schließlich ein Impfstoff, aber den sehen die Forscher am LDC nicht vor 2021.

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