Ein Komponist aus Dortmund hat ein Stück gegen Faschismus geschrieben

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Als Kind hat er unter dem Flügel gelegen und seinem Vater beim Spielen zugehört. Heute komponiert Johannes Marks Stücke, die sich auch mit brisanten politischen Themen auseinandersetzen.

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, 04.01.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sein Schaffen als Komponist ist ungewöhnlich und einzigartig. Die Themen, die er dabei verarbeitet, hoch aktuell und gesellschaftskritisch. Der Dortmunder Johannes Marks hat an der Folkwang-Hochschule in Essen Komposition studiert.

Sein Vater spielte Klavier, und bereits als Kind besuchte Marks Konzerte. „Ich lag als Kind oft unter dem Flügel, wenn mein Vater spielte. Musik direkt zu erfahren ist für mich bis heute durch nichts zu ersetzen", erzählt Marks.

Mit 17 Jahren die erste Komposition

Dem Klavierunterricht folgte später der Wunsch selbst zu komponieren - und so entstand mit 17 Jahren das erste schriftlich festgehaltene Stück, ein klassisches Klavierkonzert. Die Faszination, Musik zu schaffen, hat ihn seitdem nie wieder losgelassen.

„Für mich ist wichtig, dass ich regelmäßig die Gelegenheit habe, meine Musik aufzuführen", erklärt er. Es sei für ihn die schönste Erfahrung, sich etwas auszudenken, was dann von anderen musikalisch umgesetzt wird.

Vertreter der „Neuen Musik“

Marks ist Vertreter der sogenannten "Neuen Musik", zu deren Stil nicht nur klassische und romantische, sondern eben auch neue Klänge, Melodien oder Harmonien gehören. Mittlerweile werden seine Werke bei internationalen Festivals und Konzertreihen in Deutschland und Europa gespielt – aber auch zu Hause in Dortmund.

Die Thematiken seiner Stücke ergeben sich oft aus aktuellem Anlass. So erhielt er 2017 vom Westdeutschen Rundfunk den Kompositionsauftrag für ein Stück zum WDR-Grundgesetz-Projekt.

Die Chorkomposition zum Asylrecht wurde vom WDR-Rundfunkchor eingesungen. Als Komponist gestaltet er auf disee Weise neue Formen des Miteinanders von Sprache und Musik.

Planungen für das Dortmunder Kammermusikfestival laufen

Immer wieder kommt es dazu, dass Marks, der auch als Dirigent arbeitet, ganz gezielt für Musiker Stücke schreibt – für Pianisten, Flötisten, Geiger oder aktuell für die Pianistin Junko Shioda aus Japan und die Cellistin Laura Moinian.

Für die junge Cellistin schreibt er ein Duo für Cello und Klavier, das im Rahmen der Konzertreihe "Best of NRW" im ganzen Land auf Tournee geht.

Doch Johannes Marks plant auch eigene Projekte, die an Bestehendes andocken oder gewagt Neues schaffen. Das Dortmunder Kammermusikfestival, das er leitet, steht dieses Jahr wieder an - und die Planungen laufen bereits.

Eine Operette gegen Faschismus

Ein Projekt liegt ihm ganz besonders am Herzen: Eine Operette mit dem Arbeitstitel „Neues vom Weltuntergang", angelehnt an eine Formulierung von Thomas Mann.

"Das Stück bringt, sozusagen als Welttheater, allerhand Bedrohungen, denen wir ausgesetzt sind, auf die Bühne, ob das Klima oder den wieder aufkommenden Faschismus", hält er fest.

Marks erinnert an die Lehren der Geschichte. Er möchte aufklären und zugleich die demokratischen Parteien dazu auffordern, sich unmissverständlich von Faschisten abzusetzen und sich zusammenzutun. Denn seiner Ansicht nach muss Menschlichkeit als Idee schwerer wiegen als die klassischen Parteigrenzen.

Ein Komponist aus Dortmund hat ein Stück gegen Faschismus geschrieben

Hier geht es um ganz individuelle, musikalische Prägungen - denn für die Cellistin Laura Moinian komponiert er eigens ein Stück für Klavier und Cello. © Marks

Ein Versäumnis der demokratischen Parteien wie das vor 1933 dürfe sich nicht wiederholen. „Es soll eine Aufklärungsoperette werden. Und sie soll Mut machen, etwas zu machen und zu sagen, für Freiheit und Humanität!", unterstreicht er.

Die Operette wird als Komödie gestaltet und orientiert sich zugleich an Vorbildern wie Brecht oder Schiller. 2020 wird das Werk vom Ensemble für Neue Musik Zürich uraufgeführt.

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