Wie ein Einbruch das Leben verändert - drei Opfer aus Dortmund erzählen

mlzWohnungseinbrüche

Ein Einbruch in die eigene Wohnung hinterlässt oft nicht nur einen finanziellen Schaden. Auch psychisch bleiben häufig Einbruchsspuren zurück. Drei Dortmunder Einbruchsopfer berichten.

Dortmund

, 21.08.2019, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was liegt in Ihrer Wohnung in der obersten Schublade des Nachttisches? In der kleinen Schatulle hinten im Schrank? Versteckt zwischen den Büchern oder in der Kleiderstange? Über diese Fragen nachzudenken – das hilft, die wahre Tragweite eines Einbruchs zu verstehen.

Die Wohnung ist ein Ort der Geborgenheit. Individuell eingerichtet. Emotional. Wird dieser höchstpersönliche Lebensraum verletzt, ist das für viele Opfer ein traumatisches Ereignis, das Folgen über die Tat hinaus hat. Drei Einbruchsopfer haben uns ihre Erlebnisse geschildert. Zu ihrem Schutz verzichten wir auf die Nennung der Nachnamen und auf Bilder der Personen.

Sebastian (27):

„Ich bin nachmittags von der Arbeit gekommen und habe schon im Treppenhaus gesehen, dass meine Wohnungstür aufgehebelt war. Ich kam in die Wohnung und schon im ersten Zimmer – dem Schlafzimmer – war alles durchwühlt. Überall lagen Klamotten rum, Schubladen und Schränke waren offen.“

Gestohlen wird bei Sebastian vor allem Technik. Computer, Konsolen und ein Fernseher. Zusammen im Wert von 4500 bis 5000 Euro. Eine Hausratversicherung hat Sebastian damals nicht.

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„Ich habe mich danach dauerhaft in der Wohnung unwohl gefühlt. Wenn ich nach Hause gekommen bin, habe ich mich öfter erstmal umgeschaut. Eine zeitlang konnte ich nur noch im Wohnzimmer schlafen“, sagt Sebastian.

So wie Sebastian erleben viele Einbruchsopfer die Zeit nach der Tat. In einer Befragung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen von 2014 gab mehr als die Hälfte von ihnen an, sich in gewohnter Umgebung unsicher zu fühlen. Laut einer Auseinandersetzung mit den emotionalen Folgen eines Einbruchs in der Fachzeitschrift „Kriminologie“ aus dem Jahr 2013 wiegt der Einbruch in den sicher geglaubten Rückzugsraum sogar schwerer als der Verlust an Gegenständen von idellem oder materiellem Wert.

Miriam:

„Man musste im Dunkeln erst ein Stück durch den Flur in das Wohnzimmer, um an den ersten Lichtschalter zu kommen. Als ich dann im Wohnzimmer stand, ist mir aufgefallen, dass alle Schränke, Schubladen und auch die Terassentür offen standen. In dem Moment war ich wie versteinert: Was, wenn der Einbrecher noch in der Wohnung ist?“

Möglicherweise vertreibt Miriam damals durch ihr Kommen den Täter. Geklaut werden auch die Geburtstagsgeschenke für ihre Mutter. Miriam kann nach dem Einbruch nicht mehr allein in ihrer Wohnung schlafen.

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„Ich fand es auch mehr als ekelig, dass sie in allem gewühlt, alles gesehen und alles angefasst haben. Noch heute graust es mir vor einer Wiederholung“, schreibt Miriam auf Instagram.

Andere Betroffene berichten laut der Studie aus dem Jahr 2014 von Gefühlen der Hilflosigkeit, von anhaltenen Schlafstörungen, von Ekel und von Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen. Und: Fast zwei Drittel der befragten Einbruchsopfer in dem Fachbeitrag von 2013 gaben an, den Einbruch in ihre Wohnung als eine stärkere Belastung zu erleben, als sie vorher gedacht hatten.

Wencke (46):

„Ich bin von der Arbeit gekommen. Auf der Treppe hoch von meiner Souterrain-Wohnung sind mir im Dunkeln zwei Personen entgegen kommen. Die Tür nach außen stand offen. Aber selbst, als ich gesehen habe, dass im Schlafzimmer alles durchwühlt war, habe ich erstmal nicht geschnallt, was da gerade passiert ist. Ich habe das einfach nicht realisiert, war wie im Schock.“

Gestohlen wird aus Wenckes Wohnung damals kaum etwas. Ein paar Swatch-Uhren fehlen. Wencke liegt danach zwei Wochen lang mit einem Messer im Bett, lässt Sicherheitsschlösser einbauen.

Präventionsverhalten – auch das ist eine mögliche Folge von Einbrüchen. Betroffene lassen laut der Studie aus Niedersachsen öfter das Licht brennen, achten stärker auf unbekannte Personen in der Nachbarschaft. Manche lassen auch neue Sicherungen in Türen und Fenstern oder Videokameras einbauen.

Aufgeklärt werden die wenigsten Wohnungseinbrüche. Einer der Rechner von Sebastian wird Jahre später über seine Seriennummer in Osteuropa gefunden. Die Täter nicht.

Der Weiße Ring hilft Opfern

Menschen, die Opfer eines Einbruchs oder einer anderen Straftat geworden sind, finden Hilfe beim Weißen Ring. Die Dortmunder Außenstelle ist zu erreichen unter Tel. (0231) 91 29 861.
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