Ein Pakt für die Zukunft - Ausbildung statt Abi für Schüler in der Nordstadt

mlzAnne-Frank-Gesamtschule

Die Ausbildung in der Gesundheitspflege attraktiver gestalten: das ist Ziel einer neuen Schulpartnerschaft in der Nordstadt. Das Projekt ist für Schüler, die nicht viele Alternativen haben.

Nordstadt

, 12.03.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der ovalförmige Tisch nimmt im Untergeschoss der Anne-Frank-Gesamtschule fast den ganzen Besprechungsraum ein. Am Tisch sitzen sieben Menschen, die vor allem eines gemeinsam haben: Sie sind an der neuen „Ausbildungspaktpartnerschaft“ zwischen der Gesamtschule in der Nordstadt und dem Klinikum Westfalen beteiligt. An diesem Montagmorgen unterschreiben der Schulleiter Bernd Bruns und der Kaufmännischer Direktor der Klinik, Matthias Suelmann, den Vertrag.

Um Schüler besser auf Gesundheitsberufe vorzubereiten, hat die Schule nun diese Partnerschaft ins Leben gerufen. Das heißt, dass Jugendliche in der neunten und zehnten Klasse bereits auf eine gesundheitliche Ausbildung vorbereitet werden sollen - und zwar um einiges mehr, als Schulen das normalerweise machen. „Wir haben eine engere Bindung zu Betrieben, wir bereiten auf ein erstes Probearbeiten vor und wir begleiten die Schüler auch nach der Schulzeit im Betrieb“, sagt eine der sieben Beteiligten, die Organisatorin und Lehrerin Isabelle Spieker über Ausbildungspartnerschaften. Insgesamt gebe es laut der Stadt 49 Schulen, die 160 Partnerschaften mit 106 verschiedenen Unternehmen haben.

Die Teilnahme ist freiwillig

Ziel der Partnerschaft ist es also, die Schüler die Orientierung bei der Berufswahl zu erleichtern und auch die Ausbildung, zum Beispiel als Krankenpfleger, attraktiver zu gestalten. Trotzdem müssen sich die Schüler selbstständig bewerben: „Wir leiten nur an“, sagt die Projektkoordinatorin des Regionalen Bildungsbüros, Anja du Maire. Die Teilnahme ist für die Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule freiwillig, sie können auch jederzeit wieder aus dem „Pakt“ austreten, wenn sie sich doch für Abitur oder Berufskolleg entscheiden. Voraussetzung zur Teilnahme: Sie müssen zu Beginn der neunten Klasse starten und etwa an verschiedenen „Berufsorientierungsangeboten“ teilnehmen.

Aber auch ein freiwilliges soziales Engagement wird gern gesehen. Etwa 80 Neun- und Zehntklässler werden momentan an potenzielle Ausbildungspartner vermittelt. Seit 2017 gibt es Ausbildungspartnerschaften an der Anne-Frank-Gesamtschule, mittlerweile hat sie knapp 20 Ausbildungspartner. Darunter sind etwa das Handelsunternehmen Tedi oder die Malzer‘s Bäckereien - und seit Montag nun das Klinikum Westfalen.

An der Anne-Frank-Gesamtschule sind momentan 80 Schüler in einem "Ausbildungspakt" und werden auf Vorstellungsgespräch und Co. vorbereitet.

An der Anne-Frank-Gesamtschule sind momentan 80 Schüler in einem "Ausbildungspakt" und werden auf Vorstellungsgespräch und Co. vorbereitet. © (A) Dieter Menne

Neben der Anne-Frank-Gesamtschule in der Nordstadt hat das Klinikum auch Partnerschaften mit der Europaschule, der Max-Born-Realschule und der Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Eine Ausbildungspartnerschaft zwischen Schule und Unternehmen sei bitter nötig, sagt Klinikdirektor Matthias Suelmann. Und das nicht nur, weil es momentan in allen Bereichen Fachkräftemangel gebe. Sondern auch, was die jungen Bewerber angeht: „Ich habe den Eindruck, dass sich Jugendliche bei der Berufswahl allgemein sehr schwer tun.“ Viele Schüler entscheiden sich nach Abschluss erst einmal für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder fürs Ausland, eben weil sie nicht wissen, was sie später machen wollen, beobachtet der Klinikdirektor. Nur die Lage ist in der Nordstadt schwieriger, sagt Isabelle Spieker: „An unserer Schule gibt es keine ‚Generation Australien‘. Die Eltern haben keine Tausende Euro, um ihren Kindern ein Auslandsjahr zu finanzieren.“ Das Zeitfenster für die Berufswahl sei damit deutlich kleiner.

Die Partnerschaft sensibilisiere die Schüler dafür, sich schon früh mit Berufen auseinanderzusetzen. „Durch die enge Zusammenarbeit mit den Lehrern erhoffen wir uns, den richtigen Auszubildenden zu finden“, sagt Suelmann. „Und zwar einen, der wirklich Spaß am Beruf hat.“ Noch ein Vorteil: Man könne den Schulen Rückmeldungen geben, wenn der Bewerber nicht angemessen gekleidet ist oder häufiger zu spät kommt. Das Projekt laufe sehr gut. Es seien schon viele Ausbildungsverträge unterschrieben worden, so der Schulleiter Bruns. Wie viele genau könne man noch nicht sagen. Aber das Projekt komme auch bei den teilnehmenden Schülern gut an: „Die sind richtig stolz, wenn sie auf einmal einen unterschriebenen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben.“

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