Ein Meilenstein für den Norden: Kirchderner Graben ist renaturiert

mlzRenaturierung in Dortmund

Früher floss das Schmutzwasser offen durch die Beton-Bäche. Das ist nach der Renaturierung des Kirchderner Grabens Geschichte. Heute fließt das Wasser wieder im natürlichen Bach.

Kirchderne

, 16.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die größte und letzte „Köttelbecke“ im Dortmunder Norden ist endgültig Geschichte: Der Lippeverband hat die ökologische Verbesserung des Kirchderner Grabens und seiner Nebengewässer fertiggestellt.

Auch für den scheidenden Oberbürgermeister Ullrich Sierau war das am Mittwoch (16.9.) Grund genug, nach Kirchderne zu kommen. Er wolle demnächst Menschen aus dem Sauerland in den Dortmunder Norden bitten, um ihnen zu zeigen, wie schön es hier sei. Bisher laufe so etwas ja eher umgekehrt.

In der Vergangenheit dienten die Gewässer als offene Schmutzwasserläufe, 2010 begannen die Bauarbeiten zur Verlegung der unterirdischen Abwasserkanäle am Knoten Scharnhorst. 2015 konnte schließlich die Abwasserfreiheit des Kirchderner Grabens gefeiert werden. Die Renaturierung der Gewässer begann 2016 und wurde nun abgeschlossen.

Ein Bild mit Symbolcharakter: Die erste Sonnenblume steht schon an den renaturierten Gewässern rund um den Kirchderner Graben

Ein Bild mit Symbolcharakter: Die erste Sonnenblume blüht schon an den renaturierten Gewässern rund um den Kirchderner Graben. © Andreas Schröter

„Mit der Abwasserfreiheit des Kirchderner Grabens und seiner Nebengewässer haben wir die Lebens- und Aufenthaltsqualität der Anwohnerinnen und Anwohner enorm gesteigert“, betont der Vorstandsvorsitzende des Lippeverbandes, Prof. Dr. Uli Paetzel. Denn naturnahe Flussläufe würden die Bevölkerung dazu einladen, sich an den Gewässern aufzuhalten und zu entspannen. Im und am Wasser sei zudem Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten entstanden. „Aus ehemaligen Meideräumen wurden Gebiete der Naherholung“, sagt Uli Paetzel.

Sierau: „Ganze Stadtteile werden aufgewertet“

Für Ullrich Sierau stehen die positiven Auswirkungen der Umgestaltung des Entwässerungssystems Knoten Scharnhorst im Fokus. „Durch die Renaturierung werden die Stadtteile Kirchderne und Scharnhorst merklich aufgewertet“, so Sierau. Statt an „Köttelbecken“ wohnen die Menschen dort nun in unmittelbarer Nähe zu Bächen mit grünen Ufern - auch wenn es angesichts des trockenen Sommers momentan mit dem Wasserstand in den Bächen nicht besonders weit her ist. Für Paetzel ist das ein Zeichen des Klimawandels.

Renaturiert sind der Kirchderner Graben und seine Nebengewässer zwar, aber sie führen derzeit wenig Wasser - laut Uli Paetzel vom Lippeverband ein Hinweis auf den Klimawandel.

Renaturiert sind der Kirchderner Graben und seine Nebengewässer zwar, aber sie führen derzeit wenig Wasser - laut Uli Paetzel vom Lippeverband ein Hinweis auf den Klimawandel. © Andreas Schröter

Zu den Neubaumaßnahmen gehören auch ein 1,6 Kilometer langer Fuß- und Radweg am unteren Kirchderner Graben und ein neues, etwa 600 Meter langes Teilstück am Oberlauf des Gewässers. Diese Radwege wurden im Rahmen des Projektes „nordwärts“ mit 16.000 Euro gefördert.

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Im Rahmen der ökologischen Verbesserung wurden die Gewässer aber nicht nur aus dem Betonkorsett befreit, das jahrzehntelang für den schnellen und zuverlässigen Abtransport des Abwassers benötigt wurde. Die einst begradigten Flüsse und Bäche wurden nun zu abwechslungsreicheren und mäandrierenden Gewässertrassen. „Die Veränderung an den Gewässern ist unübersehbar: Die Betonsohlschalen sind gewichen, dafür ist die Natur ans Gewässer zurückgekehrt“, sagt der Vorsitzende des Lippeverbandsrats, Bodo Klimpel.

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Neben der Verlegung der Abwasserkanäle am Entwässerungssystem Knoten Scharnhorst waren durch die Entflechtung der Gewässer auch weitere Arbeiten nötig: So wurden das Abwasserpumpwerk Kirchderner Graben und das Gewässerpumpwerk Böckelbach neu gebaut sowie das Abwasserpumpwerk Böckelbach umgebaut. Das Gewässerpumpwerk Kirchderner Graben wird voraussichtlich noch bis 2024 umgebaut.

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Die Baummaßnahme am Kirchderner Graben und seinen Nebenläufen ist die größte in der Geschichte des Lippeverbandes. „Insgesamt wurden 300.000 Kubikmeter Boden ausgehoben, 10.400 Meter unterirdische Kanalstrecken verlegt, vier Gewässer unterquert und Stauraum für 7.500 Kubikmeter Niederschlagswasser geschaffen“, beschreibt Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand des Lippeverbandes. In die Abwasserfreiheit und die ökologische Verbesserung der Gewässer im Dortmunder Norden hat der Lippeverband insgesamt etwa 120 Millionen Euro investiert – davon rund 22 Millionen in die Renaturierung.

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