Ein Leben als Flüchtling - Die Geschichte der Brüder Sadinam

Interview

In ihrem Buch „Unerwünscht“ erzählen die Brüder Sadinam die Geschichte ihrer Flucht aus dem Iran. Viktoria Degner hat zwei der Brüder, die Zwillinge Masoud und Mojtaba, getroffen und mit ihnen über ihr Leben gesprochen.

DORTMUND

von Von Viktoria Degner

, 29.09.2014, 10:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
1996 sind sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Milad als Flüchtlinge aus dem Iran nach Deutschland gekommen: Mojtaba (l.) und Masoud Sadinam.

1996 sind sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Milad als Flüchtlinge aus dem Iran nach Deutschland gekommen: Mojtaba (l.) und Masoud Sadinam.

Unsere Mutter war schon lange politisch aktiv und ist nach der Revolution 1979 für die Rechte der Frauen eingetreten. Die Gruppe, in der unsere Mutter aktiv war, wollte die Parlamentswahlen 1996 mit einer Flugblattaktion boykottieren. Als eine ihrer Mitstreiterinnen erwischt wurde und Namen verraten hat, stand fest, dass unserer Mutter etwas passieren würde.

Die Flucht war, verglichen mit den heutigen Geschichten, sehr unproblematisch. Wir sind mit gefälschten Papieren per Schlepper von Teheran nach Deutschland geflohen. Es war zwar eine heikle Angelegenheit, aber mit elf, beziehungsweise neun Jahren standen wir natürlich hinter der schützenden Hand unserer Mutter.

: Wenn man ein Land verlässt, tut man es in der Hoffnung, dass irgendwann wieder eine gewisse Normalität eintritt. Es hat sich allerdings früh gezeigt, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllen würde. Hinzu kam die Angst, ob man sich hier überhaupt ein neues Leben aufbauen darf.

Bis alle Anträge auf Asyl durch waren, hat es lange gedauert. Bis dahin hatten wir uns eingelebt und viel Neues aufgebaut. Zu hören, dass man doch gehen und sein neues Zuhause verlassen soll, war das Schlimmste an der Ablehnung.

Ich glaube, Vorurteile gibt es immer. Egal, wohin man kommt. In einer Kleinstadt wie Lengerich sind wir recht behütet aufgewachsen, trotz der Hänseleien. Da gibt es aber schlimmere Ecken in Deutschland. Man wird‘s eben nicht los, dass man Iraner ist oder einen Migrationshintergrund hat. Vorurteile bleiben bestehen.  

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt